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2.7.3 Die Einführung von Data Governance

Gründungsphase

Im Jahr 2008 wurde zusammen mit der Consulting-Sparte von GS1 (einer globalen Standardisierungsorganisation) ein Projekt ins Leben gerufen, um den genannten Kundenbeschwerden objektiv nachzugehen.

GS1 stellte sein CubiScan[1]-Equipment zur Verfügung, mit dem sämtliche Produkte physikalisch gescannt wurden. Innerhalb eines Monats wurde jedes aktive Produkt auf diese Weise analysiert. Das Ergebnis führte dem Management die Bedeutung des Daten-qualitätsproblems vor Augen: Es stellte sich heraus, dass bei weniger als 30 % der Produkte die Daten zu Gewicht und Abmessungen innerhalb der erlaubten 5-%-Fehlertoleranzgrenze lagen.

Im Frühjahr 2008 entschied die Geschäftsführung von Johnson & Johnson deshalb, eine unternehmensweite Abteilung für Enterprise Master Data (EMD) einzurichten, um eine ausreichende Datenqualität im Unternehmen sicherzustellen und Geschäftsprozessfehler zukünftig zu vermeiden.

Der designierte Leiter der EMD-Abteilung wurde beauftragt, die neue Organisation innerhalb von acht Monaten aufzubauen. Er war dafür verantwortlich, alle Geschäftsbereiche davon zu überzeugen, ihre eigenen dezentralen Aktivitäten im Datenmanagement aufzugeben und diese in die neue zentrale Verantwortung zu übertragen. Da die Initiative durch das Mandat der Geschäftsleitung gestützt war, musste nicht mehr über das ob verhandelt werden, sondern die Diskussion konnte auf das wie beschränkt werden. In dieser Phase wandelte sich auch das Verständnis über die Besitzverhältnisse der Daten: Aus der bisherigen Auffassung von „meine Daten“ wurden allmählich „unsere Daten“ – das Verständnis, dass Daten nur einem bestimmten Geschäftsbereich gehören, wich dem Bewusstsein für den gemeinschaftlichen Wert der Daten für das Gesamtunternehmen. Schließlich bekannten sich die Verantwortlichen auf zweiter Führungsebene aller Geschäftsbereiche zu dieser gemeinsamen Initiative.

Eine zentrale Aktivität der Gründungsphase war ein sogenannter „Kaizen“-Workshop, in dessen Rahmen sich Vertreter aus allen Geschäftsbereichen für eine Woche zusammensetzten, um ein gemeinsames Verständnis bezüglich der Definition der wesentlichen Geschäftsobjekte und ihrer Verwendung in unterschiedlichen Geschäftsprozessen zu entwickeln. In dieser Runde waren Repräsentanten aus allen wichtigen Unternehmensfunktionen (Finanzen, Entwicklung, Einkauf usw.) vertreten. An jedem Tag der Woche wurde ein bestimmter Geschäftsprozess (z. B. Einkauf oder Produktion) diskutiert.

Nachdem ein gemeinsames Verständnis der wesentlichen Geschäftsobjekte erarbeitet war, definierte das EMD-Team die Rollen und Verantwortlichkeiten für die Nutzung und Pflege der Stammdaten. Das EMD-Team legte die Verantwortung für jedes einzelne Feld eines Materialtyps fest, sodass schließlich insgesamt 420 Stammdatenattribute zu Buche standen. Anschließend entwickelte das EMD-Team gemeinsam mit den jeweiligen Eigentümern Regeln für die Datenpflege der Attribute. Das Team begann zunächst mit den Regeln, die von den verwendeten Systemen (z. B. SAP) vorgegeben wurden, und entwickelte danach weitere Geschäftsregeln in Rücksprache mit den Experten der Geschäftsprozesse. Eine einfache Geschäftsregel stellt zum Beispiel sicher, dass bei jedem Endprodukt in Johnson & Johnsons Systemen das Attribut „Bruttogewicht“ gepflegt sein muss und dieses Feld nicht leer sein darf.

Externe Perspektiven auf das Thema unterstützten die Aktivitäten während der ersten Projektphase. So wurden EMD-Manager anderer Konsumgüterunternehmen eingeladen, um ihre Ideen und Konzepte zu präsentieren.

  • [1] Siehe cubiscan.com/
 
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