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2.5.2 Ausgangssituation und Handlungsdruck des Produktdatenmanagements

Die Kundenorientierung ist zentraler Bestandteil der Unternehmensstrategie, was sich in operativen Leistungsvereinbarungen für die Kunden niederschlägt. Dazu gehören beispielsweise:

• Lieferservice in 176 Ländern

• 24 h am Tag Abholund Lieferservice in der Mehrzahl der Niederlassungen

• Auslieferung von mehr als 75 % der Aufträge binnen 24 h innerhalb Europas (bei einem Volumen von bis zu 34.000 Lieferpositionen pro Tag allein in Deutschland)

• Bereitstellung elektronischer Produktinformationen sowohl als CD-ROMals auch als Online-Katalog in 24 Sprachen

Abbildung 2.22 zeigt die Geschäftsprozesse bei Festo im Überblick. Der Prozess zum Produktlebenszyklus ist einer der zehn Hauptprozesse des Unternehmens (siehe horizontale Balken).

Abb. 2.22 Prozessmodell bei Festo. (Huber 2009, S. 27)

Abb. 2.23 Produktdatenmanagement bei Festo. (Huber 2009, S. 26)

Das Produktdatenmanagement (PDM) richtet sich in seinen Abläufen nach den Phasen des Produktlebenszyklus. Es umfasst sowohl Produktdaten im engeren Sinne, die während der Konzeption, der Entwicklung, der Planung und Produktion sowie bei der Wartung des physischen Produkts benötigt werden (Saaksvuori und Immonen 2008), als auch Daten, die in logistischen Geschäftsprozessen verwendet werden (siehe Abb. 2.23). Hierzu gehören z. B. Einkaufsdaten, MRP-Daten sowie Vertriebsinformationen.

Die zentrale Abteilung Produktlebenszyklusmanagement ist Teil der Organisationseinheit „Technology and Infrastructure“. Sie ist für sechs Aufgabenbereiche verantwortlich:

• Normung und Klassifizierung

• Sachmerkmalsverwaltung

• Grunddatenverwaltung

• Zeichnungsprüfung

• Änderungsmanagement

• Neuheitendaten-Support

Insgesamt arbeiten 27 Mitarbeiter im Produktlebenszyklusmanagement; mehr als die Hälfte davon in der Grunddatenund Sachmerkmalverwaltung bzw. Normung und Klassifizierung.

Festo nutzt unternehmensweit Standardsoftwaresysteme; zur Unterstützung der kaufmännischen Geschäftsprozesse u. a. die Produkte SAP ERP und SAP PLM (siehe Abb. 2.24). Das Produktdatenmanagement nutzt im Wesentlichen zwei Systeme: Erstens das SAP-ERP-System mit dem Namen „P15“ zur Verwaltung der Produktdaten und zwei-

Abb. 2.24 Systemarchitektur für Produktdaten. (Huber 2009, S. 9)

Abb. 2.25 Datenverteilungsarchitektur. (Lehmann 2012, S. 7)

tens das Softwareprodukt PTC Windchill[1] zur Verwaltung von Dokumentationen zu den Produkten. Das PDM verbindet eine Reihe von Quellmit Zielsystemen. Wie in Abb. 2.24 zu sehen ist, gehören zu den angebundenen Quellsystemen zum Beispiel Büroanwendungen und CAD-Systeme. Beispiele für Zielsysteme sind Festos Redaktionssysteme für die Printmedienherstellung, Statistiksysteme, Systeme für Kundenapplikationen sowie andere SAP-ERP-Systeme für den Vertrieb, die Produktion und die Logistik.

Abbildung 2.25 zeigt die Architektur für die Verteilung der Produktdaten. Das SAPSystem „P15“ verteilt die Produktdaten an die angeschlossenen regionalen SAP-Systeme in Europa, Afrika, Asien und Australien sowie in Amerika. Dort werden die unternehmensweit gültigen Stammdaten um lokale Daten ergänzt, zum Beispiel um Daten für die Lagerhaltung und die Disposition. Festo behandelt auf diese Weise sowohl Neuanlagen als auch Änderungen von Produktstammdaten.

Abbildung 2.26 zeigt einen Auszug aus den zentral bewirtschafteten Produktdaten im SAP-System P15.

Das starke Wachstum des Unternehmens Ende der 1990er Jahre führte zu einem Handlungsbedarf im Produktdatenmanagement. Konkret betraf er drei Bereiche:

• Internationalisierung sämtlicher Prozesse einschließlich des Produktdatenmanagements: Das Produktdatenmanagement muss den internationalen Anforderungen einerseits durch höhere Standardisierung von Abläufen begegnen, andererseits aber auch auf länderspezifische Ansprüche eingehen (z. B. Unterstützung von 24 Sprachen).

• Wissenserosion: Eine wachsende Mitarbeiterzahl und zunehmende Zahl an Produktionsstätten führt dazu, dass das Wissen und die Erfahrungen um die eigenen Produkte zunehmend weltweit verteilt sind. Festo hat aber ein Interesse daran, dass dieses Wissen im Sinne der gemeinsamen Prozesse an zentraler Stelle gebündelt wird.

Abb. 2.26 Zentrale Produktdaten. (Huber 2009, S. 10)

• Effizienzsteigerung: Neue Unternehmensvorgaben verlangen vom Produktdatenmanagement höhere Prozesseffizienz. Dies gilt sowohl für die eigenen Prozesse der Abteilung als auch für seine internen Kunden (z. B. die Konstruktion, Einkauf, Fertigung und Vertrieb).

  • [1] Eine Software des Unternehmens PTC für das Lebenszyklusmanagement von Produktdaten
 
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