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Privatisierungen des öffentlichen Raums von Smolensk seitens der öffentlichen Einrichtungen

Ein Beispiel der Privatisierung des öffentlichen Raums durch die öffentlichen Einrichtungen ist Zentraler Park „Lopatinskij ssad“ (Lopatin-Garten). Dieser Park trägt den Namen eines der Smolensker Gouverneure und liegt wirklich ganz zentral. Diese Grünanlage entspricht auch allen Merkmalen des öffentlichen Raums, ist gut erreichbar, grün und deswegen sehr beliebt. Die Struktur der Einrichtung ist durch zahlreiche Attraktionen, ein Fahrgeschäft, Teiche mit neuen Springbrunnen, geräumiges Veranstaltungsgelände mit einem großen Konzertmuschel und Eisbahn (im Winter) sowie wichtige Sehenswürdigkeiten wie Denkmale zum Andenken an den Vaterländischen Krieg 1812, Skulpturen von Löwen und große Modelle der alten Kirchen von Smolensk, die zu verschiedener Zeiten und aus verschiedener Gründen zerstört oder abgerissen wurden. Die öffentlichen Räume des Parks sind auch teilweise durch kommerzielle Strukturen (Sommercafés etc.) privatisiert. Dies alles bedingt die Anwesenheit von vielen Fremden und mannigfaltiges Arrangement von sozialen Handlungen in dieser Grünanlage. Funktionen des Parks sind Spazieren, Erholung, Unterhaltung, Tourismus (Führungen), Festlichkeiten und Konzerte.

Das Phänomen der Privatisierung des öffentlichen Raums durch öffentliche Strukturen besteht darin, dass Mitte 2000er der ganze Park umzäunt wurde. In der lokalen Presse und im Internet dieser Periode entstand eine lebhafte Debatte über die Aufhebung des freien Eintritts in den Park. Alle renommierten Zeitungen von Smolensk („Rabotschij Put“ (06. November 2007), „Komsomolskaja Prawda Smolensk“ (18–26. Juni 2005), „Argumenty und Fakty Smolensk“ (18–26. Juni 2005), „Pensioner Smolenstschiny“ (18–26. Juni 2005) und „Gorod“ (26. November 2007)) brachten die Mitteilungen darüber und die Proteste der Bevölkerung dagegen. Offizielle Behörden einschließlich der Parkadministration widerlegten ihre Absicht den bezahlten Eintritt einzuführen. Im Ergebnis blieb der Eintritt in den Park frei. Wurde dies wirklich nicht geplant oder war dies die Reaktion der Behörden auf die öffentliche Meinung, bleibt nur vermuten.

Die Umzäunung des Parks wurde durch Sicherheitsgründe und Umsetzung der antiterroristischen Maßnahmen sowie durch die Notwendigkeit des Bevölkerungsschutzes in Notsituationen und der Verhinderung der Devianzen seitens der Deklassierten erklärt. Mit der Umzäunung und Einführung der Wachdienstposten, die durch Polizei besetzt werden, hatte die Parkadministration vor, unter anderem den Fahrrad-, Motorradund KFZ-Verkehr durch die Fußgängerzonen des Lopatin-Gartens zu verhindern, sowie die Aktivitäten anderer Einrichtungen auf seinem Territorium einzuschränken[1]. Ein Beispiel für das letzte wäre der Sportunterricht für SchülerInnen des Prshewalski-Gymnasiums und Studierende der Staatlichen Universität Smolensk. Die beiden Bildungseinrichtungen liegen in der Nähe und nehmen das Gelände der Grünanlage für sportliche Aktivitäten unentgeltlich in Anspruch. Dies übrigens bestätigt noch einmal, dass der Park ein öffentlicher Raum ist. Außerdem ist ein großer Teil des Gartens für sportliche Aktivitäten sehr tauglich. Dies ist historisch bedingt und zeigt auch den Nutzungswandel des öffentlichen Platzes im Laufe der Stadtentwicklung. Bis 1874 war hier ein Platz für Militärparaden. In diesem Jahr legte der Gouverneur von Smolensk Alexander Lopatin den Grundstein zum Stadtgarten, der bald seinen Namen erhielt. Nach der Oktoberrevolution wurde der Garten in den Sobolew-Park umbenannt und ein Teil davon wurde in ein Stadion umgebaut. In der Nachkriegszeit wurde das Stadion abgebaut, aber seine Laufbahn bildet bis heute neben der Festungsmauer, Teichen und Bollwerken eines der Hauptstrukturelemente des Gartens.

Die Privatisierung des öffentlichen Raums des Gartens in Form von der Umzäunung ist auch unmöglich eindeutig zu bewerten. Einerseits erfüllt der Zaun die Funktion der Sicherheitsgewährleistung, die Polizei kann jetzt beispielsweise leichter das Publikum während der großen Festveranstaltungen kontrollieren, andererseits schafft sie soziale Distanz und begrenzt die Bewegungsfreiheit der Bevölkerung: zwei der fünf Eingange sind zurzeit ständig abgeschlossen, was den Bewegungskomfort beeinträchtigt. Es soll allerdings nochmals betont werden, dass der Park nach wie vor offen bleibt und Möglichkeiten für den Sportunterricht anbietet.

  • [1] Vgl. „Rabotschij Put“ vom 06. November 2007 und „Gorod“ vom 26. November 2007
 
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