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Ausstellungen heute

An die Öffentlichkeit treten Museen in erster Linie durch ihre Ausstellungen: die langfristigen Dauerausstellungen sowie die kürzere Zeit gezeigten Wechselausstellungen. Letztere waren lange Zeit eher gelegentliche Maßnahmen und machen heute einen großen Teil der Aktivitäten der meisten Museen aus. Ein überwiegender Teil der verfügbaren Arbeitskraft und der Finanzmittel wird daher in die Wechselausstellungen investiert. Mehr und mehr besinnen sich viele Museen wieder auf die Präsentation ihrer Dauerausstellung und die Schätze, die in ihren eigenen Depots lagern.

Bei der Konzeption der Ausstellungen haben sich neue Fragestellungen und Gewichtungen ergeben: So dokumentieren Völkerkundemuseen, einstmals Anhäufungen exotischer Objekte, auch die aktuelle Lage ferner Völker, die Eigenständigkeit ihrer Kulturen, aber auch die Auswirkungen von Kolonisierung, Globalisierung, kultureller Nivellierung und Umweltzerstörung. Geschichtsmuseen legen Wert auf Alltagskultur und Arbeitswelt, Kunstmuseen erklären künstlerische Techniken und gesellschaftliche sowie wirtschaftliche Zusammenhänge, Naturkundemuseen zeigen Lebenszusammenhänge und Umweltgefährdung. Evaluation und Besucherforschung unterstützen die Konzeptarbeit.

Bei heutigen Ausstellungen wird immer mehr Gewicht auf ihre Gestaltung, auf das Ausstellungsdesign gelegt, um dadurch ein intensives Erleben sowie Kenntnisse und Einsichten in die zu vermittelnden Inhalte geben zu können.

Neue Technologien bieten auch den Museen neue Möglichkeiten, ihre Exponate und deren Umfeld zu erklären. Neben die herkömmlichen Beschriftungen sind Filme und Videos, akustische Führungsmedien, Computer-Simulationen und -Animationen getreten; durch „hands-on“ -Angebote soll das Publikum aktiviert werden.

Besonders zu beachten ist im Rahmen einer Erlebnisstrategie (vgl. Abschnitt

„Besucherorientiertes Museumsmarketing“) die Möglichkeit bzw. die Notwendigkeit zu „LERNEN IN ERLEBNISWELTEN”.

Fünf Merkmale sind kennzeichnend für die Entwicklung von Erlebniswelten zu Lernorten:

• Erlebniswelten als Lernorte erweitern den Lernbegriff, indem sie den seit Industrialisierung und „Verschulung“ zunehmend dominierenden kognitiven Lernbegriff erneut stärker mit den Begriffen und Formen des emotionalen und handlungsorientierten Lernens „ganzheitlich“ verbinden;

• Freizeit mit „Freizeiterlebnisorten“ erhält dabei den Rag einer neuen

„fünften Säule“ im Bildungswesen;

• Die besondere Funktion erlebnisorientierter Lernorte ist dabei das Wecken von Interessen als Voraussetzung und Anregung für längerfristige interessengesteuerte Lernprozesse zum Erwerb von Kompetenz. Das“thematische Lernen“ setzt dabei weitere Lernstufen voraus, insbesondere das emotionale, sowie das kommunikative Lernen;

• Die Neuprofilierung des pädagogischen Paradigmas „Arrangieren und Beraten treten vor Unterrichten und Dozieren“erhält hier hohe Priorität: Die Förderung selbstgesteuerten „informellen“ Lernens wird wichtiger als die Kursgestaltung;

• Gut inszenierte Events erweisen sich dabei als eine wirksame pädagogische Strategie: Sie aktivieren in einer Gesellschaft von Spezialisten und Singles kommunikatives Lernen in Gruppen.

 
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