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1. Kino und Film als Kommunikations-medium

Dieses Kapitel erläutert die grundlegende Perspektive des Buches. Der Fokus liegt dabei auf dem Zusammenspiel von Film/Kino und Publikum, denn erst durch die Rezeption wird Film ein Kommunikationsmedium.

Von Kino und Film geht seit ihrer Erfindung vor über 100 Jahren eine fast mythische Strahlkraft aus. Die scheinbar überwältigende Macht der laufenden Bilder, rezipiert im dunklen Raum, fasziniert Publikum und Wissenschaftler gleichermaßen und nährt eine ganze Industrie. Kino und Film, das bedeutet Glamour und roter Teppich. Die Filmpremieren mit Leinwandstars und schicken Designerkleidern gehören ebenso dazu wie Bilder, die zum Träumen anregen. Bis heute werden gute Filme mit dem Ausdruck "Bigger than Life" beschrieben, um die immense Wirkung der Filme auf einer Kinoleinwand zu erklären.

Kino und Film befinden sich in einem fortwährenden Entwicklungsprozess. Technologisch reicht dieser von der Erfindung der ersten laufenden Bilder über die Einführung der Tonfilme bis zur momentanen 3-D-Technik oder der digitalen Verbreitung. Genauso wandeln sich aber auch die künstlerische und ästhetische Form sowie die gesellschaftliche Bedeutung.

Film und Kino gehören für viele zusammen, obwohl wir Filme längst auch zu Hause oder unterwegs sehen können: am Fernseher, am Computer, am Laptop, am iPad oder am Smartphone. Dennoch ist der Spielfilm nach wie vor an das Kino als ersten und ursprünglichen Aufführungsort gebunden. Für die meisten Filmemacher gilt: Filme werden fürs Kino gemacht, denn erst auf der großen Leinwand entfaltet sich das Potenzial der Filmwirkung. Eine (allerdings nicht durch Quellen belegte) Geschichte aus der Anfangszeit des Kinos veranschaulicht die starke Wirkung von Filmen. Als die Brüder Auguste und Louis Lumière – sie zählen zu den Erfindern des Films und damit des Kinos – bei einer ihrer ersten Filmvorführungen Aufnahmen von einem in einen Bahnhof einfahrenden Zug zeigten, sollen sich die Besucher unter ihren Stühlen verkrochen haben, um nicht vom Zug überrollt zu werden. Dieser Film, Die Ankunft eines Zuges auf dem Bahnhof in La Ciotat (F 1895), ist aus heutiger Sicht unspektakulär und würde niemanden mehr vom Hocker reißen. Dafür sind unsere Sehgewohnheiten inzwischen zu sehr den modernen Technologien angepasst. Damals aber lösten die neuen, nie zuvor gesehenen bewegten Bilder starke Reaktionen aus.

Im angloamerikanischen Sprachgebrauch gibt es den Begriff "Cinema", um Film und Kino zu verknüpfen. Unter Cinema wird sowohl der Aufführungsort Kino (film theatre) als auch der Film (movie) verstanden. Für das vorliegende Buch werden Kino und Film in diesem Sinne miteinander verbunden.

Denn eine kommunikationswissenschaftliche Perspektive auf Kino und Film umfasst sowohl die Filme als auch das Publikum. Film im Kino ist ein Kommunikationsmedium. Hier liegt der Unterschied zu einer Betrachtung von Film als Kunstform. Definiert man Film als Kunst, geht die Sichtweise von einem Künstler aus, der ein Werk erschafft, das unterschiedlich wahrgenommen wird. Bei der Analyse liegen immer die vom Künstler gewünschte Rezeption und Sicht auf die Welt im Fokus. Betrachtet man Film und Kino als Kommunikationsmedium, dann steht das Publikum mit seinem Vorwissen, seinen Erwartungen und seiner Interpretation des Films im Zentrum, denn ohne die Rezeption durch ein Publikum entsteht keine Kommunikation. Da ein Kinobesuch immer auch die Rezeption eines Films bedeutet, lässt sich festhalten: Film und Kino gehören zusammen.

Jeder von uns hat einen Lieblingsfilm. Sei es Harry und Sally (1989), Star Wars (1977–2015) oder Der Herr der Ringe (2001–2003) – wir alle erliegen schon von Kindesbeinen an der Faszination der laufenden Bilder. Ein Blick in unsere Wohnungen zeigt, wie Kinofiguren und Leinwandhelden Einzug in die Kinderzimmer gehalten haben. Kaum ein Mädchenzimmer kommt ohne Disney-Prinzessinnen-Kostüme aus; entsprechend findet man in Jungenzimmern häufig ein Star Wars-Laserschwert. Werden aus den Kindern Teenager und Jugendliche, so wandeln sich die Vorlieben und Helden: Die Mädchen der 2010er Jahre bewundern Kristin Steward in der Twilight-Trilogie (2008–2012) oder Jennifer Lawrence, die in den Tribute von Panem-Filmen (2012–2015) die Filmwelt rettet, während Jungs vielleicht den Iron Man (2008) als Comic-Helden anhimmeln. Jede Generation hat ihre Filmhelden: James Dean in den 1950er und 1960er Jahren; John Travolta und Olivia Newton-John in den 70ern; Jonny Depp, Brad Pitt und Angelina Jolie in den 2000ern. Auch in Zukunft werden noch viele neue Stars auf der Kinoleinwand Identifikationspotenziale bieten.

