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Start arrow Philosophie arrow Wie das Leben spricht: Narrativität als radikale Lebensphänomenologie
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Kapitel 8 Henrys Romanwerk als Narration meta-individuellen Geschicks

Um die bisherigen Analysen zur inner-affektiven Narrativität im Sinne des immanenten Lebens auch in rein literarischer Hinsicht anzusprechen, soll zum Abschluss dieser Problematik Henrys Romanschaffen dargestellt werden, da es als Illustration und Konkretisierung unserer Untersuchung betrachtet werden kann. Im März 1948 wurde von ihm das Manuskript zu seinem ersten Roman „Le Jeune Officier“ abgeschlossen, der dann 1954 im bekannten Pariser Verlag Gallimard erscheinen konnte. Zeitlich wie thematisch befindet sich Michel Henry in einer Übergangsphase, denn erst seit drei Jahren hat er das verborgene Leben eines Widerstandskämpfers gegen die deutsche Besatzung in der Nähe von Lyon beendet, um sich seiner philosophischen Habilitationsschrift zuzuwenden, die nach langen Jahren intensiver Analysen 1963 unter dem Titel „L'essence de la manifestation“ erscheint und zu einer Professur an der Universität Montpellier führen wird. Der biographische Übergang in den 1940er-Jahren ist also doppelt, denn einerseits ist Henry sowohl von der Literatur wie Philosophie gleich stark angezogen und andererseits hat er sich noch nicht völlig aus dem neukantianischen Denken herauslösen können, wie es selbst am Kriegsende trotz des aufkommenden Existentialismus in Frankreich noch vorherrschte. Diese Ablösung wird erst durch seine entschiedene Hinwendung zur Phänomenologiegelingen, welchejedochzugleicheinekritische Auseinandersetzung gerade mit Descartes, Kant, Husserl und Heidegger unter anderem beinhaltet, um immer klarer die Selbstgebung des rein subjektiven Lebens als affektives Grundpathos zur Voraussetzung absoluter Phänomenalisierung zu erheben. Das erste Romanwerk „Le Jeune Officier“ lässt diese Entwicklung deutlich erkennen, denn der Inhalt des Romans, der die vergebliche Befreiung eines großen Kriegsschiffs von den Ratten erzählt, ist eine Parabel vom Umgang mit dem „Bösen“ in der Welt, das heißt zugleich eine innere Auseinandersetzung mit dem traditionellen Idealismus und dessen Ethik,1 welche der Frage der „Realität“ nicht gerecht wird, wie noch zu zeigen bleibt. Auch wenn hier also indirekt philosophische Themen beleuchtet werden, so handelt es sich dennoch um keinen philosophischen Thesenroman, wie er zur gleichen Zeit etwa bei Sartre und Camus vorzufinden ist, denn Henry gestaltet seine Erzählung bereits auf die rein imaginäre Narration des subjektiven Lebens hin, welches letztlich allein in sich selber das Kriterium des „Wirklichen“ zur Beantwortung des „Bösen“ findet.2

 
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