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2.7 Johnson & Johnson: Institutionalisierung des Stammdatenmanagements in der Konsumgüterindustrie

2.7.1 Unternehmensüberblick

Johnson & Johnson ist ein Fortune-50-Unternehmen, das über 275 Tochterunternehmen in 60 Ländern weltweit besitzt

[1]. Johnson & Johnson ist in drei Geschäftsbereiche aufgeteilt: Pharmaceutical, Medical Devices and Diagnostics und Consumer Products. Im Jahr 2013 beschäftigte das Unternehmen 128.000 Mitarbeiter und erzielte einen Umsatz von 55 Mrd. €. Die beiden Bereiche Pharmaceutical und Medical Devices and Diagnostics werden zentral geleitet. Der Bereich Consumer Products hingegen ist in vier geo-

Tab. 2.21 Kurzprofil Johnson & Johnson

Johnson & Johnson

Gründung

1886

Branche

Pharmazeutische Produkte, Medizinprodukte, Diagnostik

Unternehmenssitz

New Brunswick, NJ, USA

Rechtsform

Aktiengesellschaft

Homepage

jnj.com

Umsatz (2013)

55,07 Mrd. EUR (71,31 Mrd. USD)

Gewinn (2013)

10,68 Mrd. EUR (13,83 Mrd. USD)

Mitarbeiter (2013)

128.100

grafische Regionen (North America, South America, Asia-Pacific und Europe) unterteilt (Tab. 2.21)[2].

2.7.2 Ausgangssituation des Datenmanagements im Bereich Consumer Products und Aktivitäten bis 2008

Neben anderen Unternehmenszielen möchte Johnson & Johnson durch Unternehmensakquisitionen kontinuierlich wachsen. Eine weltweit beachtete Akquisition gab es im Jahr 2006, als Johnson & Johnson die Verbraucherproduktsparte des Konkurrenten Pfizer für 16,6 Mrd. US-Dollar übernahm. Johnson & Johnson hat mittlerweile zwei Drittel seiner Produktion ausgelagert, um sich auf seine Kernkompetenzen konzentrieren zu können. Die Fallstudie behandelt das Datenmanagement im Unternehmensbereich Consumer Products (North America).

Nicht zuletzt aufgrund der beträchtlichen Anzahl an Unternehmenskäufen waren die Geschäftsprozesse bei Johnson & Johnson zu großen Teilen nicht harmonisiert, sondern unterschieden sich stark über die verschiedenen Geschäftsbereiche und Tochterunternehmen hinweg. So gab es zum Beispiel keine unternehmensweiten Richtlinien für den Preisfindungsprozess. Auch ein unternehmensweites Datenmanagement war nicht vorhanden. Stattdessen existierten fünf Datenmanagementgruppen, die unabhängig voneinander arbeiteten.

Ebenso gab es kein unternehmensweites Verständnis zur Definition der wesentlichen Geschäftsobjekte. So wurden zum Beispiel unter der Bezeichnung „Product Samples“ einerseits Werbegeschenke für Kunden verstanden. Dieselbe Bezeichnung wurde aber auch für Werbeartikel verwendet, die an das Verkaufspersonal ausgegeben wurden.

Im Jahr 2005 startete Johnson & Johnson ein Großprojekt, um unternehmensweit SAP ERP einzuführen. Zielsetzung war, für den Bereich Consumer Products ein Standardan- wendungssystem für die Planung, die Produktion und den Vertrieb zu nutzen. Das Projekt umfasste auch die Einführung von Softwaretools für die Stammdatenanlage.

Einzelne Datenmanagementprozesse jedoch, wie etwa die Anlage und Pflege von Materialstammdaten, wurden zum Zeitpunkt, als das System in den operativen Betrieb ging, nicht vollständig und detailliert definiert. Diese Prozesse wurden immer noch lokal bzw. regional organisiert und waren dementsprechend heterogen. Da Prozessund Systemdesign in diesem Projekt nicht genügend aufeinander abgestimmt waren, brachte die Projektinvestition nicht den erwarteten Nutzen.

Handlungsdruck

Hinsichtlich des Datenmanagements hatte Johnson & Johnson mit drei wesentlichen Schwierigkeiten zu kämpfen.

Erstens litten einige Geschäftsprozesse unter Fehlern, die auf Datenqualitätsprobleme hindeuteten. Kunden bekamen oft fehlerhafte Rechnungen zugesandt, LKW mussten an den Verladestationen warten, bis das entsprechende Material im System freigegeben war, in den Fabrikanlagen kam es zu Produktionsverzögerungen und Bestellungen wurden nicht rechtzeitig platziert. Darüber hinaus fehlten im Produkteinführungsprozess Informationen zum Status neuer Produkte und es fehlten klare Verantwortlichkeiten für den Gesamtprozess.

Zweitens bemängelten Betreiber von globalen Datenpools wie dem Global Data Synchronization Network (GDSN)[3] die Datenqualität der Produktdaten, die Johnson & Johnson übermittelte. Auch Kunden kritisierten häufig die Qualität von Logistikdaten wie Produktgewichten und Produktmaßen. Einer von Johnson & Johnsons wichtigsten Kunden teilte mit, dass das Unternehmen bei den Logistikdaten zu den schlechtesten seiner strategischen Lieferanten gehöre.

Drittens beurteilte Johnson & Johnson sein Datenmanagement allgemein als ineffizient. So wendeten die Mitarbeiter im Datenmanagement ca. 80 % ihrer Zeit für die Analyse von Datenfehlern und die Behebung von Datenproblemen auf.

  • [1] Diese Fallstudie basiert auf der im CC CDQ durchgeführten und unter Otto (2013) publizierten

    Fallstudie

  • [2] Weitere Informationen zu Johnson & Johnsons Geschäftsbereich Consumer Products unter: jnj.com/connect/about-jnj/company-structure/consumer-healthcare
  • [3] Siehe gs1.org/gdsn
 
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