Konstruktives Forschungsinteresse

Aufbauend auf theoretischen Ausführungen zur Bedeutung von Kooperation und Interaktion beim Lernen von Mathematik wurde die Annahme generiert, dass eine unterrichtsintegrierte, kooperativ angelegte Förderung bezogen auf spezifische Inhalte zu einer Ablösung vom zählenden Rechnen führen kann. Im Rahmen dieser Arbeit wurde der Frage nachgegangen, wie Lernumgebungen für eine unterrichtsintegrierte, kooperativ ausgerichtete Förderung konzipiert werden können, so dass

• zählend rechnende Kinder zentrale Kompetenzen erwerben und zugleich leistungsstärkere Kinder weiterführende Ziele erreichen.

• kooperierende Kinder zu Deutungen angeregt und produktive Deutungsdifferenzen in der Interaktion initiiert werden.

Die für die Förderung entwickelten Bausteine greifen die empirischen Erkenntnisse auf, dass formales kooperatives Lernen wirksam ist und in der Interaktion neues mathematisches Wissen entwickelt werden kann (vgl. Kap. 3). Bei der Entwicklung der Lernumgebungen wurden inhaltliche Analysen des Lerngegenstandes im Sinne des Spiralprinzips, mathematikdidaktisch einschlägige Konzeptionen zur Differenzierung wie "natürliche Differenzierung" und "Parallelisierung" mit Methoden kooperativen Lernens verknüpft. Ergebnisse des Konstruktionsprozesses sind 20 Lernumgebungen, die durch ein gegenseitiges Nutzbarmachen der Konzeptionen entstanden sind. Dabei wurden die zentralen didaktisch-methodischen Zugänge nicht additiv kombiniert, sondern so verknüpft, dass kooperierende Kinder z. B. durch die entwickelten Methoden "Wippe" und "Weggabelung" im Wechselspiel mit den diskursiven Aufgaben angeregt wurden, Deutungen vorzunehmen und zu besprechen (vgl. Kap. 5.1 & Kap. 7). Die am Spiralprinzip ausgerichteten und konsequent differenzierten, zentralen Inhalte zur Ablösung vom zählenden Rechnen ermöglichen den verfestigten zählend rechnenden Kindern eine Auseinandersetzung mit kritischen Stellen ihres Lernprozesses, während zugleich leistungsstärkere Kinder durch strukturfokussierende Deutungen ihre Einsichten zu Beziehungen zwischen Zahlen, Operationen und Aufgaben vertiefen, verallgemeinern und versprachlichen konnten.

Die Design-Prinzipien der Lernumgebungen sind geeignet, unterrichtsintegrierte Förderbausteine mit dem Fokus auf der Ablösung vom zählenden Rechnen zu kreieren (vgl. Kap. 5.2 & 5.3). Auch über den Inhaltsschwerpunkt der Ablösung vom zählenden Rechnen hinaus sind sie verwendbar, um Lernumgebungen zu entwickeln, in denen ein gemeinsames Lernen von Kindern mit unterschiedlichen Kompetenzen in Kooperation miteinander möglich ist. Da Mathematiklernen im Spiegel von Inklusion zunehmend in heterogenen Gruppen erfolgt, liegen mit den Design-Prinzipien Leitideen vor, um zu unterschiedlichen Inhaltsbereichen Lernumgebungen für heterogene Gruppen zu entwickeln, mit denen zentrale mathematische Inhalte differenziert und doch gemeinsam behandelt werden können.

 
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