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Ansätze für die Praxis

Aus den Ergebnissen der Kulturbefragung, die sich aus den verschiedenen Methoden ergeben, lassen sich bezogen auf die Einstellung zu Kunstmuseen grob drei Typen unterscheiden: Museumsgänger, Museumsmuffel und Museumsverweigerer. Da in der repräsentativen Telefonbefragung die Häufigkeit des Museumsbesuchs nicht erhoben wurde, lassen sich die drei Gruppen nicht exakt quantifizieren. Dennoch lassen sich anhand einiger Antworten der Befragten Relationen erahnen.

Museumsgänger besuchen regelmäßig bis gelegentlich die Hagener Kunstmuseen. Ihre Motive sind tatsächliches Interesse an den gezeigten Inhalten, Neugier, Gewohnheit und/oder soziale Distinktion: Museumsbesuch wird als passend zum (angestrebten) sozialen Status empfunden. Wir gehen davon aus, dass etwa 10 bis 15 Prozent der Hagener zu den kunstinteressierten Museumsgängern gehören.

Für Museumsmuffel stehen andere Aktivitäten in ihrer Freizeit klar im Vordergrund. Gegen einen Museumsbesuch führen sie äußere Gründe an, vor allem fehlende Zeit oder fehlendes Geld. Sie besuchen Museen allerdings im Urlaub oder zu besonderen Anlässen – etwa wenn der Museumsbesuch in ein soziales Erlebnis eingebettet ist wie bei der Museumsnacht, der Nacht der Industriekultur oder einem Konzert im Museum. Meist besuchen sie eher (kultur)historische Museen oder Themenausstellungen denn Kunstmuseen. Viele kennen sich nach eigener Einschätzung nicht gut mit Kunst aus und haben kaum Berührungspunkte damit. Sie gehören daher auch zur Gruppe der Kunstfernen, stehen einem Besuch von Kunstmuseen jedoch nicht grundsätzlich ablehnend, sondern höchstens gleichgültig gegenüber und könnten durch eine spezielle Ansprache oder besondere Angebote erreicht werden. Der Großteil der Befragten gehört unserer Einschätzung nach in diese Gruppe der Museumsmuffel.

Museumsverweigerer sind häufig kunstfern und besuchen keine Kunstmuseen, weil sie sich nicht für Kunst interessieren. Einige lehnen Kunstmuseen als Orte sozialer Distinktion ab, andere bewerten Kunstmuseen generell bzw. die Angebote der Hagener Museen als uninteressant oder langweilig, wieder andere orientieren sich in ihrem kulturellen Verhalten eher an anderen Städten – entweder, weil sie die Angebote in ihrer Heimatstadt grundsätzlich nicht nutzen oder weil sie Kunstrichtungen bevorzugen, die in den Hagener Museen nicht gezeigt werden. Etwa 30 Prozent der Hagener zählen zu dieser Gruppe – zumindest all jene, die angegeben haben, noch nie ein Museum in Hagen besucht zu haben (27 Prozent).

In der Gesamtschau der Ergebnisse zeigt sich, dass sich die Wünsche und Ansprüche verschiedener Zielgruppen überschneiden: Was Jugendliche nach ihren eigenen Aussagen anspricht, vermag ebenso eher kunstund kulturferne Erwachsene zu locken. Daher beschreiben wir im Folgenden Wünsche und Anforderungen an den Museumsbesuch, die sich aus der Kulturbefragung insgesamt kristallisiert haben. Es geht um: mehr Erlebnis im Museum, mehr Familienorientierung, mehr Orientierung an der Jugend und um eine spezielle Ansprache der Kunstfernen – also derjenigen, die sich mit Kunst nicht gut auskennen und bislang keine Berührungspunkte mit Kunst haben.

 
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