Erhebungsmethoden mit Kindern bzw. Jugendlichen zu sexueller Gewalt

Heinz Kindler

In der Forschung, wie in manchen Praxisfeldern, gibt es eine nicht nur verständliche, sondern grundlegend vernünftige Zurückhaltung, wenn es darum geht, mit Kindern bzw. Jugendlichen über Erfahrungen von sexueller Gewalt zu sprechen. Auf der anderen Seite wäre es nicht richtig, die historisch entstandene Tabuisierung des Sprechens über sexuelle Übergriffe fortzusetzen. Auch können nur Kinder und Jugendliche darüber Auskunft geben, wie häufig sie beispielsweise gegenwärtig sexuelle Gewalt erfahren, das Handeln von Jugendhilfe, Familiengerichten und Strafverfolgung empfinden und wie Anstrengungen der Prävention und Intervention auf sie wirken. Um dieser Zwickmühle zu entkommen, hat sich zum einen eine sehr lebendige ethische Diskussion darüber entwickelt, unter welchen Bedingungen in diesem Themenbereich eine Forschung an und mit Kindern bzw. Jugendlichen zulässig ist (Kindler in diesem Band). Zum anderen wird ein forschungsmethodischer Diskurs mit der Absicht geführt, die Bandbreite der Ansätze mit ihren jeweiligen Stärken und Schwächen bewusst zu machen und die Übernahme bzw. Neuentwicklung geeigneter methodischer Herangehensweisen zu unterstützen.

Mein eigener Zugang zu dieser Diskussion ist über die Forschung zu Gesprächen mit Kindern in Kinderschutzkontexten erfolgt (Kindler 2012). Um hier Erhebungsmethoden für den Kontext Forschung im Überblick darstellen zu können, gilt es zunächst eine Übersicht über inhaltliche Linien der Forschung mit Kindern bzw. Jugendlichen zu sexueller Gewalt zu gewinnen, da sich aus den Forschungsinteressen zentrale Anforderungen an die Methodenentwicklung ergeben. Im Anschluss werden verschiedene Formen der Thematisierung sexueller Gewalt mit Kindern und Jugendlichen diskutiert, wobei qualitative wie quantitative Forschungstraditionen einbezogen werden. Der Schwerpunkt des Kapitels liegt auf methodischen Möglichkeiten der Erhebung verbaler Angaben von Kindern bzw. Jugendlichen zu erfahrener sexueller Gewalt. In ihrer Mehrheit fokussieren die diskutierten methodischen Ansätze Jugendliche, wenngleich bei einigen Verfahren ein Einsatz auch in der mittleren Kindheit, hier verstanden als der Altersbereich zwischen sieben und zwölf Jahren, beschrieben werden wird.

 
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