Weitere Indikatoren

Das Linkage-Konzept umfasst, wie in Kapitel 4.2 ausgeführt, sowohl direkte, als auch organisatorische Linkage, vermittelt über Mitgliedsorganisationen und Massenmedien. In Abweichung von Poguntke (2000), werden die Bestrebungen Letztere entweder zur Ansprache der verschiedenen Zielgruppen oder als Beobachtungssystem zu instrumentalisieren hier unter organisatorischer Linkage verortet, sodass direkte Linkage ausschließlich von der NGO selbst gesteuerte, direkte Kommunikationsmaßnahmen umfasst. Daneben lässt sich Linkage, auf die Zusammensetzung der Stichprobe und die in der Erhebung fokussierten Zielgruppen rekurrierend, als zweistufiges Phänomen beschreiben. In der ersten Stufe begrenzt sie sich auf die direkten Mitglieder der Organisation; in der zweiten Stufe wird dieser relativ limitierte Rahmen ausgedehnt auf die Basis sowie auf die, für einige der in Kapitel 4.4 formulierten Erwartungen besonders relevante, breite Öffentlichkeit.

Eine angemessene Bewertung der Linkage-Leistung bzw. der organisationellen Voraussetzungen zur Realisierung von Linkage verlangt – u.a. aufgrund diesen Unterscheidungen – neben der Betrachtung der spezifischen Indikatoren der sechs Linkage-Dimensionen, die in erster Linie die Inhalte der Kommunikation abbilden, die Berücksichtigung weiterer eher allgemeiner Linkage-Indikatoren. Diese gelten für alle sechs Linkage-Dimensionen – stellen daher keine eigene Dimension dar – und umfassen die Art und Frequenz des Kontakts bzw. die Anzahl der Kontaktpunkte. Ergänzend zu der allgemeinen Kontaktfrequenz, der Mitgliedschaftsoption und den primären Zielgruppen der Kommunikation, werden daher, in Anlehnung an Steffek et al. (2010: 21ff) sowie mit Referenz auf die Frage nach Effektivität und Zusammenspiel der einzelnen Kommunikationskanäle, auch die Art der Verbreitung der für die einzelnen Linkage-Dimensionen relevanten Inhalte und damit die Verfügbarkeit der Informationen für die verschiedenen Stakeholder, aber auch deren Aktualität als Indikatoren operationalisiert.

Zur Bewertung direkter Linkage werden die Existenz und Ausgestaltung von Strategien der unmittelbaren Ansprache von Mitgliedern, Basis und Öffentlichkeit, ebenso wie bevorzugt genutzte Kanäle direkter Kommunikation und die verschiedenen Optionen persönlichen Kontakts, erfasst. Die Studie möchte keine Aussagen über die Leistungen der Mitgliedsorganisationen auf nationaler Ebene treffen, sondern stellt die von EU-NGOs verwirklichte Linkage bzw. die von diesen geschaffenen Voraussetzungen zu deren Verwirklichung in den Vordergrund. Poguntke (2000) beschreibt organisatorische Linkage als effektiver und verlässlicher als direkte. Indessen wird hier der Standpunkt vertreten, dass dies – etwa in Bezug auf die Annahme, dass über die Kommunikationskanäle der Mitglieder für die Ziele der NGO geworben werden kann (ebd.: 27) – nur insofern der Fall ist, als faktische Mechanismen existieren, die Mitglieder zu diesen Aktivitäten anzuregen. Von besonderem Interesse zur Bewertung organisatorischer Linkage sind demgemäß nicht nur Strategien, Basis und Öffentlichkeit über die Mitglieder bzw. die Medien zu erreichen, sondern auch Mechanismen, welche die Weiterleitung der Inhalte und Materialien durch die Mitglieder an eben genannte Zielgruppen fördern. Weitere Indikatoren sind deshalb „Serviceleistungen“ der NGO, welche die Mitglieder befähigen – bestenfalls ohne nennenswerten Mehraufwand, da dies die Reaktionswahrscheinlichkeit erhöht – die einzelnen Linkage-Dimensionen umzusetzen und die Botschaften der Organisation zu verbreiten.

Indikatoren

• Existenz einer Mitgliedschaftsoption für natürliche Personen

• Benennung von Mitglieder/Basis/Öffentlichkeit als Zielgruppe allgemein/für die einzelnen Linkage-Dimensionen

• Ziel (über Mitglieder) die Basis zu erreichen, selbst zugewiesene Bindegliedfunktion zwischen nationaler und EU-Ebene

• Aussagen zu bevorzugten Kommunikationskanälen allgemein/für einzelne Linkage-Dimensionen

• Aussagen zu regelmäßigem Kontakt mit Mitgliedern/Basis/Öffentlichkeit

• Nutzung direkter Kanäle, um Mitglieder/Basis/Öffentlichkeit zu erreichen, z.B. E-Mail, Website, Newsletter, Social Media, etc.

• Aktualität der verfügbaren Informationen

• Persönliche Kontaktoptionen für Mitglieder/Basis/Öffentlichkeit, z.B. Versammlungen, regelmäßige Treffen, Arbeitsgruppen, Konferenzen, Seminare, Trainings, etc.

• Kommunikationsprodukte für Mitglieder/Basis/Öffentlichkeit, z.B. Hintergrundpapiere, Artikel, Berichte, etc. (via Website, Newsletter und Massenmedien)

• Intention, dass Mitglieder mobilisierende/sozialisierende/accountability-relevante Inhalte an die Basis/Öffentlichkeit weitergeben

• Mechanismen/Strategien, die Weiterleitung der Inhalte durch die Mitglieder zu fördern

• Involvierung in Sozialisierungsund Mobilisierungsversuche der Mitglieder

o Bereitstellung von Material (elektronisch zugänglich oder Direktversand) zur Weiterleitung an die Basis/Öffentlichkeit/mobilisieren gemeinsam mit den Mitgliedern

• Schriftlich festgelegte Strategie, Basis/Öffentlichkeit via Massenmedien zu erreichen

• Nutzung von Massenmedien/Umfragen als Beobachtungssystem

 
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