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Die 1990er und 2000er Jahre

In den 1990er Jahren setzte eine Modernisierungswelle der Kinoindustrie ein; Multiplexe (Kinos mit mehr als sieben Leinwänden) hielten Einzug. Dies lockte endlich wieder mehr Zuschauer an. Gleichzeitig wurden die Filme immer aufwändiger, teurer und mit Special Effects produziert.

Die Kluft zwischen den künstlerisch anspruchsvollen Filmen und den massentauglichen, erfolgreichen Blockbustern wurde immer größer. Gleichwohl versuchten einige Filmemacher, mit künstlerisch anspruchsvollen Filmen beim Publikum erfolgreich zu sein. Dies gelang beispielsweise Tom Tykwer mit Lola rennt (1998). Auch Filmemacher wie Lars von Trier mit seinen dänischen Dogma-Filmen (z. B. Idioten 1998) oder Quentin Tarantino (Pulp Fiction 1994) gelang es, ein ästhetisch neues und anspruchsvolles Kino zu schaffen, das gleichzeitig ein großes Publikum ansprach.

Hollywood baute auf eine Franchise-Strategie, um die Risiken der immer teurer werdenden Filmproduktionen abzufedern. Das heißt, sie versuchten aus bekannten Stoffen neue Filme zu machen. Bekannte Stoffe sind Vorlagen von erfolg reichen Büchern, Fernsehserien oder Computerspielen, aber auch Fortsetzungen von schon vorhandenen Filmen. So setzte George Lucas seine Star Wars-Trilogie fort, indem er die Vorgeschichte in drei Teilen erzählte. Die Harry Potter-Bücher wurden in acht Teilen (2001 bis 2011) verfilmt. Dabei boten die Filmemacher auch hier ästhetische Neuerungen, die durch die Computertechnologie möglich waren. Beispielhaft war die Herr der Ringe-Trilogie (2001–2003), die Verfilmung der Tolkien-Bücher durch Peter Jackson, mit neuen visuellen Effekten. Das Publikum liebt diese aufwändigen HollywoodSpektakel. So sahen 18 Millionen Deutsche den Kassenhit Titanic (1997).

Zurzeit experimentieren Filmemacher mit der 3-D-Technologie. So ist es mittlerweile üblich, dass Kinofilme sowohl in 2-Dals auch in 3-D-Version in die Kinos kommen. Wegweisend auf diesem Gebiet war der Film Avatar (2009). Bisher hat aber die dreidimensionale Technologie die zweidimensionale nicht abgelöst, sondern scheint diese bei bestimmten Filmen zu ergänzen. Künstlerisch wird dem etablierten HollywoodKino derzeit eher ein Stillstand bescheinigt, neue und originäre Stoffe besitzen eher Seltenheitswert. Eine Analyse der Filmhits aus dem Jahr 2012 zeigt, dass unter den Top-50-Filmen fast nur Fortsetzungen bzw. Franchise-Filme waren und kaum neue originäre Stoffe. Momentan wird dem Fernsehen mehr künstlerische Innovation zugesprochen. Hochwertige Serien wir Mad Men (seit 2007) oder verstörende Gesellschaftsbeschreibungen wie The Wire (2002–2008) oder House of Cards (seit 2013) sind die künstlerisch treibenden Kräfte. Doch noch ist es zu früh, dass Kino totzuschreiben. Kino war immer im Wandel, sowohl technologisch als auch ästhetisch und gesellschaftlich. Bisher hatte Kino immer die Kraft, sich aus Krisen heraus neu zu entwickeln.

Zwei Aspekte prägen aktuell die Diskussion um die Zukunft des Kinos: die Auswirkungen der Digitalisierung der Filmherstellung und des Vertriebs sowie der demografische Wandel. Gleichzeitig lassen immer aufwändigere Actionfilme, meist als Serien gedreht, die Produktionskosten explodieren, und die Refinanzierung an der Kinokasse wird schwieriger. Das Publikum ist jedoch unberechenbar, hohe Produktionskosten sind keine Garantie für den Kassenerfolg. Mit der Digitalisierung geht einher, dass jüngere Menschen seltener ins Kino gehen, sie beschäftigen sich mehr mit interaktiven Computerspielen, sehen Filme am Computer und laden sie aus dem Internet herunter. Offensichtlich geht der Reiz der Filmvorführung im dunklen Raum für sie verloren. Dagegen wächst die Gruppe der älteren Kinobesucher, die jedoch andere Filme bevorzugt. Kino und Film müssen sich also, wie schon so oft, neu erfinden.

 
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