< Zurück   INHALT   Weiter >

1.4 Framework für Stammdatenqualitätsmanagement

Die oben genannten Anforderungen müssen in der Praxis an den speziellen Bedürfnissen und Möglichkeiten jedes Unternehmens orientiert werden, damit ein erfolgreiches unternehmensweites Datenqualitätsmanagement entstehen kann. Denn Datenqualität heißt nicht Qualität um jeden Preis, sondern Qualität gemäß den Anforderungen der Unternehmensstrategie, der Geschäftsprozesse und der Strukturorganisation sowie des Informationssystems.

1.4.1 Framework-Überblick

Das Framework für (Konzern-)Stammdatenqualität bietet eine Lösung für diese Gestaltungsaufgabe, indem es den Ansatz des Business Engineering auf das unternehmensweite Datenqualitätsmanagement überträgt (siehe Abb. 1.11). Generell ist Business Engineering die methodenorientierte und modellbasierte Konstruktionslehre für Unternehmen des Informationszeitalters (Österle und Winter 2003). Gestaltet werden Artefakte auf den drei Ebenen „Strategie“, „Organisation“ und „Systeme“ in sechs Gestaltungsbereichen (Otto 2011b; Otto et al. 2011). Jeder Gestaltungsbereich hat eigene Ergebnistypen (Dokumente).

1.4.2 Strategieebene

Die „Datenqualitätsmanagementstrategie“ richtet das Datenqualitätsmanagement an den Unternehmenszielen aus (siehe Tab. 1.3).

Ein Beispiel für den Zusammenhang zwischen Datenqualitätsmanagement und den Zielen des Unternehmens findet sich bei der DB Netz AG, die für die Eisenbahninfrastruktur in Deutschland zuständig ist. Zur Eisenbahninfrastruktur gehören das Gleisnetz, Tunnels, Brücken, Bahnhöfe etc. Eine Leistungsund Finanzierungsvereinbarung regelt die Mittelzuwendung des Bundes an die DB Netz AG im Sinne einer Bezuschussung für Instandhaltungsarbeiten an der Eisenbahninfrastruktur. Die Höhe des jährlichen Zuschusses hängt – in gewissen Grenzen – direkt von der Qualität des Infrastrukturkatasters ab, in welchem u. a. Anzahl, Wartungszustand und gewisse Leistungsparameter (zum Beispiel zulässige Geschwindigkeiten) sämtlicher Infrastrukturanlagen erfasst werden. Eine hohe Konsistenz, Aktualität, Vollständigkeit und Verfügbarkeit der Stammdaten zu Infrastrukturanlagen beeinflusst also positiv die Finanzausstattung des gesamten Unternehmens.

Abb. 1.11 Framework für unternehmensweites Datenqualitätsmanagement. (nach Otto et al. 2011, S. 10)

 
< Zurück   INHALT   Weiter >