Potenziale für den Politikunterricht

Einführung: Das Politische und die Chance der Fachkonzepte

Am Anfang der Betrachtung wie auch der unterrichtlichen Behandlung des Woyzeck sollte geklärt werden, von welchem Begriff des Politischen ausgegangen wird. Das Stück bietet so umfangreichen Stoff für fast jeden Bereich menschlichen Daseins, dass die politische Dimension genauer zu bestimmen ist. Gerade seiner charakteristischen Offenheit wegen bietet sich für den Unterricht ein weiter Politikbegriff (Weißeno et al. 2010, S. 30) an, welcher das Thematisieren der im Stück konstellierten Gegensätze zwischen individueller, persönlicher Tat und politischgesellschaftlichem Einfluss ermöglicht. Büchners fast soziologische Analyse ist prädestiniert für einen reflektierten Diskurs über die Frage des Politischen an sich. Seine Anwendung kann also bestenfalls direkt ins Unterrichtsgeschehen miteinbezogen werden. Interessant ist in diesem Zusammenhang – v. a. in der Sekundarstufe II [1] – auch die Anwendung von prototypischen Denkund Handlungsmodellen der Politik (Weißeno et al. 2010, S. 34 f.). Es lässt sich damit für die Schülerinnen und Schüler ein grundlegendes Verständnis für die unterschiedlichen (und historisch begründeten) Perspektiven von Politik schaffen. Im Woyzeck finden sich vor allem Anknüpfungspunkte für das Machtbzw. Heilsmodell, was einen kontrastreichen Vergleich mit dem für unsere Moderne angenommenen aristotelischen Verständigungsmodell ermöglicht – hier kann im Unterricht kritisch hinterfragt werden.

Im Folgenden sollen die Potenziale des Woyzeck für den Politikunterricht anhand von Fachkonzepten systematisiert und veranschaulicht werden. Diese Herangehensweise hat didaktische Gründe: Die Fachkonzepte fundieren auf basalen politischen Konzeptionen (hier: Ordnung, Entscheidung, Gemeinwohl) und verbalisieren so einerseits eine Grundsätzlichkeit und Relevanz politischer Handlungsfelder und ermöglichen andererseits die dauernde Verschränkung miteinander, da sie in ihrer Eigenschaft als Konzepte natürlich nie singulär auftreten, sondern stets auf verschiedene Bereiche des Politischen Anwendung finden (und sich genauso auf die verschiedenen thematischen Schwerpunkte der Rahmenlehrpläne übertragen lassen). Den Schülerinnen und Schülern ermöglicht dies nicht nur die Transformation auf aktuelle Debatten – es fördert eben auch eine kompetenzorientierte Methodik, die bestrebt ist, sich von isoliertem faktischem Wissen nach und nach zu befreien und eine universelle Anwendbarkeit im politischen Diskurs anstrebt.

  • [1] Alle hier gemachten didaktischen Vorschläge sind ebenso für die Sekundarstufe I denkbar; die jeweils notwendigen Reduktionen sind jedoch mit Bedacht vorzunehmen
 
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