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2.5 Festo: Unternehmensweites Produktdatenmanagement in der Automatisierungsindustrie

2.5.1 Unternehmensüberblick

Festo ist ein weltweit führendes Unternehmen für Automatisierungstechnik und Pneumatik und ein führender Anbieter für technische Ausund Weiterbildung[1]. Unternehmensziel ist die maximale Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit von Kunden in der Fabrikund Prozessautomatisierung. Festo ist weltweit mit etwa 60 Landesgesellschaften und über 250 Niederlassungen vertreten und beliefert über 300.000 Kunden in mehr als 170 Ländern. Tabelle 2.14 zeigt die Eckdaten des Unternehmens.

Das Produktspektrum umfasst sowohl Katalogprodukte als auch kundenspezifische Lösungen. Festo bietet über 30.000 Katalogprodukte in insgesamt mehreren hunderttau-

Tab. 2.14 Kurzprofil Festo

Festo AG & Co. KG

Gründung

1925

Branche

Pneumatik, Automatisierungstechnik

Unternehmenssitz

Esslingen am Neckar, Deutschland

Rechtsform

AG & Co. KG

Homepage

festo.com

Umsatz (2013)

2,3 Mrd. EUR

Gewinn

(nicht ausgewiesen)

Mitarbeiter (2013)

16.700

send Varianten an. Von über 700 Lieferanten beschafft Festo mehr als 42.000 Einzelteile mit einem Beschaffungsvolumen von ca. 340 Mio. €.

Festos Unternehmensstruktur für die weltweite Marktversorgung ist dreistufig organisiert (Huber 2009):

• Global Production Centers (GPC) bilden das Rückgrat der weltweiten Marktversorgung bei Festo. Die GPCs gewährleisten die Primärversorgung mit Komponenten und Endprodukten und beliefern die Regional Service Centers (RSC). Das Zielsystem der GPCs ist auf niedrige Fertigungskosten und die Bündelung von Kernkompetenzen ausgerichtet. Die zentral organisierten Technical Engineering Centers (TECs) sind je einem GPC zugeordnet und entwickeln die Katalogprodukte.

• Die RSCs haben die Aufgabe, die regionale Marktversorgung für das komplette Produktprogramm über kurze Lieferzeiten sicherzustellen und regional benötigte Varianten zu fertigen.

• In Märkten, welche von RSCs nicht mit ausreichend kurzen Lieferzeiten bedient werden können, übernehmen National Service Centers (NSC) diese Aufgabe und fungieren zugleich als „verlängerte Werkbank“ für kundenspezifische Produktanpassungen.

Erster Ansprechpartner für den Kunden ist die Festo-Landesgesellschaft im Markt bzw. im Land. Die Versorgung der Kunden mit Katalogprodukten ist grundsätzlich über die drei Stufen GPC, RSC und Landesgesellschaft sichergestellt. Kundenspezifische Lösungen entwickeln auf regionaler Ebene die Solution Engineering Centers (SECs), die auf die Anforderungen der zugeordneten Landesgesellschaften reagieren. Sogenannte Mobile Engineering Support-Funktionen (MES) sichern die erforderliche Unterstützung aus regionalen oder zentralen Einheiten. Auf globaler Ebene gibt es keine SEC, weil die kundenspezifische Lösungsentwicklung im Gegensatz zu den Katalogprodukten per definitionem kein Standardisierungspotenzial besitzt. Abbildung 2.21 zeigt diese Unternehmensarchitektur.

Die Unternehmensstrategie ist geprägt durch folgende Unternehmensziele:

• Wahrung der finanziellen Unabhängigkeit als Familienunternehmen

• Fokussierung auf definierte Wachstumsfelder und Sicherung des Geschäfts in bestehenden Geschäftsfeldern

Abb. 2.21 Festo innovation network. (Huber 2009, S. 5)

• Entwicklung einheitlicher Prozesse und deren kontinuierliche Verbesserung im Hinblick auf Kosten, Zeit und Qualität

• Gewährleistung und Förderung der persönlichen Mitarbeiterentwicklung im Sinne eines „Lernunternehmens“

  • [1] Diese Fallstudie basiert auf der im CC CDQ durchgeführten Fallstudie Otto und Ofner (2010)
 
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