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Kino und Propaganda

In den Jahren des Zweiten Weltkriegs setzten alle am Krieg beteiligten Regierungen, wie die amerikanische, russische, englische und deutsche, Film und Pflichtkinovorführungen zu Propagandazwecken ein. Perfektioniert wurde dies aber von den Nationalsozialisten. Sie unterstellten im Zuge der gesellschaftlichen Gleichschaltungspolitik auch die Filmindustrie der staatlichen Kontrolle. Dazu gehörten Produktion, Einfuhr ausländischer Filme, Programmablauf, Kritik, Reklame und die organisierten Pflichtbesuche im Kino. Neben Propagandafilmen wie Jud Süß (1940) wurden gleichzeitig "Durchhalte-Filme" wie Die große Liebe (1942) gedreht, in dem Zarah Leander noch heute unvergessen "Es wird einmal ein Wunder geschehen" singt. Das Publikum entzog sich jedoch der direkten Propaganda und suchte nur die leichte Unterhaltung. Zwar gab es Pflichtvorführungen beispielsweise für den Film Triumph des Willens (1935) von Leni Riefenstahl, den Schüler und Schülerinnen mit ihren Schulklassen ansehen mussten. Aber am erfolgreichsten war damals der Film Frau meiner Träume (1944), ein Revuefilm mit Marika Rökk, der 5,5 Millionen Zuschauer ins Kino lockte.

Gleichzeitig konnten die Deutschen dem Krieg auch im Kino nicht entgehen, da die Deutsche Wochenschau ebenfalls zum Kino gehörte. Vor jeder Spielfilmvorführung gab es in jedem Kino diese frühe Form der Nachrichtendokumentation. So sahen Millionen Kinobesucher die Berichte von der Front und aus dem Krieg. Spielfilme jedoch, die sich mit dem Krieg beschäftigten, blieben fast ohne Zuschauer.

Auch die USA setzten Film zur Propaganda ein. Die sogenannten "Why we fight"-Filme wurden von namhaften Regisseuren der damaligen Zeit wie Frank Capra im Auftrag des Verteidigungsministerium gedreht. Ziel der Filme war es, die amerikanische Bevölkerung vom Eintritt in den Zweiten Weltkrieg zu überzeugen und die Moral in der Armee zu stärken. Wissenschaftlich sind diese Filme besonders interessant, da ihre Wirkung zum ersten Mal empirisch untersucht wurde. Carl I. Hoveland, ein Psychologe aus Yale, befragte Soldaten im Anschluss an die Filmvorführungen, inwieweit sich ihr Wissen und ihre Einstellungen zum Eintritt Amerikas in den Krieg verändert hätten. Die Ergebnisse zeigen, dass die Filme das Faktenwissen verbessern, aber Einstellungen nicht verändern konnten.

 
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