Experten für Lobbying und Advocacy

Im Zuge der Professionalisierung erweitern NGOs ihr Handlungsrepertoire um Formen des Lobbying (Frantz 2007: 193). Aufgrund der Verlagerung politischer Entscheidungskompetenz auf EU-Ebene und „der differenzierten Kultur des politischen Lobbyings in Brüssel“ (ebd.: 192) ergibt sich für NGOs das Erfordernis, sich „in diesem Punkt besser aufzustellen und Fachkräfte für diese spezielle Form der politischen Kommunikation anzuwerben.“ (ebd.) Lobbying in Brüssel ist eine sehr technokratische Aufgabe, die des Wissens über die politischen Spielregeln des EU-System sowie entsprechender Kontakte bedarf.

„The extend of knowledge and understanding of the EU machinery frequently makes a big difference between successful and inefficient participants of the lobbying theatre. (…) So lobbying requires good skills for analysing the situation and the process and then good skills for communicating with the right people at the right stage.” (Rek 2007: 163)

Ihre Arbeit hängt, ebenso wie ihre effektive Einflussnahme auf Politikprozesse, in zunehmendem Maß von Expertise und Kontakten zu politischen Autoritäten ab, weswegen NGOs immer häufiger auf qualifizierte Hauptamtliche, denn auf Grassroots-Aktivisten setzen (Saurugger 2006: 260f). NGO-Beteiligung zielt auf Verbreiterung der Wissensbasis und Qualitätssteigerung europäischer Politik. Danach bestimmen instrumentelle Erwägungen, wem der Zugang zum Politikprozess gewährt wird. Expertise und wahrgenommene Effizienz sind dabei zentrale Güter (Saurugger 2008a: 3). Außerdem müssen NGOs an bestehende Kontakte anknüpfen. Als Interessenvertreter agieren sie an der Schnittstelle zu Entscheidungsträgern, Kontaktpflege und -koordination gehören zu ihren wesentlichen Aufgaben. In Konsequenz ist eine Professionalisierung der LobbyArbeit (Eising 2008: 10; 2007) bzw. eine Veränderung der Personalstruktur, mit Schwerpunkt auf Experten in den für die jeweilige NGO relevanten Politikbereichen (Scholte 2007: 320), zu beobachten.

 
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