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1.2.5 Operational Excellence

Abb. 1.10 Geschäftsprozessprobleme durch schlechte Datenqualität bei Johnson & Johnson. (Otto

2014, S. 20)

Mit der Standardisierung und Automatisierung von Geschäftsprozessen nutzen Unternehmen Skaleneffekte und verringern gleichzeitig ihre Komplexität. Voraussetzung dafür ist ein einheitliches Verständnis über die Daten im Unternehmen, welche in allen Geschäftsbereichen genutzt werden. Denn die Standardisierung der Geschäftsprozesse ist nicht möglich, wenn z. B. Materialstammdaten in Teilprozessen oder Regionen unterschiedlich definiert sind und unterschiedlich erzeugt und verwendet werden.

2007 litt die Konsumgütersparte von Johnson & Johnson in den USA unter vielen Problemen mit der Datenqualität in Geschäftsprozessen (siehe Abb. 1.10 und Kap. 2.7).

Weniger als 30 % der logistischen Daten zu Artikeln, d. h. Angaben zu den Abmessungen und zum Gewicht der Artikel, befanden sich innerhalb der erlaubten Fehlertoleranz von 5 %. Anders ausgedrückt: Mehr als 70 % der logistischen Daten waren falsch. Johnson & Johnson erneuerte sein Stammdatenmanagement und erreichte 2013 einen Six-SigmaLevel hinsichtlich seiner Datenqualität[1]. Voraussetzungen dafür waren:

• Data Governance: Eine zentrale Stelle im Unternehmen legt fest, wie die Daten definiert sind, wie sie angelegt, verwendet und gelöscht werden und welche Qualität sie haben müssen, damit die Geschäftsprozesse reibungslos funktionieren.

• Datenqualitätsmessung: Monatlich wird die Datenqualität der wichtigsten Attribute gemessen. Ein Datensatz, der nicht sämtliche der mehreren hundert Geschäftsregeln erfüllt, gilt als defekt.

• Workflow-gestützte Anlage: Die Erfassung und Änderung der Daten ist klar geregelt und durchgängig durch ein Workflow-Managementsystem gestützt.

1.2.6 Datensicherheit und Privatheit

Privatpersonen geben im Internet vermehrt freiwillig private Daten preis, um Angebote wie soziale Netzwerke zu nutzen. Während in den USA der Datenschutz kaum gesetzlich geregelt ist, wird der Schutz personenbezogener Daten in der Europäischen Union als Grundrecht definiert (EU 2010). Daten dürfen nur mit Einwilligung der betroffenen Personen oder auf Basis einer gesetzlichen Grundlage verarbeitet werden. Für Unternehmen haben diese Vorgaben Auswirkungen auf Werbemaßnahmen oder Analysen des Kundenverhaltens. Allerdings ist die Rechtslage nicht immer eindeutig angesichts der Vernetzung durch das Internet sowie infolge der Auslagerung von IT-Aktivitäten in Länder, in denen andere Datenschutzbestimmungen gelten.

Unternehmen haben im Sinne der Informationssicherheit auch die Aufgabe, die von ihnen verwalteten personenbezogenen Daten gegen den unberechtigten Zugriff Dritter zu schützen. Dabei schaden Datenlecks Internet-Unternehmen besonders intensiv. Deshalb versuchte im Dezember 2013 ein Telekommunikationsunternehmen gerichtlich die Publikation eines Artikels zu verhindern, in dem öffentlich wurde, dass Angaben zu Bankkonten von 7500 Kunden sowie zu 5,6 Mio. E-Mail-Abonnenten entwendet worden sind. Durch ein Gerichtsurteil ist die superprovisorische Verfügung inzwischen aufgehoben und die Veröffentlichung hat stattgefunden (Schmid 2014).

  • [1] Six Sigma ist ein Qualitätsmanagementansatz, der als Leistungsziel nur 3,4 Fehler pro eine Million Instanzen vorsieht (Shah et al. 2008). Nach Wang et al. (1998) können Qualitätsmanagementansätze für physische Güter auch auf immaterielle Güter wie Daten übertragen werden
 
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