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Die berufstätige Mutter / der berufstätige Vater

Die Aussagen zweier Elternteile von Kindern im schulpflichtigen Alter weisen manche Parallelen auf. Die Kinder beider Befragter gehen aufs Gymnasium.

Die Arzthelferin und Mutter (47) hat grundsätzlich nichts dagegen, Museen oder Ausstellungen zu besuchen. Nach eigener Einschätzung hindern sie äußere Gründe (Zeit und Geld) am verstärkten Besuch kultureller Veranstaltungen: „Es ist ja auch eine finanzielle Frage“, „Zeit für mich haben wenn ich ganz ehrlich bin. Und für meine Familie“ (auf die Frage: Womit würden Sie gern mehr Zeit verbringen?). Priorität hat in der aktuellen Lebensphase die Familie. Im Vordergrund steht stark der Wunsch nach mehr Ruhe und Zeit.

Ähnlich sieht es bei einem berufstätigen Vater (Mitte 40) aus: „Mir fehlt halt die Zeit dazu, ja? Es wird schon viel geboten, man muss sich nur damit beschäftigen. Wenn andere Leute Wochenende haben, muss ich arbeiten. Das ist ja immer so blöd.“

Zeit und Muße für Ausstellungsbesuche mit der ganzen Familie ist im Urlaub. Die Ausstellungen werden in den Familien der beiden Interviewten dann nicht themen-, sondern ortsgeleitet ausgewählt: „Jeder darf sich etwas aussuchen.“ Besucht werden in der Regel keine Kunstmuseen, sondern eher kulturhistorische, technische Museen oder Themenausstellungen, z.B. zum Alten Ägypten, zum Mittelalter/Rittertum, Bergbau, Körperwelten.

Beide Interviewte gaben an, kein bzw. „eher weniger“ Kunstinteresse zu haben, schon gar nicht an moderner Kunst. Es bestehen keinerlei Berührungspunkte oder Vor-Erfahrungen. Mit dem Emil Schumacher Museum werden vor allem negative Schlagzeilen und Finanzierungsprobleme verbunden. Das Schumacher Museum wecke bei ihm Wut, sagt der Vater: „Dass die Stadt so viel Geld für das Museum ausgegeben hat, wo die halt fast pleite sind. Kindergärten werden zugemacht. Und ich habe zwei Söhne, die beide das Gymnasium besuchen, und ich muss für sie das Schoko-Ticket zahlen, weil es fehlen 500 Meter Weg, um die Kosten erstattet zu bekommen.“

Inhaltlich besteht eine vage Vorstellung von abstrakten Bildern, die als

„langweilig“ und „uninteressant“ empfunden werden: „Meine Tochter sagt, sie kann schwungvollere Bilder malen“; „Mag ja sein, dass es jemandem gefällt, dieses Gekritzel. Aber mir gefällt das nicht.“; „Wenn die Kinder von der Schule aus dahin gehen: ok. Aber ich allein mit den Kindern: nein.“ Der befragte Vater hat vom „Kunstquartier“ noch nie gehört und kann sich an einen Besuch in einem Kunstmuseum nicht mehr erinnern. Die Mutter gab an, zum letzten Mal als Schülerin vor 30 Jahren ein Kunstmuseum besucht zu haben.

 
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