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Aufbau des Buches

Die Fallstudien in Kap. 2 zeigen, wie bedeutende Unternehmen die Datenqualität zu einer Aufgabe aller Managementebenen machen. Die Qualität der Stammdaten[1] kann nicht in einer zentralen IT-Abteilung gewährleistet, sondern muss am Ort der Datenentstehung und-verwendung, also in den Geschäftsbereichen, sichergestellt werden. Die Fallstudien dokumentieren, wie zehn Unternehmen unterschiedlicher Branchen Datenqualitätsmanagement im Unternehmensalltag verankert haben.

Kapitel 3 stellt Methoden und Werkzeuge vor, die Unternehmen beim Aufbau eines erfolgreichen Stammdatenqualitätsmanagements unterstützen. Alle Methoden wurden mehrfach in der Praxis erprobt.

Kapitel 4 fasst die Haupterkenntnisse der beschriebenen Lösungsansätze zusammen und präsentiert eine Liste mit Sofortmaßnahmen für besseres Datenqualitätsmanagement.

1.1 Trends der Digitalisierung

Neue Formen der Informationstechnik verändern alle Bereiche von Wirtschaft und Gesellschaft, wie dies z. B. Kagermann (2014) aus der Sicht der Bundesrepublik Deutschland analysiert. Wir fassen die Entwicklung zu vier Trends zusammen (Abb. 1.1).

Abb. 1.1 Megatrends der Digitalisierung. (eigene Darstellung)

1.1.1 Durchdringung aller Lebensund Wirtschaftsbereiche

Laut International Telecommunication Union nutzten im Jahre 2013 2,7 Mrd. Menschen das Internet, also knapp 40 % der Weltbevölkerung (ITU 2013). Die technologischen Innovationen der letzten 15 Jahre sind für die Durchdringung des Privatund des Geschäftsbereichs verantwortlich.

• Mobilität: Drahtlose Netzwerke und die Miniaturisierung von Computern und anderen Komponenten wie Sensoren und Kameras bringen die digitalen Services an den Ort der Benutzung, sei es im Privatbereich, z. B. als Aufzeichnung einer Wanderroute, oder sei es im Unternehmen, z. B. in der Ferndiagnose einer Maschine.

• Usability: Touch Screens und viele Detailverbesserungen wie z. B. die Anmeldung bei digitalen Services über ein Facebook-Konto oder die Sprach-Einund Ausgabe haben die Schwelle für die Nutzung drastisch gesenkt. Weitere Erleichterungen wie die Datenbrille (z. B. Google Glass), Gestensteuerung bis hin zur Erkennung von Augenbewegungen zeichnen sich ab.

• Content und Community: Unzählige Menschen produzieren einzeln (z. B. in Blogs, Tweets) oder in Gemeinschaften (z. B. Facebook) eine nur noch maschinell „überschaubare“ Menge von Inhalten in Form von Texten, Bildern, Audio und Video. Youtube zählt über eine Milliarde Videoabrufe pro Tag im Juni 2014[2], Facebook knapp 1,3 Mrd. aktive Benutzer im März 2014[3].

• Kommunikation: Diese Inhalte werden synchron und asynchron, privat und geschäftlich ausgetauscht. In der Schweiz nutzen z. B. bereits 81 % der Bevölkerung täglich oder mehrmals pro Woche das Internet, bei den unter 30-Jährigen sind es sogar 95 %.

Abb. 1.2 Online-Aktivitäten für private Zwecke in den letzten drei Monaten. (Froidevaux 2012, S. 25)

Kommunikation, z. B. über E-Mail, ist dabei die häufigste Aktivität (BFS 2014). Die Videokommunikation ergänzt immer mehr die herkömmliche Sprachtelefonie und Instant Messaging – Dienste (WhatsApp) werden neben E-Mails zunehmend genutzt.

• Big Data: Bislang unbekannte Datenmengen sind das Ergebnis der Durchdringung von Wirtschaft und Gesellschaft mit digitalen Services und gleichzeitig die Grundlage für die Individualisierung von Services, insbesondere auf Basis von Lokationsinformationen (Abb. 1.2).

In Deutschland nutzte Ende 2013 fast die Hälfte der Bevölkerung (37 Mio. Menschen) ein Smartphone [4] und ein Fünftel bis ein Viertel der deutschen Bevölkerung nutzt Social Networks über ein Smartphone. Das digitale Networking hat einen enormen Einfluss auf die Meinungsbildung der Menschen in politischen, wirtschaftlichen und privaten Angelegenheiten. Aus Sicht des Datenmanagements sind u. a. folgende Aspekte zu beachten:

• Datensicherheit: Bisher galt das Intranet im Unternehmen als Perimeter, d. h. die Linie, bis zu welcher der Schutz der Daten gesichert wurde. Diese Linie löst sich auf und Unternehmen müssen dazu übergehen, nicht Netze und Anwendungssysteme zu schützen, sondern die Datenobjekte ertüchtigen, selbst zu wissen, von wem sie gelesen werden dürfen und von wem nicht (O'Brien 2014).

• Datenproduktion: Klassischerweise erfassen Unternehmen Daten zentral (z. B. Kundendaten durch einen zentralen Vertriebsinnendienst). Durch die Verbreitung von Social Media und Social Networks werden jedoch Datennutzer auch immer mehr zu „Datenproduzenten“ (Strong et al. 1997). Kundendaten können durch den Kunden selbst oder von Außendienstmitarbeitern per Smartphone oder Tablet vor Ort erfasst werden. Die Mitarbeiter erwarten, dass die Daten überall verfügbar sind.

• „Streams“ statt „Records“: In Social Networks und durch Social Media erzeugen Millionen von Nutzern Datenströme. Das stellt Unternehmen vor neue Herausforderungen, weil die traditionelle Datenverarbeitung transaktionsorientiert ist, d. h. einzelne Datensätze persistent in Datenbanken geschrieben werden. Die Verarbeitung von Datenströmen aus Social Networks – wie auch aus cyberphysischen Systemen bei Industrie 4.0

– kann aber nicht mehr inkrementell sein, sondern muss kontinuierlich erfolgen (BITKOM 2014).

  • [1] Dieses Buch verwendet wegen des verbreiteteren Sprachgebrauchs durchgängig den Begriff „Stammdaten“. Gemeint sind damit die Konzernstammdaten, d. h. jene Untergruppe sämtlicher Stammdaten im Unternehmen, die im Rahmen eines unternehmensweiten qualitätsorientierten Datenmanagements bewirtschaftet werden sollten
  • [2] Quelle: https://youtube.com/yt/press/statistics.html
  • [3] Quelle: newsroom.fb.com/company-info/
  • [4] Quelle: de.statista.com/statistik/daten/studie/198959/umfrage/anzahl-der-smartphonenut- zer-in-deutschland-seit-2010/
 
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