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2.8.3 Das Stammdatenmanagement bei Lanxess seit 2011

Data Governance umfasst nach dem Verständnis von Lanxess alle Mitarbeiter, Prozesse und IT-Systeme, die einen angemessenen und konsistenten Umgang mit Daten im gesamten Unternehmen sicherstellen (Rosenhagen 2014). Lanxess verzeichnete 2013 ein monatliches Wachstum seiner Stammdaten um ca. 700 neue Kundenstammdatensätze, ca. 500 neue Lieferantenstammdatensätze sowie etwa 1000 neue Materialstammdatensätze. Um diesen Zuwachs zu bewältigen und die weltweite Versorgung der Geschäftsprozesse mit verlässlichen Stammdaten zu gewährleisten, hat Lanxess eine Data Governance-Organisation geschaffen, die ein zentrales Stammdaten-Support-Team, eine Stammdatenarchitektur mit vier Hauptbestandteilen sowie definierte Rollen und Verantwortlichkeiten einschließt.

Organisation und Prozesse

Lanxess etablierte eine zentrale Abteilung am Hauptsitz, die als globale Unterstützungsabteilung für stammdatenbezogene Aufgaben fungiert. Die Hauptfunktionen dieser Abteilung sind:

• Professionelle Beratung und Support für das zentrale Stammdatensystem

• Vertragsund Lizenzmanagement

• Verteilung von Stammdaten an alle relevanten Systeme von Lanxess

• Schulung und Beratung für Mitarbeiter in den Geschäftseinheiten hinsichtlich der Nutzung von Stammdaten und ihrer Prozesse

Darüber hinaus legte Lanxess eine „Data Owner“-Organisation fest, die Rollen und Verantwortlichkeiten für alle zentralen Stammdatenklassen (Lieferanten, Kunden, Materialien) definiert. Diese ist in Abb. 2.42 dargestellt.

Der links unten in der Abbildung erwähnte Stammdatenprozess bezieht sich auf einen workflowgestützten Anlageund Pflegeprozess für Lieferanten-, Kundenund Materialstammdaten, der die globalen Datenpflegeprozesse vereinheitlicht hat. Gemeinsam mit dem Rollenkonzept stellt dieser Workflow sicher, dass alle neu angelegten Stammdatensätze sowohl systemseitig als auch von den jeweiligen Verantwortlichen auf Richtigkeit geprüft werden, sodass nur Datensätze hinreichender Datenqualität in das zentrale MDMSystem gelangen. Voraussetzung für diesen Workflow war eine Unterscheidung in globale und lokale Stammdatenattribute und eine entsprechende Rollenzuteilung. Der Workflow überbrückt Organisationsund Systemgrenzen.

Abb. 2.42 Aufbau der Data-Owner-Organisation bei Lanxess. (Rosenhagen 2014, S. 34)

Aktuell gibt es allerdings noch eine hohe Zahl von Mitarbeitern, die lokal Stammdaten über den Workflow anfragen und genehmigen (allein für Lieferanten sind weltweit über 600 Personen involviert). Dies bringt Nachteile hinsichtlich der Datenqualität sowie der Prozessdauer und -kosten mit sich, sodass Lanxess den Aufbau von regionalen Stammdatenzentren plant. Damit soll die Zahl der beteiligten Personen reduziert werden, um die Prozessqualität zukünftig weiter zu verbessern und gezielter Mitarbeiterschulungen anbieten zu können.

Systeme

Das globale Stammdatensystem basierend auf SAP MDM, das im Rahmen der Systemkonsolidierung implementiert wurde, ist das Herzstück der neuen Lanxess-Stammdatenarchitektur. Sie besteht vereinfacht gesprochen aus vier Hauptkomponenten:

• MDM-System: Die zentrale Stammdatendatenbank

• SAP NetWeaver: Ein Web-Portal, das den Stammdatenworkflow einschließlich Business Rules implementiert. Diese Benutzerschnittstelle ist in mehreren Landessprachen realisiert

• Business Objects Data Service: Eine Lösung für automatische Adressund andere Validierungen

• SAP PI: Eine Middleware, die das zentrale Stammdatensystem mit 21 Zweitsystemen verbindet und die Verteilung der globalen Stammdaten in diese Systeme umsetzt

Der oben schon erwähnte Workflow bringt mehrere Vorteile mit sich. So bietet er bei der Anlage oder Änderung von Stammdaten eine automatische Überprüfung auf Dubletten und automatisch vorausgefüllte Felder und Konsistenzprüfungen, um Fehler bei der manuellen Dateneingabe zu minimieren. Außerdem haben Lanxess-Mitarbeiter durch den Workflow stets Transparenz über den aktuellen Status einer Stammdaten-Anfrage und die Durchlaufzeit des Prozesses kann einfach gemessen werden.

Um die Übersicht über solche und weitere Kennzahlen zu erhalten, implementiert Lanxess im Rahmen der Data Governance-Initiative „EXPAND“ ein Kennzahlen-Framework für das globale Stammdatenmanagement. Mehrere Kennzahlen sollen im Intranet in einem Portal für die Anwender aus den Geschäftseinheiten zur Verfügung stehen. Ein Überblick über den Umfang des Kennzahlen-Frameworks ist in Abb. 2.43 wiedergegeben.

 
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