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3 Die Debatte zur Erlaubnis der Sterbehilfe

Die gesellschaftliche wie auch politische Debatte über die Legalisierung der Sterbehilfe in Deutschland berührt verschiedene Aspekte. So schürt das Thema nicht allein die Bedenken vor einem Dammbruch, wonach durch die Erlaubnis der Sterbehilfe die gesetzlichen Grundlagen gelegt werden, den Mord zu entkriminalisieren und ihm seine Illegalität zu nehmen, sondern es entfacht auch eine vielschichtige Debatte zwischen Verfechtern des Lebensschutzes, der persönlichen Autonomie am Lebensende und des ärztlichen Heilungsauftrags. Gleichzeitig fließen in die deutsche Diskussion die NS-Vergangenheit und immer mehr ökonomische Argumente mit ein.

Selbstbestimmungsrecht

Im Kern des Konflikts steht das individuelle Freiheitsrecht, autonom über den Verlauf und die Gestaltung des eigenen Lebens zu bestimmen. Dieses Grundrecht ist

u. a. in Art. 2 Abs. 1 des deutschen Grundgesetz verankert: „Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder gegen das Sittengesetz verstößt“. Damit ist der Staat dazu aufgerufen, die Entscheidungsund Handlungssouveränität der Bürger zu wahren, zu fördern und Verletzungen zu sanktionieren. Das persönliche Selbstbestimmungsrecht fußt auf dem Prinzip der Menschenwürde – ein Gedanke, der sich auf die Zeit der Aufklärung und insbesondere auf Immanuel Kant zurückführen lässt. Demnach kommt dem Menschen grundsätzlich eine Würde zu, da er imstande ist, sich seines Verstandes zu bedienen und sittlich zu handeln. In der Folge ist es unwürdig, einen Menschen seiner Autonomie zu berauben und ihn fremd zu bestimmen (Kreß 2007).

In der Medizinethik verfestigt sich das Selbstbestimmungsrecht in der Maxime der Patientenautonomie, welche dem Patienten garantiert, autonom die eigene medizinische Behandlung zu bestimmen. Er hat das Recht, über das ärztliche Vorgehen umfassend informiert zu werden und auf dieser Grundlage zu entscheiden, inwieweit er sich der Behandlung unterzieht. Durch die wachsenden medizinischen Möglichkeiten, menschliches Leben zu erhalten, wird das Leitbild der Patientenautonomie ein zentraler Faktor für das Sterben. Die technischen Errungenschaften in der Intensivmedizin sowie die Fortschritte in der Entwicklung von Medikamenten haben dazu geführt, dass das menschliche Leben nicht plötzlich endet, sondern verlängert wird, wobei die Qualität dessen zur Frage steht. Darüber hinaus ist der Sterbeprozess zunehmend fremdbestimmt. Die lebenserhaltenden Maßnahmen ermöglichen es, den Tod zeitlich aufzuhalten und hinauszuzögern, während der Sterbende zunehmend an motorischen und geistigen Fähigkeiten verliert, selbstbestimmt in die medizinische Behandlung einzugreifen und seine Wünsche gegenüber den behandelnden Ärzten zu äußern (Kreß 2007).

 
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