< Zurück   INHALT   Weiter >

2.1.2 Ausgangssituation und Handlungsdruck

AGCS hat sich alle zwei Jahre einer Prüfung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zu unterziehen. Nach der Prüfung im Jahr 2010 forderte die BaFin AGCS auf, ein Datenqualitätskonzept vorzulegen und ein unternehmensweites Datenqualitätsmanagement aufzubauen (wie es u. a. auch Solvency II vorschreibt).

Die Analyse der Ausgangssituation vor Umsetzung dieser Vorgabe führte zu folgenden Problemstellungen:

• Unklarheit über Verantwortlichkeiten im Datenqualitätsmanagement: Zwar gab es in einigen Abteilungen vereinzelte Datenqualitätsteams, aber kein unternehmensweites Konzept.

• Fehlende Entscheidungsstrukturen bei Datenqualitätsproblemen: Datenqualitätsprobleme wurden entweder gar nicht behoben oder erst nach mehrstufigen Eskalationsschritten, was dazu führte, dass sich das Unternehmen bezüglich der Datenqualität konstant im „Feuerlöschmodus“ befand.

• Fehlende organisatorische Verankerung des gesamten Datenqualitätsthemas: Keiner Stelle im Unternehmen war klar, wer für die unternehmensweite Koordination des Datenqualitätsmanagements verantwortlich zeichnete.

2.1.3 Das Solvency-II-Projekt

Als Reaktion auf das Ergebnis des Prüfungsberichts durch die BaFin initiierte der Finanzvorstand von AGCS 2011 das Solvency-II-Projekt. Er gründete ein Data-Governance-Team und setzte ein Projekt mit folgenden Zielen auf:

• Definition der wichtigsten Datenqualitätsanforderungen bei der Bewertung von Rückstellungsbedarfen

• Definition der Prozesse und Handlungsanweisungen zur Sicherung der Datenqualität

• Entwurf der Maßnahmen zur Datenqualitätsmessung und überwachung Diese Ziele wurden in einen Arbeitsplan überführt. Arbeitspakete waren:

• Entwurf einer unternehmensweiten Richtlinie für das Datenqualitätsmanagement

• Definition von Rollen und Verantwortlichkeiten für das Datenqualitätsmanagement

• Definition von Kriterien zur Messung der Datenqualität

• Entwurf von Prozessen und Abläufen des Datenqualitätsmanagements

• Auswahl und Implementierung eines Softwaresystems zur dauerhaften Messung der Datenqualität

Das Projekt wurde in drei Phasen zwischen 2011 und 2013 umgesetzt. Die erste Phase umfasste die Definition und Zuordnung von Datenqualitätsrollen zu Mitarbeitern sowie die Definition eines unternehmensweiten Verständnisses des Datenqualitätsbegriffs. Die zweite Phase analysierte die Ist-Situation auf Seiten der „Datenproduzenten“, um zu verstehen, wo Daten in welchen Systemen in welchen Prozessschritten erzeugt werden und was im Anschluss daran mit ihnen geschieht. In der dritten Phase legte das Data-Governance-Team ein Regelwerk für die Datenqualität fest, an das sich die Nutzer der Daten zu halten hatten.

 
< Zurück   INHALT   Weiter >