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5.2.3 Explikation der objektiven Motive und die Genese der Struktur

Um die objektive Struktur des Bildes zu klären, werden auf die Materialien und den Aufbau des Bildes, auf die Farben, ihre Beschaffenheit und ihre Bearbeitung eingegangen. In einem weiteren Schritt wird dargestellt, welche Wirkung durch die, diesem Bild eigene, Zusammenstellung der Bildelemente hervorgerufen wird. Diese konventionelle Vorgehensweise ist nötig, um das Intersubjektive des Bildes herauszuarbeiten, denn diese Merkmale, die Strukturen, sind durch das Bild vorgegeben und daher – laut Oevermann – auch nachvollziehbar.

Materielle Aspekte: Format und Malgrund

Das „Große rote Bild“ ist 1,50×2,70 Meter groß, das Verhältnis Höhe zu Breite beträgt 5:9. Das Querformat ist damit fast doppelt so breit wie hoch. Doch hat das Querformat hat eine andere Wirkung auf den Betrachter als ein Hochformat, es wirkt liegend, ruhend, lastend. Die Ausmaße des Formats entsprechen dem Aktionsradius des Künstlers, der es im Stehen sowohl von der Höhe als auch von der Breite her bearbeiten kann.

Der Malgrund besteht aus einer Spanplatte, auf die die Leinwand straff aufgeklebt wurde. An den Stellen, wo die Leinwand zu sehen ist, ist sie weiß grundiert, dabei ist die Grundierung nicht porenfüllend und die Textur bleibt sichtbar. Diese Art der Grundierung ist nicht durchgängig. Am oberen, schwarzen Rand ist eine Grundierung feststellbar, die porenfüllend ist und erhabene Flächen aufweist. Erkennbar ist auch die senkrechte Stellung der Leinwand, da das Bild an mehreren Stellen Fließspuren der Farbe zeigt, die durch den Einfluss der Schwerkraft entstanden.

Materielle Aspekte: Die Arbeitsmittel

Die vom Künstler verwendeten Malgeräte kann man mit Hilfe ihrer typischen Abdrücke und Spuren identifizieren. Als Arbeitsmittel zum Auftragen der Farben ist zunächst einmal der Spachtel festzustellen. Außerdem ist die Farbe mit spitzen Gegenständen, z. B. mit Stielen, Stöcken, bearbeitet worden. Doch ist im „Großen roten Bild“ nur die Farbmasse aufgekratzt, geritzt, aufgegraben worden. Die Leinwand blieb unversehrt. Rote Farbflächen und weiße Farbelemente sind mit breiten, flachen Pinseln aufgetragen worden; die Oberfläche der Weißhöhung zeigt die Spuren eines Schwammabdrucks.

 
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