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Kulturentwicklungspläne

Für die Geschichte kultureller Planungen im deutschsprachigen Raum werden drei Phasen beschrieben[1]. Die erste entspreche der kulturpolitischen Neuorientierung der 1970er Jahre und der Forderung nach Demokratisierung der Kultur und ende Mitte der 1980er Jahre. Für unsere Fragestellungen relevant sind die Ziele Dezentralisierung von kulturellen Angeboten und Flexibilisierung sowie Mobilisierung von kultureller Infrastruktur; und unter den strategischen Maßnahmen die Förderung infrastruktureller Rahmenbedingungen und neue Formen der Stadtteilkulturarbeit.

In der 2. Phase – Ende der 1980er bis Mitte der 1990er Jahre – verlange die Bedeutungszunahme von Kultur in wirtschaftsund arbeitsmarktpolitischer Hinsicht aber auch die Verknappung der finanziellen Ressourcen der öffentlichen Hand neue Ansätze in der kulturellen Planung. Strukturierungsgedanken drängten den ursprünglichen Entwicklungscharakter von Kulturentwicklungsplänen zurück.

Ab der Mitte der 1990er Jahre – und auch noch im 21. Jahrhundert – würden die Planungsansätze weiter ausdifferenziert und nicht nur für einzelne Städte sondern für ganze Stadtregionen, Landkreise oder Bundesländer angewendet. Bei der Erstellung kämen neue kooperative Methoden zur Anwendung, insbesondere durch den Einsatz von Neuen Medien. Es käme zu einer Relativierung des Etatismus, und die öffentlichen Aufgabenbereiche veränderten sich. Querschnittmaterien wie Migration, Gender, Kreativwirtschaft oder Tourismus würden verstärkt einbezogen.

In dieser 3. Phase vereinten die Planungsansätze Entwicklungsund Strukturierungselemente.

Haben sich Kulturentwicklungspläne ursprünglich auf die Leistungen und Angebote der Kultureinrichtungen des Untersuchungsbereichs konzentriert, so wird inzwischen das gesamte kulturelle Feld bedacht und versteht sich Kulturentwicklungsplanung auch als Teil der Stadtentwicklung.

„Die Wichtigkeit von kultureller Planung liegt insbesondere darin, langfristig wirkende Potenziale für ein zukünftiges Kulturangebot in der Stadt zu entdecken, zu beschreiben und Entwicklungsund Umsetzungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Kulturentwicklungsplanung in der Gegenwart kann sich allerdings nicht nur auf Binnenprobleme des Kulturbereiches beschränken. Kunst und Kultur müssen vielmehr auch als Mittel und Teil von Stadtentwicklung gesehen werden. Vor diesem Hintergrund ist Kulturentwicklungsplanung Stadtentwicklungsplanung im weiteren Sinne – ein wichtiges Element, um urbane Prozesse voranzutreiben.“[2]

Die Stadt Linz, Hauptstadt von Oberösterreich, hat im Jahr 2000 ihren ersten Kulturentwicklungsplan beschlossen mit Leitlinien, Prioritäten und Rahmenbedingungen für die Kulturpolitik von Linz für die nächsten 10 Jahre. Höhepunkt dieser strategischen Kulturentwicklung war das Europäische Kulturhauptstadtjahr Linz 2009. Der Wandel von einer Industriestadt zu einer dynamischen Wirtschaftsund Kulturstadt, für den bereits in den 1970er und 1980er Jahren entscheidende Maßnahmen gesetzt worden waren, manifestierte sich dabei eindrucksvoll.

Waren die vier inhaltlichen Säulen 2000 „Kultur für alle“, „Neue Medien und Technologien“, „Freie Szene“ und „Offene Räume“, so sind die für den 2013 beschlossenen Kulturentwicklungsplan NEU: „Chancengleichheit erhöhen“, „Potenziale fördern“, „Zugänge schaffen“ und „Stadt öffnen“. Der neue Kulturentwicklungsplan wird auch für die nachhaltige Wirkung der so wichtigen Impulse für eine verstärkte Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen und urbanen Fragestellungen, die das Kulturhauptstadtjahr gebracht hat, sorgen.

In den bereits zitierten im Netz verfügbaren Dokumenten kann man sich vom erstaunlich großen Umfang und hohen Detaillierungsgrad der beschlossenen Ziele und Maßnahmen ein Bild machen und auch vom partizipativen Prozess.[3]

Kulturentwicklungspläne werden auch für Bezirke von Städten erstellt, die die Leitlinien und Ziele gesamtstädtischer Konzepte zu berücksichtigen haben. Als Bespiel dafür sei der Kultur-Entwicklungsplan Neukölln erwähnt, in dem es auch um „Kunst und Kultur im Stadterneuerungskontext“ geht.[4] Kultur spielt eine wichtige Rolle im Rahmen der Arbeit der Quartiersmanagements: Mit Unterstützung der „Zwischennutzungsagentur“ nutzen Künstler zu niedrigen Mietkosten leer stehende Lokale. Es kommt neues Leben auch durch die Schaffung von Infrastruktur (Kneipen, Straßenfeste, Zeitungen). In einigen Quartieren siedeln sich kleine Kreativwirtschaftsbetriebe an. Die Veränderung der Bewohnerstruktur ist wahrnehmbar, von einem Potenzial zum Stadtenwicklungsund damit auch Wirtschaftsfaktor zu werden, kann man ausgehen.

  • [1] Siehe dazu: “Der neue Kulturentwicklungsplan für die Stadt Linz. Grundlagenpapier – Langfassung“, Oktober 2011, kep.public1.linz.at/wp-content/uploads/2011/11/KEP_neu_Langfas- sung_Grunglagenpapier.pdf Seite 20f, Bezug nehmend auf Markus Morr: “Kulturentwicklungsplanung“, in: Verena Lewinski-Reuter und Stefan Lüddemann (HRSG.): “Glossar Kulturmanagement“, Wiesbaden 20011, Seite 138ff
  • [2] 32 Siehe Anm. 7, Seite 6
  • [3] Dieser Prozess wird als Fallbeispiel für im Abschnitt “Bürgerbeteiligung“ kurz beschrieben
  • [4] Bezirksamt Neukölln von Berlin (Hrsg.): “Kultur-Entwicklungsplan Neukölln“, Berlin 2009, insbesondere Seite 40ff, kultur-neukoelln.de/client/media/624/kulturentwicklungsplan.pdf
 
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