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Fazit

Wenn man heute von Museen spricht oder darüber debattiert, muss man sich einem Thema widmen, das mit Schlagworten wie „Edutainment“ (Education und Enterteinment), „Lernen im Vorbeigehen“ oder „Erlebniswelten“ ebenso populär wie umstritten umschrieben wird. Kulturelle Grundversorgung und Eventkultur ergänzen sich oder, präziser formuliert, Events sind Teil der kulturellen Grundversorgung.

Konnte man bisher feststellen , dass sich Museen und Freizeitoder Themenparks eher skeptisch gegenüberstanden, weil die einen für den „Spaß“, die anderen für das „beschwerliche Lernen“ zuständig waren, so lässt sich mittlerweile feststellen, dass sich bei beiden „Freizeitanbietern“ ein Wandel vollzieht: Längst gehören in Museen Events wie Lange Nächte, Theateraufführungen, internationale Museumstage und sogar Konzerte. Der Wunsch, Schwellenängste von Nichtbesuchern zu überwinden und das Museum für neue Zielgruppen zu öffnen, steht im Mittelpunkt dieser Aktivitäten. In der Regel werden diese mit Hilfe der Museumpädagogik geplant und durchgeführt. Eventkultur muss also für die Besucherorientierung der Museen nutzbar gemacht werden. Ansonsten laufen die Museen lediglich einem Trend nach, um die Besucherzahlen zu halten und Marktanteile zu sichern.

Befragungen bei besonderen Events bzw Initiativen (vgl. die einschlägigen Erhebungen des Instituts für Museumskunde in Berlin) haben ergeben, dass BesucherInnen nicht nur aus Neugier teilnehmen oder Lust, einem speziellen Kulturerlebnis beizuwohnen, sondern auch und gerade, um neue Museen kennen zu lernen, Ausstellungen zu besichtigen und von thematischen Angeboten zu profitieren. Eine Bestätigung dafür wird von den Konzerten dargestellt, die im Sommer auf Schloss Firmian in Bozen (Messner Mountain Museum) organisiert worden sind.

Diese Ergebnisse zeigen, dass auch bei Eventveranstaltungen im Museum nicht allein das Spektakel zählt, sondern die inhaltliche und thematische Anbindung von entscheidender Bedeutung für die BesucherInnen ist. Dies belegt die These, dass sich allein mit spektakulären Aktionen kein Publikum auf Dauer binden lässt. Es geht darum, durch kontinuierliche und qualitätsvolle Angebote das Museum auch jenseits von kurzfristigen Veranstaltungen attraktiv zu halten. Das bedeutet aber auch an den gewandelten Interessen und Wahrnehmungsgewohnheiten der BesucherInnen anzusetzen: Dies erreichen die Museen vor allem durch spannende Ausstellungen und daraus resultierende phantasievolle Angebote für verschiedene Besucherschichten.

Genau deshalb thematisieren wir das Spannungsverhältnis zwischen Inhalt und Event, und nicht weil die Marketingabteilung des Museums dies vorschlägt, sondern die Bedürfnisse und Forderungen von BesucherInnen immer im Mittelpunkt der museumpädagogischen Arbeit stehen müssen. Bei näherem Hinsehen findet man aber auch in den Themenparks (das sogenannte Swarowsky Museum in Wattens gehört zu dieser Kategorie) zielgruppenund themenspezifische Angebote, die nicht nur Spaß machen (das Museum in Wattens hat Capoeira Exibitions, Photos, Kostüme zum Thema Brasilien angeboten) sondern auch Inhalte vermitteln wollen. Erkenntnisse der Freizeitforschung (vgl. Opaschowski u.a. 2006) legen nahe, dass in Themenparks ein erlebnisorientierter Zugang zu Gesellschaft, Politik, Naturwissenschaft und Technik eröffnet wird. So kann z.B. das Erlebnis einer Fahrt in der Achterbahn genutzt werden, um physikalische und mathematische Grundlagen zu veranschaulichen.

Dies ist nur ein Beispiel um zu unterstreichen, dass die Bedeutung der Emotionen und des Handelns für das Lernen heute reaktiviert werden sollte. Modern konzipierte Museen, die sich als auf die Gestaltung von „Erlebnissen“ konzentrierte „Lernorte“ verstehen, werden nicht nur für die Schulen und die SchülerInnen, sondern auch für die ganze Familie, für Singles wie Freundesgruppen, Vereine wie Belegschaften von Betrieben, für Spaßund Erlebnisziele durch Kultur für Besucher aus dem Inund Ausland zu Schrittmachern. Die Rückgewinnung eines „ganzheitlichen Lernens mit Kopf, Herz und Hand…“ (Pestalozzi) bedeutet „Erlebnis“. Diese Entwicklung entspricht einer Veränderung in der sozialen Struktur hochentwickelter „postmoderner“ Gesellschaften auf dem Wege zu einer Integration von Erlebnisund Wissensgesellschaft.

Literatur

Heinze, Th. (2009 4. Aufl.): Kultursponsoring, Museumsmarketing, Kulturtourismus. Ein Leitfaden für Kulturmanager. Wiesbaden

Institut für Museumskunde Berlin (Hrsg.) (1996): Erhebung der Besucherzahlen an den Museen der Bundesrepublik Deutschland für das Jahr 1995. Materialien aus dem Institut für Museumskunde. Berlin

Opaschowski, H.W.; Pries, M.; Reinhardt, U. (2006): Freizeitwirtschaft. Die Leitökonomie der Zukunft. Hamburg.

Terlutter, R. (2000): Lebensstilorientiertes Kulturmarketing. Wiesbaden

 
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