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Bezugsräume

Hinsichtlich der mit Hagen in Bezug zu setzenden Räume und Städte wird in der Imagebroschüre ein interessanter Vergleich vorgeschlagen:

„Architekten, Designer, Filmemacher, Werbefachleute – die Kreativwirtschaftler drucken nicht mehr Berlin oder Hamburg auf ihre Visitenkarten.

Flüchten aus den In-Metropolen, die längst satt sind. Kehren der Behäbigkeit, der Reizüberflutung den Rücken. Suchen das Ehrliche, das Gerade.“[1]

Ob tatsächlich und gerade im kreativwirtschaftlichen Bereich Hagen als Konkurrenz zu den etablierten Metropolen Berlin und Hamburg auftreten kann, ist sicherlich ebenso ambitioniert wie fraglich. Wichtig ist hierbei allerdings, dass im Rahmen des Vergleiches mit (scheinbar) überlegenen Bezugsräumen die Vorteile der eigenen Stadt gegenüber weltläufigen Metropolen definiert werden, und das in einer inhaltlichen Ausgestaltung, die den in den Interviews festgestellten Sichtweisen durchaus entspricht. Die Tatsache, dass in Berlin und Hamburg mehr Anreize und Wahlmöglichkeiten bestehen, wird als nachteilige „Reizüberflutung“ recodiert, der in Hagen entgangen werden kann, sodass die Stadt als ernst zu nehmende Alternative erscheint, indem die Vorteile der Bezugsräume relativiert und die eigenen Vorteile hervorgehoben werden. Die Gefahr in dieser Hinsicht besteht allerdings darin, dass das Bild der eigenen Stadt zu stark positiv gezeichnet wird, wodurch der Vorschlag als nicht authentisch wahrgenommen und deswegen nicht aufgegriffen wird. Die kreativwirtschaftlichen Gegebenheiten von Hagen im Vergleich zu Städten mit internationaler Ausstrahlung und die allgemeinen Vorund Nachteile Hagens gegenüber den betreffenden Großstädten werden in einem der Interviews explizit thematisiert.[2] Dort werden die Vorteile Hagens gegenüber größeren Städten geteilt. Das Ergebnis des Vergleiches fällt in der Wahrnehmung des Intervieweten aber gegenteilig aus, als in der Standortbroschüre, und zwar weil bestimmte Möglichkeiten in Hagen faktisch nicht gegeben sind, in Köln (das in dem betreffenden Interview als Repräsentant der in der Standortbroschüre benannten „In-Metropolen“ fungiert) hingegen schon. Im Unterschied beispielsweise zur regionalen Zuordnung lässt sich dieses Faktum aber nicht rhetorisch umdeuten, weswegen die im Ansatz nachvollziehbare und sinnvolle Strategie nicht überstrapaziert, sondern immer an den jeweils konkreten Inhalten ausgerichtet und durch die 'objektive' Faktenlage relativiert werden sollte, damit hiermit nicht ein gegenteiliges Resultat erzielt wird, weil die Kommunikationsstrategie der Stadt einerseits und die Wahrnehmung der Bewohner andererseits nicht nur nicht übereinstimmen, sondern sich letztlich entgegenstehen.

  • [1] Stadt Hagen (2011b), S. 33
  • [2] Interview 8, S. 3 und S. 29
 
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