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1.5 Begriffsdefinitionen und Grundlagen

Das Management von Stammdaten und ihrer Qualität ist kein grundsätzlich neues Thema, die Durchdringung aller Wirtschaftsbereiche mit digitalen Services hat nur seinen Stellenwert drastisch gesteigert. Es wird in Forschung und Praxis diskutiert, seit Unternehmen Informationssysteme zur Unterstützung von Geschäftsprozessen einsetzen. Es ist deshalb sowohl für die Forschung als auch die Praxis von besonderer Bedeutung zu wissen, welche Lösungen bereits existieren, welche sich behauptet haben und welche nicht. Dafür gilt es zunächst die zentralen Konzepte und Begriffe des Datenqualitätsmanagements zu klären. Abbildung 1.12 stellt die wichtigsten Begriffe und ihre Beziehung zueinander dar.

1.5.1 Daten und Information

Daten beschreiben die Eigenschaften von Geschäftsobjekten, also materielle und immaterielle Objekte der Realwelt (Boisot und Canals 2004). Zwar gibt es viele Arbeiten zur Unterscheidung von Daten und Information, aber ein eindeutiges und akzeptiertes Verständnis dazu hat sich bisher nicht durchgesetzt (Boisot und Canals 2004; Badenoch et al. 1994). Eine Lehrmeinung fasst Informationen als Wissen auf, das während der menschlichen Kommunikation ausgetauscht wird, während eine zweite eine Informationsverarbeitungsperspektive einnimmt, in der Daten die Bausteine von Information sind (Oppenheim et al. 2003). Demnach werden Daten zu Informationen „verarbeitet“ (Van den Hoven 1999; Holtham 1995; Wang 1998). Nach ISO/IEC 2382-1 sind Daten die formalisierte, d. h. für die weiterführende Verarbeitung, Interpretation und Kommunikation geeignete Repräsentation der Eigenschaften von Geschäftsobjekten (ISO/IEC 1993).

Die logische Datenorganisation unterscheidet verschiedene Aggregationsebenen (Chen 1976; Levitin und Redman 1998; Yoon et al. 2000). Datenelemente bilden die unterste Aggregationsebene. Datenelemente sind die Instanziierungen der Attribute von Datenobjekten (z. B. Nachname eines Kunden). Die zweite Aggregationsebene bilden Datensätze.

Abb. 1.13 Übersicht der logischen Datenorganisation. (eigene Darstellung)

Abbildung 1.13 visualisiert diese Beziehungen. Diese Darstellung der Datenorganisation richtet sich nach dem relationalen Datenmodell. Im idealen, semantisch eindeutigen Fall gibt es eine 1:1-Beziehung zwischen der Datenwelt und der realen Welt, d. h. ein Datenobjekt bildet genau ein Geschäftsobjekt ab. In der Realität gibt es jedoch oft mehrere Datenobjekte parallel, die dasselbe Geschäftsobjekt repräsentieren. In diesem Fall ist das Datenqualitätsmanagement gefordert, Richtlinien, Prozesse und Systeme zu etablieren, die erlauben, das für einen bestimmten Kontext „richtige“ Datenobjekt zu identifizieren und für die Nutzung in Geschäftsprozessen bereitzustellen.

 
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