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Der Regionalpatriot

Ebenso wie beim Typus des Stadtteilers scheint auf den ersten Blick, angesichts der bereits relativ starken Identifikation des Regionalpatrioten mit seinem Raum, bei diesem Typus kaum Bedarf zu bestehen, die für diesen spezifischen Modi räumlicher Identifikation zu unterstützen. Lohnenswert ist eine genauere Betrachtung hier dennoch, weil im Sinne des Erhaltes der Identifikation dafür Sorge getragen werden sollte, dass die bestehenden Ressourcen weiter erhalten bleiben.

Die wesentlichen Besonderheiten der räumlichen Identifikation des Regionalpatrioten sind dessen Wissen und Reflexionsniveau – und die hieraus resultierende Differenziertheit der Auseinandersetzung mit den hier interessierenden Themen – sowie das aktive Erleben und das typischerweise präsentierte Selbstbild dieses Typus', das im Rahmen der Typologie mit dem Etikett „Identitätsarbeit“ versehen wurde. Gerade das letztgenannte Merkmal ist im Folgenden von Interesse, auch, weil sich, wiederum aufgrund der ansonsten starken Ähnlichkeiten zwischen dem Typus des Regionalpatrioten und dem des Nicht-Identifizierers, hieraus mögliche Ansatzpunkte für die Herbeiführung räumlicher Identifikation für den Nicht-Identifizierer ergeben können.

Der Regionalpatriot identifiziert sich mit der Gesamtstadt und dem Stadtteil, in dem er lebt, weil er viel über die Stadt weiß, weil er einen reflektierten Umgang mit den für die Identifikation relevanten Themen pflegt und weil er – gerade auch in kultureller Hinsicht – äußerst aktiv ist und die Dinge, über die er berichtet, tatsächlich erlebt.[1] Die erforderlichen bzw. erwünschten Informationen besorgt sich dieser Typus für gewöhnlich aus eigenem Antrieb heraus, sodass unterstützende Maßnahmen, die über das Bisherige hinaus gehen, nicht vonnöten zu sein scheinen. Gleiches gilt für etwaige Anreize, kulturell aktiv zu werden und das kulturelle Angebot der Stadt zu nutzen.

Zudem ist allerdings auffällig, dass das typische Selbstbild des Regionalpatrioten und dessen Präsentation einen beträchtlich mitbestimmenden Faktor insbesondere hinsichtlich der Modi räumlicher Identifikation, aber auch darüber hinaus, darstellen. Der Regionalpatriot weiß mehr als andere über die Stadt und ist aktiver und engagierter – wobei sich dieses Engagement durchaus auch darauf bezieht, die Stadt als solche gegenüber Dritten in einem besseren Licht zu präsentieren – und er ist sich dessen auch selbst bewusst. Dieses Selbstbewusstsein stellt, so ist zu vermuten, einen wesentlichen Teil der Identität des Regionalpatrioten überhaupt dar (also nicht nur bezüglich des raumbezüglichen Teils der multiplen Gesamtidentität).

Wenn nun die Identitätsarbeit mit der angegebenen spezifischen inhaltlichen Ausprägung für den Regionalpatrioten ein größeres Gewicht hinsichtlich der räumlichen Identifikation hat, dann liegt es nahe, dies zu berücksichtigen, um die Identifikation zu unterstützen. Beispielsweise versteht sich der Regionalpatriot typischerweise als Repräsentant der Stadt, der aufgrund seines Wissens und seiner Weitsicht am besten dazu in der Lage ist, die Stadt informell gegenüber persönlich bekannten Dritten aufzuwerten. Indem angestrebt wird, dieses Selbstverständnis systematisch zu spiegeln und so zu bestätigen und schließlich auch zu honorieren, ließe sich die räumliche Identifikation des Regionalpatrioten möglicherweise stärken.

  • [1] Insoweit geht der Erkenntnisgewinn nicht unbedingt wesentlich über bereits Bekanntes hinaus. Die Erkenntnis, dass Wissen und aktive Teilnahme an städtischen Angeboten und Auseinandersetzung mit stadtbezogenen Themen bzw. Engagement (als Ausprägungsform von Aktivität) positiv mit räumlicher Identifikation korrelieren, findet sich beispielsweise auch bei WEIGL (2010) und bei FUHRER (2008)
 
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