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Stadtentwicklung

Stadtentwicklung bedeutet die Steuerung der räumlichen und strukturellen Gesamtentwicklung der Stadt, die auch die gesellschaftliche, wirtschaftliche, kulturelle und ökologische Entwicklung beinhaltet und eine interdisziplinäre, integrierte und zukunftsgerichtete Herangehensweise verlangt.[1] Sie umfasst somit mehr als die Aufgaben der Stadtplanung, auch wenn die baulich–räumliche Entwicklung der Städte bzw. von Teilbereichen (z.B. die Nutzung von brachliegenden oder die Umgestaltung von abgewirtschafteten Gebieten), das Vermeiden weiterer Zersiedelungen, der sensible und nachhaltige Umgang mit dem städtischen kulturellen Erbe sowie die Förderung hoch wertiger Architektur und Bautechnologien wesentliche Aspekte darstellen.

Kulturbauten, insbesondere Museen, setzen im Rahmen der Stadtentwicklungspolitik wichtige städtebauliche Akzente, wofür in Deutschland das Frankfurter Museumsufer ein prominentes Beispiel ist. Ein Gesamtplan Museumsufer –Anfang der 1980er Jahre unabhängig vom Museumsentwicklungsplan des Kulturdezernenten vom Magistrat beauftragt – sollte die Kernstadtzone neu definieren mit den Schwerpunkten Kultur und Freizeit. „Es wurden mehrere unabhängige Museumsbauten ausschließlich nach ihrer städtebaulichen Funktion am Mainufer geplant“. Mit Blick auf die Funktion der Museen ist daher von einer städtebaulichen Instrumentalisierung die Rede.[2]

In Liverpool wurden Museen im Rahmen des 1982 begonnenen Revitalisierungsprojekts der Docks an einer Uferfront des Mersey–Flusses neu angesiedelt. Das sollte sich auf die angrenzenden Stadtviertel auswirken.

Für eine nachhaltige Stadtentwicklung im 21. Jahrhundert könnte die gemeinsame Vision der Teilnehmenden der 4. Konferenz Zukunftsbeständiger Städte und Gemeinden, „Inspiring Futures – Aalborg+10“, aus dem Jahr 2004, als ein Leitbild dienen:

„Wir haben die Vision integrativer, prosperierender, kreativer und zukunftsfähiger Städte und Gemeinden, die allen Einwohnerinnen und Einwohnern hohe Lebensqualität bieten und ihnen die Möglichkeit verschaffen, aktiv an allen Aspekten urbanen Lebens mitzuwirken“.[3]

Einen möglichen Weg zeigt die Leiterin des Amts für Kultur und Bibliotheken des Bezirksamts Neukölln von Berlin 2011 auf.[4] Hermann Glasers "sozial-ästhetische Infrastruktur" könnte der roten Faden sein bei Entwicklung einer neuen und nachhaltigen kulturellen Infrastruktur im Kontext sozialer Stadtentwicklung.

„Dieses Konzept von "sozial-ästhetischer Infrastruktur" bezieht sich auf sehr unterschiedliche Ebenen, auf real Gebautes wie auf reale Institutionen und auf Kunstproduktion und -präsentation, doch mindestens gleichwertig auf Konzepte, Leitideen, partizipative Kulturentwicklungspläne, Strukturen kultureller Bildung, Qualifizierungsmethoden, Benchmarking und Evaluierung, auf Kommunikationswie Förderstrukturen.“

Sie fordert u. a. mehr Freiräume, die auch als Bürgerkulturforen zu nutzen wären, die Öffnung öffentlich finanzierter Kultureinrichtungen auch für andere Nutzungen und deren Weg hinaus in den öffentlichen Raum, die Achtung von Vielfalt in der kulturellen Infrastruktur.

„Soziale Stadtentwicklung als Leitlinie für kulturelle Infrastruktur bedeutet anderes kulturpolitisches Denken, das weniger von institutionellen Ausstattungen her gedacht ist, sondern als neues Governance-Konzept unter dem Vorzeichen Partizipation und Teilhabe für alle Arbeitsaufgaben Gültigkeit erringen muss.“

Kultur als Motor der Stadtentwicklung? In der Theorie allemal und in der Praxis

z.B. im Kontext der Ausrichtung von Kulturhauptstadt Europas Programmen auch. Für Linz wurde in der Bewerbungsphase für 2009 proklamiert: „Wenn Linz gewinnen will, dann müssen alle Beteiligten in Stadt und Gesellschaft die Kulturhauptstadt als Stadtentwicklungsprojekt sehen. Das ist, richtig verstanden, Nachhaltigkeit.“[5]

  • [1] Siehe Wikipedia, de.wikipedia.org/wiki/Stadtentwicklung
  • [2] Siehe dazu: Volker Kirchberg: “Gesellschaftliche Funktionen von Museen. Makro-, mesound mikrosoziologische Perspektiven“, Berliner Schriften zur Museumskunde Band 20, 2005, Seite 110f
  • [3] Zitat aus “The Aalborg Commitments inspiring future“, 2004; deutsche Fassung: ccre.org/docs/Aalborg03_05_deutsch.pdf
  • [4] Dorothea Kolland: “Kulturelle Infrastruktur und soziale Stadtentwicklung. Für einen Paradigmenwechsel im Verständnis kultureller Infrastruktur und deren Planung“, in Kulturpolitische Mitteilungen Nr. 133, II/2011
  • [5] Ulrich Fuchs: “Kultur als Motor der Stadtentwicklung. Linz soll Neues wagen und einen weiteren mutigen Schritt tun in seiner Entwicklung!“, in: XING 05/06, Seite 45
 
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