Wir alle mögen unterschiedliche Filme. Nicht jeder von uns sieht gerne Blockbuster, also Kassenhits wie Spiderman (2002) oder Titanic (1997). Manch einer sieht lieber kleinere, künstlerisch orientierte Filme, die man Arthaus-Filme nennt, wie Idioten (1998) von Lars von Trier oder den neuesten WoodyAllen-Film. Diese Beispiele machen deutlich, dass Film und

Kino nicht nur den Nerv einer jeweiligen Generation treffen müssen, sondern auch im Spannungsfeld zwischen Kunst und Kommerz stehen. Unter Kommerz werden oft die HollywoodProduktionen verstanden, die mit großen Budgets, berühmten Schauspielern und hohem Werbeaufwand zu Kassenerfolgen werden. Nicht umsonst steht das Wort "Hollywood"– eigentlich ein nicht besonders schöner Stadtteil von Los Angeles – für Glamour und Stars. Wer Film als Kunst versteht, lehnt diese Filme häufig ab und sieht sich lieber kleinere Arthaus-Filme im Kino an.

Woher kommt nun die Faszination fürs Kino und seine Filme? Warum treffen manche Filme den Nerv einer Generation und andere nicht? Wie werden Filme hergestellt und wie kann man Filme analysieren? Wie ist es um die Zukunft des Kinos bestellt? Hierauf will das vorliegende Buch einige Antworten geben.

Zunächst geht es um den schon angedeuteten Konflikt von Kunst und Kommerz. Analysieren wir eine Kunstform, die die Probleme der Gesellschaft aufgreift und eine Möglichkeit bietet, sich mit ihnen auseinanderzusetzen? Oder untersuchen wir ein wirtschaftliches Produkt, das sehr arbeitsteilig und mit hohem Risikofaktor hergestellt wird, da man nie weiß, welche Filme wirklich erfolgreich sein werden? Denn das Verhalten des Publikums ist nicht immer vorhersehbar. Die vielen Flops der Filmgeschichte zeugen davon. Das Spannungsfeld zwischen Kunst und Kommerz beeinflusst den Blick auf Film und Kino. Die Betrachtung als Kunst würde den Künstler, hauptsächlich den Regisseur – beim sogenannten Autorenfilm auch Autor genannt – ins Zentrum der Untersuchung stellen. Die Biografie des Regisseurs und seine Intention beeinflussen das Kunstwerk. Anders wäre es bei der Betrachtung von Film als Wirtschaftsprodukt. Hier würde man vorrangig alle, die bei der Produktion eine Rolle spielen, sowie die Absatzmärkte und Umsätze betrachten.

Eine weitere Frage steht im Raum: Kann das Kino seine Wirkkraft behalten in einer Zeit des Medienwandels durch Digitalisierung und Globalisierung, in der es möglich ist, Filme auf viele Weisen zu sehen, vom Minibildschirm des Handys bis zum Riesen-HD-Fernseher im Wohnzimmer? Mit dieser Frage hängt zusammen, wie Filme in Zukunft hergestellt und wo die erzählten Geschichten gefunden werden. Seit einiger Zeit wird Film und Kino die Kreativität, neue filmische und erzählerische Ideen hervorzubringen, eher abgesprochen. Durch die Vielzahl an Fortsetzungsfilmen, wie Batman – The Dark Knight bis Dark Night Returns (2005–2013), Harry Potter 1 bis Harry Potter 8 (2001–2011), scheint das BlockbusterKino zu sehr auf bewährte Rezepte zu setzen. Anders sieht es derzeit beim Fernsehen aus. Durch neue Serien, neue Erzählweisen und die Einbindung prominenter Regisseure und Filmemacher setzt es neue filmische Highlights. Wird das Kino sich neu erfinden können, und wird das Publikum auch weiterhin dorthin gehen, um Filme zu sehen? Das werden nur die Nutzer entscheiden. Sie und ihr Verhalten sind beim Kommunikationsmedium Film jedenfalls zu beachten.

Um diese Fragen zu beantworten, wird zunächst kurz die Kinogeschichte skizziert und anschließend erklärt, wie Filme hergestellt werden und wie die Filmindustrie funktioniert, von der Produktion bis zum Filmverleih. Ein Kapitel widmet sich der Analyse von Filmen, ihrer Machart und – wie die Filmwissenschaftler sagen – der Filmsprache bzw. Filmästhetik. Abschließend werden die Rezeption von Filmen, das Kinopublikum und mögliche Filmwirkungen beschrieben. Denn nur so lässt sich ein Ausblick auf die Zukunft des Kinos wagen.

 
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