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Organisationsentwürfe

Bosch unterscheidet anhand von vier Designparametern drei verschiedene Organisationsentwürfe. Die vier Designparameter sind:

• Organisatorische Verankerung der Verantwortung für eine Stammdatenklasse, die im

Falle von Bosch stets dezentral ist

• Verantwortung für den Entwurf der Datenpflegeprozesse, die entweder zentral oder dezentral organisiert sein kann

• Verantwortung für die Ausführung der Datenpflegeprozesse, die ebenfalls entweder

zentral oder dezentral organisiert sein kann

• Verantwortung für den Datenmodellentwurf

Tabelle 2.11 zeigt die drei möglichen Organisationsentwürfe im Überblick.

Da Bosch eine unternehmensweite Verantwortung für einzelne Stammdatenklassen anstrebt, verbleiben die organisatorische Verankerung sowie der Entwurf des konzeptionellen Datenmodells immer an zentraler Stelle, nämlich beim MDO der jeweiligen Stammdatenklasse.

Entscheidungsmatrix für die Datenarchitektur

Aus der Kombination von technischer und organisatorischer Sicht auf die Datenarchitektur entwickelte Bosch eine Entscheidungsmatrix, die sinnvolle Kombinationen der Ansätze aufzeigt (siehe Tab. 2.12).

Tab. 2.11 Organisationsentwürfe für die Datenarchitektur bei Bosch. (Otto 2012a, S. 17)

Designparameter

I

(Zentraler Ansatz)

II

(Hybrider Ansatz)

III

(Lokaler Ansatz)

Organisatorische Verantwortlichkeit für

Stammdatenklasse

Verantwortung liegt beim MDO, zusammen mit Repräsentanten einer Geschäftseinheit und MDF

Design der

Datenpflegeprozesse

▪ MDO definiert unternehmensweite Pflegeprozesse(Standard)

▪ MDO definiert Prinzipien für unternehmensweite Pflegeprozesse

▪ Detaillierte Definitionen werden von Geschäftseinheiten erstellt

▪ Keine zentralen Prinzipien durch MDO

▪ Pflegeprozesse werden von Geschäftseinheiten erstellt

Ausführung der Datenpflegeprozesse

▪ Datenpflege durch zentrale MDO Organisation, zusammen mit Geschäftseinheit

▪ Datenpflege durch Geschäftseinheiten

▪ Datenpflege durch Geschäftseinheiten

Design des konzeptuellen Datenmodells

Design durch MDO

Beispiele

▪ Kundenhierarchiedaten

▪ Stammdaten der Konsumenten

▪ Ersatzteile von

Maschinen

▪ Stammdaten des

Personalwesens

▪ Produkthierarchie

MDO master data owner, MDF master data officer

Tab. 2.12 Entscheidungsmatrix für die Datenarchitektur bei Bosch. (Otto 2012a, S. 18)

Organisatorischer Ansatz

I

(Zentral)

II

(Hybrid)

III

(Lokal)

Technischer Ansatz

A (Analytisch)

B (Transaktional)

●b

C (Koexistenz)

●a

D (Parallel)

○ Nicht durchführbarer Ansatz (mehr Nachteile als Vorteile), ◑ muss von Fall zu Fall entschieden werden, ● bevorzugter Ansatz

a Bsp. für Mitarbeiterstammdaten

b Bsp. für Kundenstammdaten

Für Bosch kommen fünf Kombinationen in Frage. Der analytische Ansatz wird nur in Kombination mit einem dezentralen Organisationsentwurf verfolgt. Dahinter steckt die Überlegung, dass es nicht sinnvoll ist, Sparten einen zentralen Pflegeprozess aufzubürden, wenn die Daten ohnehin nur für Analysezwecke verwendet werden. Es muss dann lediglich sichergestellt sein, dass die Daten im MDS für das Reporting konsolidiert und von ausreichender Qualität sind.

Alle technischen Ansätze lassen sich mit dem hybriden Organisationsansatz kombinieren, sodass Bosch für die verschiedenen Stammdatenklassen unterschiedliche Architekturen konfigurierte. Grundsätzlich hängt die Wahl des geeigneten technischen Architekturansatzes bei hybridem Organisationsentwurf von vier Faktoren ab:

• Vielfalt der Geschäftsprozesse und Systeme

• Heterogenität der Daten und Datenmodelle

• Dringlichkeit der Anforderungen der Datennutzer

• Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit

So wählte Bosch zum Beispiel wie oben angedeutet für die Mitarbeiterstammdaten den

„Koexistenz“-Ansatz, da sich die Geschäftsprozesse im Personalwesen stark zwischen den Ländern unterscheiden. Außerdem brauchten die Mitarbeiter an den Quellsystemen schnellen Zugriff auf ihre neu angelegten oder geänderten Daten und konnten nicht auf die Implementierung des transaktionalen oder parallelen Designs warten. Dagegen fiel bei den Kundenstammdaten die Wahl auf den transaktionalen Ansatz (MDS als „single source of truth“), da bei dieser Stammdatenklasse großer Wert auf zentrale Datenpflege gelegt wurde und sich die lokalen Anlageprozesse zudem nicht wesentlich unterscheiden.

Schließlich ist der transaktionale Ansatz neben dem hybriden nur mit einem zentralen Organisationsentwurf zulässig. Bosch implementierte auf Basis der vier Faktoren die passende Architekturkombination für jede Stammdatenklasse.

 
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