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Zusätzliche Faktoren

Schließlich hat sich durch die Typologisierung ergeben, dass einige Merkmale, die im Rahmen bisheriger Forschung nicht oder nur randständig integriert wurden, von entscheidender Bedeutung für die verschiedenen Ausformungen räumlicher Identifikation zu sein scheinen:

Hier ist zunächst festzuhalten, dass die subjektive Relevanz der jeweiligen Faktoren von entscheidender Bedeutung ist. Um die Gründe und Ausprägungen räumlicher Identifikation feststellen zu können, muss immer die subjektive Wichtigkeit des jeweils abgefragten/untersuchten Merkmals mit berücksichtigt werden, was in der bisherigen, themenspezifischen Forschung nicht vollständig berücksichtigt worden ist. Was z.B. negativ bewertet wird, dass muss nicht unbedingt auch einen mindernden Einfluss auf die räumliche Identifikation ausüben. Dies zumindest dann nicht, wenn eben dieses Merkmal subjektiv eine geringe oder gar keine Relevanz besitzt. Gerade im Hinblick auf den Vergleich der Typen des Mobilen einerseits und des Nicht-Identifizierers andererseits wird dies deutlich. Beide Typen zeichnen sich beispielsweise dadurch aus, dass sie das kulturelle Angebot der Stadt als für die eigenen Wünsche und Präferenzen nicht hinreichend beurteilen oder dass beide Typen die Stadt als historisch eher unbedeutend und uninteressant einstufen. Während dies allerdings beim Nicht-identifizierer zu einer negativen Bezugnahme auf den Raum führt – weil die subjektiv Wichtigkeit der Merkmale hoch ist – gelangt der typische Mobile zu einer indifferenten bis tendenziell positiven Haltung, weil die subjektive Wichtigkeit der entsprechenden Merkmale eher gering ist.

Weiter ist die Identitätsarbeit ein in der bisherigen Forschung unterbelichteter Prädikator räumlicher Identifikation. Um die Beschreibung und die Erklärung der Modi und der Intensität räumlicher Identifikation weiter fundieren zu können, kann dieser Aspekt einen Zuwachs an Erklärungskraft bereitstellen. Dies verweist insgesamt auf die enge Verzahnung von Selbstbild und räumlicher Identifikation, der sich wiederum daraus erklären mag, dass die subjektiv antizipierten Eigenschaften der eigenen Person und des (in diesem Fall: räumlichen) Identifikationsobjektes miteinander übereinstimmen müssen. Wenn und insofern das Selbstbild und die Eigenschaften der Stadt – ggf. indiziert über die typischen Eigenschaften der Stadtbewohner als pars pro toto – nicht miteinander übereinstimmen bzw. sich widersprechen, dann mindert dies die Potentiale räumlicher Identifikation. Um also in Erfahrung bringen zu können, ob und inwiefern sich Menschen mit 'ihrer' Stadt, 'ihrem Raum', identifizieren, ist es sinnvoll, integriert zu untersuchen, welches Bild eben diese Menschen von sich selbst haben, welche Ansprüche sie an sich richten, welchen Idealen sie genügen wollen, ob und inwiefern sie dieses Selbstbild präsentieren und inwiefern diese Selbstansprüche und Präsentationen mit dem übereinstimmen, wie sie die Stadt selbst identifizieren.

Letztlich ist Kultur ein bestimmendes Element in Fragen räumlicher Identifikation, das in seiner Bedeutung in dieser Hinsicht in der bisherigen Forschung nicht hinreichend ausführlich berücksichtigt worden ist. Empirische Hinweise auf die Interdependenz von Kultur und Identifikation finden sich bereits in der Imagestudie. In der vorliegenden Untersuchung wurde deutlich, dass sowohl das Selbstbild, als auch die Gruppe der typischen Hagener – als Teil des Raumes, für den diese stehen – jeweils maßgeblich über die kulturellen Haltungen, Präferenzen und Aktivitäten definiert werden. Weiter wird die für den Typus des Stadtteilers wichtige Abgrenzung zwischen Stadtteil und Gesamtstadt und damit auch die Ausformung der räumlichen Identifikation beim Stadtteiler auch und in beträchtlichem Ausmaß über die kulturellen Haltungen alltagspraktisch operationalisiert. Die Stadt wird abqualifiziert, weil und indem sie mit denjenigen kulturellen Aktivitäten, Angeboten und Präferenzen assoziiert wird, denen der Stadtteiler mindestens distanziert, tendenziell sogar ablehnend gegenübersteht. Dem gegenüber wird der eigene Stadtteil mit denjenigen kulturellen Aktivitäten, Angeboten und Präferenzen assoziiert, die dem Stadtteiler zu eigen sind bzw. entgegenkommen.

Gerade in diesem Punkt ist allerdings einschränkend darauf hinzuweisen, dass hierbei immer auch die Möglichkeit inbegriffen ist, dass der als hoch eingestufte Stellenwert des Kulturellen aus der Forschungsfrage, die Kultur eben prominent berücksichtigt und dafür andere Bereiche tendenziell an die Peripherie der Aufmerksamkeit verdrängt, resultiert und weniger dem objektiven Sachstand in der sozialen Wirklichkeit entspricht.

 
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