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Der Prozess

1. Phase: Der Stadtrat beauftragt ein Marktforschungsfirma mit einer Studie zum

„Riverside Projekt“ auf Grundlage erster Entwürfe für den Bau. Zwei Fokusgruppen mit Bewohnern der Umgebung des bestehenden und des neu entstehenden Museums diskutierten und kommentierten diverse Aspekte des Entwurfs für Gebäude und Umgebung sowie Auswahl und Präsentation der Objekte im aktuellen Museum. Zusätzlich wurden Wünsche hinsichtlich der Auswahl und Interpretation der Objekte für die Neuaufstellung gesammelt, die teilweise sehr konkret waren. Die Ergebnisse wurden der Museumsleitung 2004 vorgelegt.[1]

2. Schritt: „Public Consultation“ – Advisory Panels

Nach der Grundsteinlegung im November 2007 wurde im Jänner 2008 das Rahmenkonzept für die Advisory Panels[2] erstellt mit Leitlinien und Aufgabenstellungen für das Riverside Museum. Die Grundzüge galten auch für die Projekte

„Kelvingrove Museum“ und „Glasgow Museum Research Centre 2“.

Die Beratungsgruppen sollten spezifischen Input für die Gestaltung von Serviceeinrichtungen und Ausstellung sowie deren Inhalte und mediale Vermittlung liefern, als Anwälte derjenigen Bevölkerungsgruppen agieren, der ihre Mitglieder angehörten und somit als Link zwischen dem Museum und einer breiteren Öffentlichkeit fungieren.

Für alle Gruppen wurden die speziellen Ziele der vorerst für vier Jahre anberaumten Beratungen sowie die Herkunft der Teilnehmenden festgelegt. Die fünf Panels („Community”, „Education”, „Access”, „Teen” und „Junior”) sollten sich drei Mal jährlich für 1 ½ bis 2 Stunden unter der Leitung eines Mitglieds des Projektteams aus dem Museum treffen. Die Gültigkeit des Dokuments war befristet und Adaptierungen gemäß dem Projektverlauf vorgesehen.

Effekte:

Über die Auswirkungen der Tätigkeit der Advisory Panels, die auch nach der Eröffnung des Museums noch aktiv waren, wurde eine Evaluation in Auftrag gegeben[3], für die sowohl Teilnehmende an den Panels als auch Museumsmitarbeiter befragt wurden. Sie lag im November 2012 vor und stellt der Beratungstätigkeit ein gutes Zeugnis aus: Das Gebäude sei um vieles zugänglicher geworden auch für Besucher mit speziellen Bedürfnissen, die Inhalte stärker auf spezielle Nutzergruppen ausgerichtet. Der weit über den Erwartungen liegende Publikumszuspruch und die hohe BesucherZufriedenheit könnten als Beleg für den Erfolg des Beteiligungsverfahrens angesehen werden. Die PanelTeilnehmer „appreciated being given a voice to influence one of the City's major cultural projects”, drückten aber auch Frustration darüber aus, dass manche ihrer Ansichten nicht angenommen wurden, und dass sie keine größere Rolle bei der Entwicklung der Inhalte hatten.[4] Die Museumsmitarbeiter schätzten die sehr unmittelbare Beratung durch verschiedene Nutzergruppen und die Bestätigung bzw. Beeinflussung ihrer Entscheidungen durch diese. Mehr Treffen und mehr Zeit wären von Vorteil gewesen. Die Manöverkritik wurde sehr ernsthaft betrieben, führte z.B. zur Auflösung des Education Panels als formelle Gruppierung und zu Empfehlungen für die weitere Arbeit der Panels.

Am Ende des Kurzführers des Museums wird unter der Überschrift „The Future“ nicht nur auf die wertvolle Unterstützung der lokalen Bevölkerung hingewiesen:

„The Riverside Museum could not have been created without your help“, sondern auch die Einladung ausgesprochen, sich weiter einzubringen: „The displays are designed and laid out to be flexible and easily changed. With thousands of objects in our care, Glasgow Museums can never display all of the city's collections at once. We welcome your views to help shape the museum in the future. What would you like to see, what stories should be told, what collections are missing?”[5]

Dem Grundverständnis britischer Kulturpolitik entsprechend wird Partizipation ganz selbstverständlich gelebt und hat den Effekt, dass die Bürger sich sehr stark mit ihren Museen identifizieren, stolz auf sie sind und sich auch entsprechend einbringen.

  • [1] Lowland Market Research: “Glasgow City Council – Glasgow Museums – Riverside Project – Initial Qualitative Research“, prepared for: Claire Richmond Museum of Transport, November 2004, glasgowlife.org.uk/museums/Documents/Projects/Local%20resident%20fo- cus%20groups%20report_Lowland%20November%202004.pdf
  • [2] “glasgow museums advisory panels constitution”, glasgowlife.org.uk/museums/Documents/Projects/Riverside%20Museum%20Exhibitions%20and%20events/GM8%20Glasgow%20Museum%20Advisory%20Panel%20Constitution.pdf
  • [3] eskogan: “An Evaluation of Glasgow Museums' Advisory panels. A report for Glasgow Life”, November 2012, glasgowlife.org.uk/museums/about-glasgow-museums/projects/riverside- museum/visitor-research/Documents/Evaluation%20of%20Glasgow%20Museums%20Advisory%20Panels%20-%20Final%20Report.pdf, “Conclusions and Lessons”, Seite 51ff.
  • [4] Der Einfluss war so gering nicht und erfolgte z.T. bereits in der ersten Beratungsphase. (Quelle: Lokalaugenschein der Autorin und Teilnahme an einer Projekt-Präsentation im Museum mit Diskussion im Herbst 2011)
  • [5] “Riverside Museum. A Souvenir Guide“, First published by Glasgow Museums 2011, Seite 73
 
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