Geschichte der Erforschung von sexualisierter Gewalt im deutschsprachigen Raum unter methodischer Perspektive

Dirk Bange

Die Erforschung von sexualisierter Gewalt in Deutschland ist durch ein „Auf und Ab“ gekennzeichnet. Bis in die jüngste Vergangenheit hinein haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler meist bestehende gesellschaftliche Vorurteile verstärkt und die betroffenen Mädchen und Frauen und Jungen und Männer abgewertet. Erst als durch die Selbsthilfebewegung und die Frauenbewegung sexualisierte Gewalt in den 70iger und 80iger Jahren zu einem öffentlichen Thema gemacht wurde, änderte sich die Situation. Fortan bemühten sich zumindest einzelne Forschende aufklärerisch zu wirken. Damit einhergehend veränderten sich die in den Studien eingesetzten Methoden. Beschränkten sich die Forscherinnen und Forscher zuvor auf Aktenanalysen und die Auswertung von Gerichtsakten wurden jetzt die betroffenen Frauen und Männer selbst befragt. Ihre Sicht der Realität sexualisierter Gewalt wurde nach und nach zur wichtigsten Erkenntnisquelle. Angesichts der in einem kurzen Beitrag nicht systematisch darzustellenden Breite des Themas widmet sich der folgende Text überwiegend der sexualisierten Gewalt an Mädchen und Jungen und den dazu vorliegenden Untersuchungen zum Ausmaß. Ergänzend werden wichtige Erkenntnisse über Vergewaltigung präsentiert.

Historischer Abriss

Ein Blick auf die letzten 100 Jahre soll die wechselvolle Geschichte der Erforschung sexualisierter Gewalt beleuchten und zu einer kritischen Haltung gegenüber wissenschaftlichen Untersuchungen bzw. ihren Ergebnissen beitragen. Es ist und bleibt stets wichtig, dass Leserinnen und Leser die eingesetzte(n) Untersuchungsmethode(n) bei der Interpretation der Ergebnisse berücksichtigen.

 
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