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6. Kinopublikum und Filmrezeption

Der Überblick über das Kinopublikum zeigt die unterschiedlichen Kinobesuchergruppen auf, geht auf die Motive für den Kinobesuch und die Art der Informationssuche ein. Es gibt verschiedene Publika im Kino, die vom demografi Wandel betroffen sind. Nur die frühe Medienwirkungsforschung beschäftigte sich mit Filmwirkungen, heute geht man eher dem Stellenwert von Kino im Leben nach.

Wer geht ins Kino? Warum geht man in Zeiten, in denen Film auf den verschiedensten Bildschirmen, wie Fern-

seher, Computer, Tablet oder Smartphone, an jedem Ort und zu jeder Zeit gesehen werden kann, überhaupt noch ins Kino? Viele dieser Fragen lassen sich gut beantworten, da das deutsche Kinopublikum gut erforscht ist. Wir wissen, wer wann ins Kino geht, aus welchen Gründen und mit wem – dies dokumentieren die jährlichen Analysen der Filmförderungsanstalt (FFA).

Einige Erkenntnisse soll das folgende Kapitel vermitteln. Wichtig ist dabei: Es gibt viele Kino-"Publika" bzw. viele Gruppen von Menschen, die in unterschiedliche Filme gehen. Wir wissen, dass über 50-Jährige einen anderen Filmgeschmack haben als unter 25-Jährige, und wir wissen auch, dass die Motive der älteren Generation, ins Kino zu gehen, sich von denen der jüngeren Generation unterscheiden.

Wer geht ins Kino?

Das Kinopublikum macht seit den 1990er Jahren einen grundlegenden Wandel durch: Galt es bis dahin als überwiegend jugendlich und überwiegend männlich, in der Ausbildung befindlich und ledig, so alterte es seit den 1990er Jahren kontinuierlich. Lag der Anteil der unter 30-Jährigen am Kinopublikum im Jahr 1993 bei 70 % (das heißt, fast vier von fünf Besuchern waren unter 30 Jahre), so schrumpfte diese Altersgruppe bis 2012 auf weniger als die Hälfte. Sie macht seit 2012 nur noch 42 % des Publikums aus. Vor allem die 20bis 29-Jährigen gehen immer seltener ins Kino.

Im Gegenzug steigt der Anteil der über 50-Jährigen kontinuierlich an. Vor allem die Altersgruppe der über 60-Jährigen hat sich in den letzten Jahren mehr als vervierfacht (vgl. Abbildung 3).

Begründen lassen sich diese Beobachtungen teilweise durch den demografischen Wandel und die Verschiebung in der sogenannten Alterspyramide. So wird die Gruppe der unter 30-Jährigen in der Bevölkerung immer kleiner, während der Anteil der über 50-Jährigen wächst. Diese über 50-Jährigen sind aber auch gleichzeitig eine aktive Generation. Marketingexperten nennen sie gerne "Best-Ager", "Silverliner" oder finden andere freundliche Namen für Menschen über 50 Jahre. Diese Bezeichnungen verdeutlichen das Aktive und Unternehmungslustige sowie die Kaufkraft dieser Generation. Diese neue ältere Generation unterscheidet sich von ihren Vorgängergenerationen insoweit, als sie ins Kino geht, und das in einem Alter, in dem dies vor 20 Jahren nur wenige taten.

Die derzeit jährlich etwa 120 bis 130 Millionen Kinobesu-

Abb. 3 Altersentwicklung des Kinopublikums von 1993 bis 2012 (FFA 2005: 18; 2013: 16)

che verteilen sich auf etwa 30 Millionen Personen. Dies bedeutet, dass im Jahr 2013 fast die Hälfte der Bevölkerung mindestens einmal im Jahr ins Kino gegangen ist. Betrachtet man die einzelnen Altersgruppen, so gehen aus der Gruppe der Teenager und Twens zwei von drei ins Kino, bei den jungen Frauen zwischen 10 und 19 Jahren ist der Anteil der Kinobesucherinnen am höchsten, hier gehen 84 % der Gruppe ins Kino. Zwar werden die Kinobesucher insgesamt etwas älter, dennoch gehen die jungen Menschen bezogen auf ihren Anteil an der Bevölkerung immer noch überproportional häufig ins Kino.

Obwohl Großstädte wie Berlin oder München die größte Kinodichte haben, erfolgen zwei Drittel der Kinobesuche in kleineren Städten mit unter 100 000 Einwohnern. Lediglich 15 % der Kinobesuche werden in Großstädten gezählt. Da kleinere Städte in der Regel nur mehr am Mainstream orientierte Kinos haben, werden hier die meisten Eintrittskarten für Blockbuster-Filme gelöst.

Die größte Berufsgruppe unter den Kinobesuchern ist die der Angestellten. Studierende und Schüler bilden ebenfalls eine große Gruppe der Kinobesucher. Die meisten leben in Mehrpersonenhaushalten und haben ein überdurchschnittliches Haushaltseinkommen. Kinobesucher sind im Vergleich mit der Gesamtbevölkerung überdurchschnittlich gut gebildet. Kinobesucher, die mindestens viermal im Jahr ins Kino gehen, machen zwar nur 25 % des Kinopublikums aus, sind aber für über die Hälfte des Umsatzes verantwortlich. Dies bedeutet, dass die meisten Kinokarten von "intensiven" Kinobesuchern gekauft werden.

Wir können also festhalten: Das Kinopublikum ist deutlich jünger als die durchschnittliche Bevölkerung. Gleichzeitig müssen wir innerhalb des Kinopublikums eine Alterung feststellen.

 
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