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Der Meisterwerke-Sammler

Der Interviewte ist ein nach eigener Einschätzung kulturinteressierter, informierter Mann (67 Jahre alt, Akademiker). Sein Interesse an Kunst beschränkt sich auf die Alten Meister und die Top Stars der Kunstgeschichte sowie das Bestreben, deren Werke im Original zu sehen („Van Gogh, Cézanne, das habe ich alles gesehen.“) Der Ausstellungsbesuch dient dazu, vorhandenes Wissen zu bestätigen: „Ich habe sämtliche Kunstführer zu Hause, ich informiere mich vorher und schaue mir gezielt an, was ich sehen will.“ Das Museum ist für ihn kein Ort des Erlebens oder der Weltund Kunsterfahrung, sondern eher ein „Tempel der Kunst“, den er am liebsten ruhig und möglichst leer hat.

Abstrakte Kunst lehnt er ab. In der Gewissheit, dass die Ablehnung abstrakter Kunst eine weithin anerkannte Position ist, kokettiert er gleichzeitig damit:

„Da bin ich zu höherer Intellektualität eben nicht geboren“ oder „Die hohe Kunst verstehe ich nicht, tut mir leid.“

Sein Kulturbegriff ist eng und elitär; Popkultur oder technische Neuerungen sieht er nicht als Kulturgüter.

Die Museen in Hagen kennt er beide, das Emil Schumacher Museum trifft aber auf Ablehnung – einerseits wegen der Kosten des Gebäudes, andererseits wegen seiner inhaltlichen Ausrichtung. Das Osthaus Museum ist ihm seit langem vertraut: „Im Osthaus Museum war ich drei, vier Mal, das ist nichts Neues mehr. Ich wüsste nicht, wann ich da nochmal hingehe. Ich schaue mir nicht jede neue Ausstellung an.“

Seine Ansichten sind relativ fest gefahren. Da er nicht auf neue Erfahrungen und Überraschungen aus ist, scheint es schwierig, ihn ins Museum zu locken. Erfolgversprechend könnte es sein, die wichtigsten, wertvollsten, prominentesten Werke des Museums besonders ins Bewusstsein zu rücken und diese als Hagener Kulturschätze zu bewerben.

 
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