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Anlässe für eine Deutungsaushandlung in der Kooperation

Die analysierten Szenen zeigen, dass zählend rechnende Kinder in der kommunikativ-kooperativen Auseinandersetzung mit einem Partnerkind angeregt werden, Deutungen zu mathematischen Zeichen vorzunehmen. Durch das kooperative Setting erhalten zählend rechnende Kinder eine Anregung zur Aufmerksamkeitsfokussierung elementarer mathematischer Zusammenhänge. Dabei zeigen sich die Tätigkeiten des Vergleichens und des Sortierens als besonders produktiv für die Deutungsaushandlung – also die durch die formale Kooperation initiierten gemeinsamen Tätigkeiten (vgl. Kap. 6). Die didaktischmethodischen Überlegungen bei der Konstruktion der Lernumgebungen werden demnach durch die rekonstruierten Deutungen der Kinder bestätigt.

Doch auch informelle kooperative Settings können sich zu produktiven, kooperativen Lernsituationen entwickeln, vor allem wenn durch diese Situationen ein gemeinsamer, möglicherweise für die formale Kooperationssituation angedachter Blick auf Strukturen bereits vorwegnehmend eingenommen wird. Auch hierin zeigt sich die Güte der Aufgabenkonstruktion, da die Kinder bereits vor der formalen Phase der Kooperation über die struktur-analogen Aufgaben zu Deutungsdifferenzen kommen können.

Es wird deutlich, dass die zählend rechnenden Kinder ebenso wie ihre Partner Ideen und eigene Deutung in die Interaktion einbringen und sie bereichern. Eine starre Rollenverteilung ist vor allem dann zu sehen, wenn gemeinsame Überlegungen notiert werden sollten. Hier zogen sich die leistungsschwächeren Kinder zurück, was natürlich auch dazu führt, dass eine Ausdifferenzierung der Überlegungen dann ggf. von dem Partnerkind allein vorgenommen wird.

 
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