Struktur-fokussierende Deutungsaushandlungen im Rahmen des kooperativen Lernens

Interaktionen im Rahmen des kooperativen Lernens können dazu führen, dass Kinder durch die Deutungsdifferenzen einen stärker fokussierenden Blick auf den Gegenstand werfen. Mit anderen Worten: Unterschiedliche Deutungen von mathematischen Zeichen können den Kindern in der Kommunikation und Kooperation bewusst werden und zu einer Erweiterung ihrer eigenen Deutungen führen. Im Hinblick auf die Ablösung vom zählenden Rechnen interessiert insbesondere welche Strukturen von den Kinder erkannt, diskutiert und genutzt werden, die alternative Deutungen zu zählenden Sichtweisen sind. Als alternative bzw. erweiternde Sichtweise zum zählenden Rechnen können auf der Grundlage der theoretischen Überlegungen diejenigen Deutungen angesehen werden, bei denen Kinder Strukturen zwischen Zahlen und zwischen Aufgaben in den Blick nehmen. Ebenso entsprechen Deutungen, die auf ein Operationsverständnis schließen lassen, bspw. wenn zwischen unterschiedlichen Repräsentationsebenen Verbindungen hergestellt werden können, einer Erweiterung eines ausschließlich zählenden Zugangs. Diese Art der Deutungen sollen im Folgenden struktur-fokussierende Deutung genannt werden. Sowohl der Begriff als auch die Zuordnung zu dem Begriff wird sich im Rahmen des abduktiven Prozesses der Interpretation weiter ausschärfen (vgl. Kap. 4.2.2).

In diesem Kapitel werden die Interaktionen der zählend rechnenden Kinder und ihre Partnerkinder dahingehend analysiert, inwiefern sich zwischen den Kindern in der Kooperation unterschiedliche Deutungen zeigen. Dabei sind zwei Fragen handlungsleitend: (1) Kann in der Interaktion eine strukturfokussierende Deutung rekonstruiert werden und was macht dies aus? (2) Kommt es zwischen den Kindern zu Deutungsdifferenzen und führt die Aushandlung dieser zu einer Erweiterung oder Modifizierung eigener Deutungen und ggf. zu einer struktur-fokussierenden Deutung. Einleitend werden, aufbauend auf den Ausführungen zur epistemologischen Sicht auf Interaktion (Kapitel 3.2) und Grundannahmen der interpretativen Unterrichtsforschungen (Kap. 4.2.2), Überlegungen zu Deutungsaushandlungen diskutiert und daraufhin prototypische Szenen analysiert.

 
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