Erhebungsmethoden im Rahmen qualitativer Ansätze

Was Anstoßfragen oder Interviewleitfäden im Rahmen qualitativer Ansätze angeht, scheinen Übersichtsarbeiten oder vergleichende Erörterungen zu gewählten Formulierungen in der Forschung zu sexueller Gewalt mit Kindern und Jugendlichen bislang zu fehlen. Ein erheblicher Teil der durchgesehenen Literatur übergeht die Empfehlung von Jonathan Potter und Alexa Hepburn (2005), bei zentralen Fragen den Wortlaut zu berichten. In einer der bekanntesten qualitativen Interviewstudien mit Kindern nach verschiedenen Arten von Gefährdung berichten Neerosh Mudaly und Chris Goddard (2006) beispielsweise sehr ausführlich über Organisation und Ablauf der Interviews. Die Einstiegsfragen werden jedoch nicht angegeben und die vielen eindrücklichen Zitate zum kindlichen Erleben des Geschehens werden in der Regel ohne die vorausgegangene Frage berichtet. Teilweise werden Interviewleitfäden in Stichpunkten aufgeführt, so etwa in der Studie von Rosaleen McElvaney et al. (2012), in der Kinder und Jugendliche zwischen acht und achtzehn Jahren dazu befragt wurden, wann und wem sie von ihren Missbrauchserfahrungen erzählten, was ihnen geholfen und was sie gehindert hat sowie welche Reaktionen sie erlebten. In einigen Arbeiten, vor allem in veröffentlichten Dissertationen, werden jedoch Interviewleitfäden sowie Setting und Ablauf der Interviews sehr ausführlich beschrieben, beispielsweise bei Mosser (2009), der von sexueller Gewalt betroffene Jungen zu Prozessen der Aufdeckung und Hilfesuche befragte. Ein anderes interessantes Beispiel ist die Studie von Debra Nelson-Gardell (2001), die mehrere Fokusgruppen mit betroffenen Kindern und Jugendlichen zu ihrem Erleben von Hilfeinstitutionen durchführte und ihre Anstoßfragen in einen Anhang aufnahm. Da Vergleiche im Hinblick auf verschiedene Formulierungen und Strukturierungen fehlen, können in der Literatur auffindbare Beispielformulierungen nur als Anregung dienen. Gleiches gilt für die im Hinblick auf Fragemethodik empirisch reichhaltige Literatur zu forensischen Interviews, also Interviews mit Kindern und Jugendlichen als Zeugen im Rahmen von Strafverfahren. Die Befundlage hierzu unterstreicht vor allem den Wert offener Fragen und eines ausreichenden Raums für Kinder und Jugendliche, um ihre Erfahrungen in eigenen Worten zu beschreiben, sowie die Rolle eines positiven Beziehungsaufbaus (für eine Forschungsübersicht siehe Lamb et al. 2008).

 
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