< Zurück   INHALT   Weiter >

Kulturangebot

Bezüglich des Kulturangebotes, das die Stadt macht, sollen an dieser Stelle zwei Punkte herausgegriffen werden, weil diese sich direkt auf in den Interviews thematisierte Bereiche beziehen. Dies ist zum einen das gastronomische Angebot der Stadt:

„Die Stadt hat Geschmack und ihre Gäste haben die Auswahl der gesamten Spannweite zwischen Sterneküche und Suppen-Imbiss.“[1]

Zum anderen ist dies die viel diskutierte Entscheidung, in Hagen das Emil-Schumacher-Museum zu bauen:

„Die Sammlung des weltberühmten Folkwang-Museums – auch sie war einst in Hagen zu Hause. Einen solchen Ausverkauf ihres künstlerischen Erbes lassen die Hagener nicht mehr zu. So haben sie mit dem Emil-Schumacher-Museum dem berühmten Sohn der Stadt […] und sich selbst ein glasgerahmtes Denkmal geschaffen.“[2]

Beide Punkte postulieren letztlich das genaue Gegenteil dessen, was tatsächlich wahrgenommen und erlebt wird.[3]

Problematisch hieran ist letztlich, dass davon auszugehen ist, dass die der Broschüre entnommene Selbstsicht der tatsächlichen Einschätzung seitens der Verantwortlichen und Entscheider von städtischer Seite entspricht und dem entsprechend in dieser Hinsicht kein Handlungsbedarf gesehen wird. Insofern existiert dieser Sichtweise entsprechend überhaupt kein Problem, das dann wiederum natürlich auch keiner Lösung bedarf. Dies widerspricht aber vermutlich dem Wahrnehmen und Erleben der Bewohner.

Weil es sich beim Schumacher-Museum um eine genuin hochkulturelle Einrichtung handelt, lässt sich aus der Typologie ableiten, dass Bedeutung und Akzeptanz desselben maßgeblich typenspezifisch sind. Dies hat mit der kulturellen Haltung im Besonderen, den diesen zugrunde liegenden Metamotiven und schließlich mit der Tatsache zu tun, dass mit den eigenen Präferenzen auch zumeist distanzierte und ablehnende Haltungen gegenüber den Haltungen und Metamotiven anderer einhergehen. Letztlich führt dieser Zusammenhang dazu, dass mit dem oben angegebenen Zitat aus der Standortbroschüre zwar sicherlich ein Teil der Bewohnerschaft angesprochen wird. Dem restlichen – zahlenmäßig vermutlich weitaus größeren – Teil steht dies aber wiederum entgegen. Auch wenn es sicherlich wünschenswert ist, die Person Emil Schumachers und den dazugehörigen Museumsbau als Identifikationsobjekt zu instrumentalisieren, so entspricht dies gegenwärtig sicherlich nicht dem Ist-Zustand, sondern eher dessen Gegenteil und sollte deshalb behutsam und unter Berücksichtigung der genannten Problematik angegangen werden.

Bemerkenswert ist schließlich, dass die typenübergreifend als überaus wichtig und besonders angesehene Stadtteilhaftigkeit Hagens, die auf die Stadtwerdungsgeschichte zurückgeführt werden kann, nicht thematisiert wird. Erklären lässt sich dies möglicherweise durch das Bestreben, insbesondere Städte, die im Zuge teils mehrerer Gebietsreformen zusammengelegt wurden, wie dies auch in Hagen der Fall ist, unbedingt als identifikatorische Gesamtheiten zu etablieren.

  • [1] Stadt Hagen (2011b), S. 56
  • [2] Stadt Hagen (2011b), S. 68
  • [3] Vgl. Interview 5, S. 1
 
< Zurück   INHALT   Weiter >