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2.3.2 Ausgangssituation des Datenmanagements

Die Fallstudie zeigt am Beispiel Beiersdorf die Herausforderungen des unternehmensübergreifenden Datenaustauschs in der Konsumgüterindustrie. Die Partner eines Ökosystems in der Konsumgüterindustrie müssen bei einer großen Zahl an Bestandseinheiten einen effizienten Warennachschub sicherstellen. Dabei müssen sie in der Lage sein, neben den physischen Waren auch die Produktinformationen zeitgerecht und korrekt auszutauschen.

Produktdatenaustausch im Ökosystem

Dazu zeigt Abb. 2.15 einen Ausschnitt des Ökosystems von Beiersdorf, in dem die zentrale Konzernfunktion einen von elf Akteuren darstellt. In der Abbildung wird zwischen unternehmensinternen Datenflüssen (Flüsse 1, 2, 8, und 12), dem Datenfluss zwischen Beiersdorf und Dritten (Flüsse 3, 4, 5, 6, 7, 9, 10, 11, 13, und 14) sowie Datenflüssen zwischen externen Parteien (Flüsse 15 und 16) unterschieden. Anwendungssysteme für den Datenaustausch sind nicht abgebildet.

Die zentralen Produktdatenflüsse zwischen Beiersdorf und den weiteren Akteuren des Ökosystems sind im Folgenden genauer erläutert:

• Konzernfunktion: Zentrale Dienste bei Beiersdorf (z. B. Bedarfsplanung, Produktmarketing, Produktentwicklung, Packungsdesign) nutzen und pflegen Produktdaten (siehe [1] in Abb. 2.15) und stellen sie sowohl internen als auch externen Partnern zur Verfügung. Zum Beispiel wird eine Produktrezeptur von der Abteilung Produktentwicklung erstellt und von der Funktion Bedarfsplanung genutzt. Außerdem sind zum Beispiel GTINs oder Nettogewichte in einer Designvorlagenspezifikation [4] für externe Partner enthalten. GTINs sind die weltweit einheitlichen Identifikationsnummern für Artikel.

• Produktionswerk, Lieferant, Drittanbieter, Grafikagentur: Global verteilte Produktionsstätten und externe Produktionspartner nutzen z. B. Artikellisten oder GTINs [2, 7] sowie länderspezifische Designvorlagen [10, 15] und bestellen Rohmaterialien (Positionen von Stücklisten [9]) von Zulieferern.

• Distributionszentrum, Logistikdienstleister, Zollbehörde: Verteilzentren nutzen für die Lagerung und den Transport von Gütern logistische Daten, die von zentralen Unternehmensfunktionen [8] bereitgestellt und von den Produktionsstätten [12] bearbeitet oder ergänzt werden. Externe Dienstleister nutzen ebenfalls logistische Daten sowie Umwelt-, Gesundheitsund Sicherheitsdaten [11, 13]. Zollrelevante Daten [14] müssen den Zollbehörden zur Verfügung gestellt werden.

• Datenpool-Anbieter: Beiersdorf stellt in seinem Datenpool „1Sync“ GTINs [3] zur Nutzung durch Kundenunternehmen [16] bereit.

• Kundenunternehmen: Beiersdorf stellt Kundenunternehmen logistische Daten zur Verfügung, um deren Planungsprozesse zu unterstützen ([6], insbesondere Daten zu Packmaßen).

• Normenorganisation: Beiersdorf fragt bei Standardisierungsorganisationen Daten für die Definition von neuen GTINs [5] an.

Abb. 2.15 Produktdatenaustausch im Ökosystem von Beiersdorf. (Schierning 2010, S. 25)

In allen genannten Beispielen hängen reibungslose Supply-Chain-Prozesse von hoher Produktdatenqualität ab.

 
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