Gruppendiskussionen und dokumentarische Methode in der Forschung zu Gewalt

Sandra Glammeier

Gruppendiskussionen stellen in den Sozialwissenschaften eine etablierte und inzwischen – z. B. mithilfe der dokumentarischen Methode – auch methodologisch fundierte Forschungsmethode dar. Sie werden zu den inhaltlich unterschiedlichsten Themenbereichen eingesetzt. Aber sie eignen sich auch für sensible, belastende und tendenziell stigmatisierende Themen wie interpersonale Gewalt.

Das Forschungsinteresse kann dabei (kollektive) Realitätskonstruktionen bezogen auf die Entwicklung der Gewaltbereitschaft, die Bewältigung von erlebter Gewalt oder die gewaltförmige Interaktion an sich fokussieren, sich auf (De-)Thematisierungen von Gewalt, den Umgang mit der Gewalt oder auf Präventionsbzw. Interventionsund Hilfeprozesse beziehen, um nur wenige Beispiele vielfältiger Möglichkeiten zu nennen. Gruppendiskussionen eignen sich dabei insbesondere zur Untersuchung kollektiver Handlungsorientierungen und Deutungsmuster.

Um den sinnvollen Einsatz von Gruppendiskussionen in der Forschung zu interpersonaler Gewalt zu erläutern, soll zunächst ein Blick auf ihren methodologischen Hintergrund im Sinne einer Analyse des sozial gebundenen Handelns geworfen (1) werden. Im Anschluss daran werden die Methodik der Auswertung im Sinne der Analyse kollektiver Handlungsorientierungen (2.1) beschrieben, Hinweise für die Einbeziehung der Geschlechterperspektive gegeben (2.2) und die Auswertung an einem Forschungsbeispiel (2.3) aufgezeigt. Anschließend werden Empfehlungen zur Durchführung von Gruppendiskussionen im Kontext von Gewalt gegeben (3). Der Artikel beruht auf Forschungserfahrungen mit Gruppendiskussionen mit Frauen, die von psychischer, körperlicher und/oder sexueller Gewalt betroffen waren. Diese wurden im Rahmen des BMFSFJ-Projekts „Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland“ am Interdisziplinären Zentrum für Frauenund Geschlechterforschung (IFF) an der Universität Bielefeld durchgeführt (Glammeier 2011a).

 
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