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2.4.3 Datenarchitekturmuster bei Bosch

Grundlegendes Entwurfsprinzip der Datenarchitektur bei Bosch ist die Berücksichtigung sowohl fachlicher als auch technischer Aspekte. Dieses Prinzip ist bereits im o. a. Ordnungsrahmen verankert und in Abb. 2.19 dargestellt.

Datenarchitekturmuster

Bosch entwickelte vier mit der Konzernrichtlinie konforme Datenarchitekturmuster, aus denen die Data Owner (MDO) wählen können. Die Architekturmuster haben den Vorteil, dass sie anbieterund lösungsunabhängig sind. Damit ermöglichen sie den Vergleich existierender Angebote für Stammdatenmanagementsysteme am Markt und beschleunigen die Einführung der Stammdatenkonzepte.

Abbildung 2.20 zeigt die vier Datenarchitekturmuster, die bei Bosch als Blaupause für alle Stammdatenklassen gelten.

Muster A beschreibt einen analytischen Ansatz. Sämtliche Aktivitäten zur Datenerfassung und Datenpflege werden in den lokalen Quellsystemen ausgeführt. Die Stammdaten werden periodisch in einen zentralen Stammdaten-Server (MDS) importiert. Der MDS ordnet den Daten eine unternehmensweit gültige, einzigartige Nummer zu und stellt sicher, dass Duplikate identifiziert und bereinigt werden. Die Daten werden allerdings nicht in die Quellsysteme zurückgespielt, sondern lediglich für Analysezwecke im MDS gehalten. Ein klassischer Anwendungsfall für dieses Architekturmuster ist die Konsolidierung von Lieferantenstammdaten für Einkaufsanalysen (z. B. Spend-Analysen).

Muster B beschreibt im Gegensatz dazu einen transaktionalen Ansatz. Dabei fungiert der MDS als „single source of truth“, auf dem die Daten erfasst und gepflegt werden. Die Daten werden dann an angeschlossene Zielsysteme gesendet und können dort nur noch gelesen, aber nicht mehr verändert werden. Auch die Datenqualitätskontrolle findet auf dem MDS statt. Dieses Architekturmuster eignet sich besonders für Daten mit hohen rechtlichen und behördlichen Anforderungen, die nur von einer kleinen Anzahl Nutzern bearbeitet werden. Bosch verwaltet auf diese Weise beispielsweise seinen zentralen Kontenplan.

Abb. 2.20 Datenarchitekturmuster bei Bosch. (Otto 2012a, S. 15)

Muster C nennt Bosch „Koexistenz“. Daten werden zwar in Quellsystemen gepflegt, aber auf einem zentralen MDS qualitätsgesichert (d. h. auf Duplikate geprüft und mit einem eindeutigen Identifikationsschlüssel versehen). Diese Daten werden dann teilweise in die Quellsysteme zurückgespielt, aber vor allem auch in andere Systeme weiterverteilt. Ein typisches Einsatzgebiet für dieses Architekturmuster sind Mitarbeiterdaten: Diese müssen einerseits lokalen Anforderungen genügen, aber andererseits auch zentral für das Personalwesen der gesamten Gruppe einsehbar sein, z. B. für die Planung von Trainingsmaßnahmen.

Muster D ist der parallele Ansatz. Dabei verbleibt die Datenerfassung und Datenpflege lokal und die Datenadministratoren arbeiten auch in ihrer gewohnten Systemumgebung. Mit Hilfe eines Workflows werden diese Datenpflegeaufgaben aber mit den Funktionen des MDS integriert, der auf diese Weise bereits während der Anlage den eindeutigen Schlüssel zuweist und auf Duplikate prüft. Diese Funktionen des MDS sind in die Anwendungssoftware der Quellsysteme integriert. Hier wird beispielsweise die Standardfunktionalität der SAP-Transaktionen MM01 und MM02 zur Anlage und Änderung von Materialstammdaten durch spezifische MDS-Funktionalität ergänzt oder ersetzt. Dieses Architekturmuster findet dort Einsatz, wo die Datenerfassung von lokaler Fachexpertise abhängt und deswegen weiter in der gewohnten Systemumgebung erfolgen soll, es aber auch zentrale Anforderungen gibt (z. B. eine unternehmensweite Sichtbarkeit des Lagerbestands). Ein Beispiel sind Stammdaten zu Ersatzteilen von Maschinen.

 
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