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5 Weiterführende Literatur

Die Begründung der Faktorenanalyse durch Charles Spearman und die Entwicklung der Pfadanalyse durch Sewall Wright liegen mittlerweile rund 100 Jahre zurück. Seitdem wurde auf diesem Gebiet mehr oder minder kontinuierlich geforscht. Dementsprechend ist die Literatur, die sich mit Strukturgleichungsmodellen befasst, kaum zu überschauen. Die Literaturhinweise in diesem Kapitel sind deshalb nur im Sinne erster Anregungen zu verstehen.

5.1 Grundlagen

Die aktuellen kommerziellen Programme zur Schätzung von Strukturgleichungsmodellen sind recht benutzerfreundlich und bemühen sich mehr oder weniger stark darum, die technischen Details der Modellierung vor dem Anwender zu verbergen. Um aufgeklärt mit den Möglichkeiten dieser Programme umgehen zu können, sollte man sich dennoch um ein grundlegendes Verständnis des Verfahrens bemühen. Eine klassische und dabei leicht zugängliche Einführung in die mathematischen Grundlagen der linearen Modellierung von Strukturgleichungen bietet Bollen (1989). „Moderne“ Themen wie Missing Data, Mehr-Ebenen-Strukturen oder kategoriale latente Variablen werden naturgemäß nicht behandelt, und der abgedruckte Programmcode für LISREL und EQS ist veraltet. Dennoch ist die Darstellung der Grundlagen so umfassend und klar strukturiert, dass sich die Lektüre auch heute noch lohnt.

Dies gilt in ähnlicher Weise auch für das etwas stärker anwendungsorientierte Buch von Hayduk (1987). Auch hier sind der Programmcode und einige der technischen Hinweise veraltet. Das Kapitel zur Interpretation der Ergebnisse, aber auch die Herleitung des Strukturgleichungsmodells oder die Einführung in die Matrixalgebra können aber immer noch mit Gewinn gelesen werden.

5.2 Einführungen

Neben diesen beiden klassischen Texten gibt es eine ganze Reihe moderner(er) Einführungen. Maruyama (1998) ist ein leicht zugänglicher Einstieg in die Grundlagen des Gebietes, der noch stärker didaktisch aufbereitet ist als Bollen (1989) oder Hayduk (1987). Allerdings wurde der Text seit über 15 Jahren nicht mehr neu aufgelegt und berücksichtigt dementsprechend die neueren Entwicklungen nicht.

Eine etwas andere Perspektive bietet der Psychologe und Genetiker John C. Loehlin (2004), der vor allem Faktorenund Pfadanalyse als Bausteine der Strukturgleichungsmodelle sowie die Analyse von Längsschnittdaten in den Vordergrund stellt. Der Text erschien seit Ende der 1980er Jahre mehrfach in neuen Auflagen, wurde aber seit 2004 nicht mehr überarbeitet.

Die mit über 400 Druckseiten sehr umfangreiche Einführung von Kline (2010) hingegen liegt mittlerweile in der dritten Auflage vor und bewegt sich auf dem aktuellen Stand der Entwicklung. Kline verknüpft die Darstellung der theoretischen Grundlage mit deren praktischer Umsetzung in EQS, LISREL und Mplus und gibt darüber hinaus Hinweise zur Verwendung weiterer Programme. Jedes der 13 Kapitel endet mit einer Zusammenfassung sowie weiterführenden Literaturempfehlungen. Hinzu kommen in den ersten zehn Kapiteln praktische Übungen.

Vergleichbar umfangreich und aktuell ist die wichtigste deutschsprachige Einführung in das Thema, die Jost Reinecke (2014) vorgelegt hat. Ähnlich wie Kline zeigt auch Reinecke in ausführlichen Beispielen, wie sich allgemeine Prinzipien praktisch anwenden lassen. Standen in der ersten Auflage (Reinecke 2005) noch LISREL und EQS im Vordergrund, werden nun auch Mplus und das R-Paket lavaan berücksichtigt.

Vom Umfang vergleichbar, aber stärker auf konkrete Anwendungen im Bereich des Marketings bezogen ist das Lehrbuch von Weiber und Mühlhaus (2014). Die Syntax-Beispiele bzw. Screenshots zeigen, wie sich Modellierungen mit Amos, SmartPLS (siehe Abschn. 1.4, Seite 10) und SPSS realisieren lassen.

Das im Untertitel als „Ratgeber“ bezeichnete Buch von Urban und Mayerl (2014) schließlich ist ursprünglich aus einem Studienskript hervorgegangen. Er versteht sich weder als grundlegende Einführung, noch werden programmspezifische Aspekte oder Syntaxbeispiele behandelt. Statt dessen thematisieren die Autoren eine ganze Reihe von Fragen, die sich bei den ersten Analysen nach der Lektüre einer Einführung stellen können.

Außer diesen Lehrbüchern, die sich primär an Einsteiger ohne Vorerfahrungen richten, gibt es noch eine Reihe stärker spezialisierterer Lehrwerke, die für Fortgeschrittene gedacht sind. Zu nennen sind hier beispielsweise der als Kurs angelegte Sammelband von Hancock und Mueller (2006) sowie die Monographie von Kaplan (2009).

 
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