Der modifizierte Ansatz: Das Hexagon der Europäischen Konfliktregelungskultur

In dem modifizierten Hexagon soll die Prämisse gelten:

Es gilt also zunächst, Europäische Konfliktregelungskultur zu operationalisieren. Diese Operationalisierung erfolgt am Beispiel des o. g. Hexagons der Konfliktbeilegung, lehnt sich also eng an dessen Unterteilung an. Mit diesem modifizierten Hexagon kann untersucht werden, inwiefern Konfliktparteien im Rahmen des Konfliktbeilegungsprozesses diese Europäische Konflikt-

Abbildung 5: Hexagon der Europäischen Konfliktregelungskultur

regelungskultur aufweisen und damit eine friedliche Regelung des Konflikts verfolgen. Da die Variablen nicht die staatliche Konstitution der Konfliktparteien für die Untersuchung voraussetzen, lässt sich das Hexagon sowohl auf innerstaatliche als auch auf zwischenstaatliche Konflikte anwenden.

Alle sechs Variablen müssen erfüllt sein, damit eine Europäische Konfliktregelungskultur vorliegt (vgl. Abb. 5).

Nichtsdestotrotz ist auch ein Fall denkbar, in dem die eine oder andere Variable nicht erfüllt ist und es dennoch zu einer Konfliktregelung kommt – diese wäre dann nur nicht (ganz) im Sinne einer Europäischen Konfliktregelungskultur geschehen. Ebenso sei darauf hingewiesen, dass die Variablen nicht als ausschließlich oder gar originär europäisch angesehen werden. Selbstverständlich können sie auch in anderen Gesellschaften oder kulturellen Gruppen gelten.

Europäische Konfliktregelungskultur suggeriert mit dem Begriff „Kultur“ eine verinnerlichte, etablierte Handlungsweise. In diesem Fall ist es jedoch so, dass diese Kultur erstens nicht tatsächlich immer angewandt wird – oben wurde darauf hingewiesen, dass die EU in Konflikten mit Drittstaaten diese Europäische Konfliktregelungskultur nicht zwangsläufig anwendet – und zweitens die Anwendung nicht notwendigerweise aus innerer Überzeugung heraus stattfindet. Demnach werden die Variablen, sofern möglich, auch im Lichte des von Axt/Schwarz/Wiegand genannten calculus und cultural approaches untersucht. Wenden die Konfliktparteien beispielsweise keine Gewalt an, weil sie lediglich davon ausgehen, keine andere Möglichkeit zur Erlangung ihres Ziels zu haben (calculus approach), oder weil sie von einer friedlichen, gewaltlosen Handlungsweise überzeugt sind (cultural approach)?

 
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