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Der Nicht-Identifizierer

Die Zuordnung zu übergreifenden regionalen Einheiten (Sauerland, Ruhrgebiet) fällt beim Nicht-Identifizierer typischerweise (1.) schwer und dies wird (2.) als problematisch empfunden. Dies behindert die Identifikation mit dem Raum, denn: was nicht kohärent wahrgenommen werden kann, das kann auch nicht als Identifikationsobjekt dienen. Grundsätzlich und über die Zuordnung zu den regionalen Einheiten ist es für den Nicht-Identifizierer problematisch, Hagen als in sich schlüssige Einheit zu begreifen (beispielsweise hinsichtlich der Frage, ob Hagen eine Großstadt ist oder nicht).

Die regionale Zuordnung mag auf den ersten Blick trivial erscheinen. Wenn es aber stimmt, dass der räumlich bezügliche Teil der Gesamtidentität von ähnlich grundlegender Bedeutung ist, wie die Geschlechtszughörigkeit[1] und wenn weiter davon ausgegangen wird, dass die Identifikation mit einer Stadt nur gelingen kann, wenn diese selbst auch identifiziert – also kohärent wahrgenommen – werden kann und wenn zudem richtig ist, dass die Menschen im identifikatorischen Sinne ein Teil des Raumes sind, wie der Raum auch ein Teil des Menschen ist, dann kann aus eben dieser zunächst belanglos erscheinenden Unmöglichkeit der regionalen Zuordnung ein relevantes Problem erwachsen.

Weil darüber hinaus Sauerland und Ruhrgebiet sich grundlegend dadurch unterscheiden, dass das Ruhrgebiet als großstädtisch und deswegen urban verstanden wird, das Sauerland hingegen als beschaulich und weil Menschen sich mit solcherlei Objekten identifizieren, denen sie Eigenschaften zuschreiben, die sie für die eigene Person gerne reklamieren möchten, scheint es sehr wohl von Bedeutung zu sein, ob sich die Stadt als Teil des Sauerlandes oder als Teil des Ruhrgebietes präsentiert. Hieran anschließend ist dann auch der Versuch, die Problematik der regionalen Zuordnung aufzulösen oder zumindest Angebote zum Umgang mit derselben bereitzustellen, von nicht unbeträchtlicher Bedeutung.

Inhaltlich an die empirischen Erkenntnisse und an die historische Betrachtung anschließend könnte dies gelingen, indem das „potentielle Raumbild“ Hagens als Teil der (historischen) Grafschaft Mark reaktiviert wird und so ein kohärenter Bezugsrahmen zur Verfügung gestellt wird, innerhalb dessen sich die Stadt eindeutig einordnen lassen würde. [2] Gerade angesichts der Tatsache, dass die Stadt sich in der Vergangenheit relativ stark an der Zugehörigkeit zum Ruhrgebiet ausgerichtet hat, diese Ausrichtung im identifikatorischen Sinne aufgrund des Strukturwandels aber ihrer hauptsächlichen Grundlage verlustig gegangen ist, könnte dies eine zukunftsweisende Alternative darstellen. Diese ist anderen Ruhrgebietsstädten im Übrigen nicht gegeben und stellt insofern ein besonderes Potential der Stadt Hagen dar. Generell handelt es sich hierbei um ein Beispiel, das auf die grundsätzliche Möglichkeit verweist, der Zuordnungsproblematik entgegenzuwirken, indem entsprechende Informationen bereitgestellt werden, aufgrund derer die Zuordnung getroffen werden kann. Andere Anknüpfungspunkte sind sicherlich denkbar.

So könnte es ebenso sinnvoll sein, die Schwierigkeit der Zuordnung systematisch im Sinne einer besonderen Nicht-Eindeutigkeit (Alleinstellungsmerkmal) als Vorteil und nicht als Problematik zu verstehen, wie dies z.B. beim Regionalpatrioten der Fall ist (und wie dies bereits in der Kennzeichnung Hagens als „Tor zum Sauerland“ begriffen ist), und dies auch typenspezifisch zu vermitteln.

Das kulturelle Angebot der Stadt entspricht nicht den Präferenzen des NichtIdentifizierers und wird insgesamt als unzureichend eingestuft.

Hier könnte eine Ausrichtung an realistischeren Maßstäben zu einer weniger negativen Bezugnahme führen. Zudem könnten Informationen zu dem vergleichsweise großzügigen und renommierten hochkulturellen Angebot der Stadt (Schumacherund Osthausmuseum, Hohenhof etc.) zu einer positiven Bezugnahme verhelfen. Auch wenn diese Einrichtungen nicht genutzt werden (können), können diese als positive Bezugspunkte ja zu einer positiveren Wahrnehmung führen. Dies könnte möglicherweise auch über den Umweg gelingen, die Bekanntheit und die Attraktivität dieser kulturellen Einrichtungen zunächst für Außenstehende zu steigern oder die ggf. bereits vorhandene positive Einschätzung Außenstehender öffentlichkeitswirksam nach Innen zu kommunizieren. Dies böte sich gerade im Hinblick auf den Nicht-Identifizierer an, da für diesen die Sichtweise Außenstehender von hoher Bedeutung ist (Fremdsicht). Eine (im Erfolgsfall) ins positive gewendete Außenwahrnehmung und Kenntnis könnte dann auf die Wahrnehmung und Bewertung der Hagener (insbesondere der Nicht-Identifizierer) zurückwirken, sodass eine positivere Wahrnehmung von Innen erreicht und so die Möglichkeit gestiftet würde, eine stärkere Identifikation mit der Stadt zu erreichen.

  • [1] Vgl. Petzold (2013), S. 311 f. S
  • [2] Verschiedene Autoren weisen darauf hin, dass die Identifikation (von) bestimmter Städte und Regionen grundsätzlich nicht feststeht, sondern wandelbar ist, insofern sich (1.) konkrete Anknüpfungspunkte finden lassen, mit denen die zu reaktivierende Identifikation (von) in Zusammenhang gebracht werden kann und wenn (2.) dieser Zusammenhang kommunikativ schlüssig vermittelt werden kann. Vgl. hierzu Zenker (2014), S. 321, Richter (2013) S. 321, Weigl (2010) und Ipsen (1997)
 
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