Fazit

Es wurde in diesem Kapitel zwischen Hauptthema und Nebenthema unterschieden. In Anlehnung an kognitive und evolutionspsychologisch orientierte Forschungsansätze innerhalb der Literaturwissenschaft wurde die Position vertreten, dass der Abstraktheitsgrad von Wissensstrukturen zwar wichtig für den analogischen domänenübergreifenden Charakter von Themen ist, aber keine ausreichende Bedingung ist, um aus einer Wissensstruktur ein Hauptthema der Literatur zu machen. Bei der Beibehaltung des Abstraktheitsgrades als Eigenschaft eines thematischen Wissensgehalts muss eine Wissensstruktur eine weitere Bedingung erfüllen, um als überlieferungsfähiges kulturübergreifendes Hauptthema der Literatur betrachtet werden zu können. Sie soll eine biologische Kulturdisposition des Menschen bzw. Wissen über die basalen Verhaltenssysteme des Menschen transportieren, die in der Evolutionsgeschichte der Menschen adaptiv relevant sind bzw. gewesen sind. Diese Bedingung kann im Rahmen der intrinsischen adaptiven Funktion von Literatur erfüllt werden. Diese besteht darin, dass Literatur durch Probehandeln von adaptiv relevanten Situationen bei der Erfüllung ihrer Unterhaltungsfunktion dem Leser die Möglichkeit bietet, sich in eine erzählte auf ein evolutionsbedingtes basales Verhaltenssystem des Menschen zurückführende Situation hineinzuversetzen. Diese trägt zur Entwicklung adaptiver kognitiver Fähigkeiten bei.

Adaptiv relevante einen hohen Abstraktheitsgrad aufweisende Wissensstrukturen stellen nach meinem Vorschlag Hauptthemen dar, die in der Interaktion mit einem literarischen Kunstwerk durch ein prototypisches situational determinant aktiviert werden können. Ich habe vorgeschlagen, im Zusammenhang mit kulturellen Schemata als Nebenthemen situational determinants eine kognitive Funktion zuzuerkennen. Es wurde gezeigt, dass sie als Katalysator dienen können und in der Interaktion des Lesers mit dem Text als Trigger für ein eine biologische Kulturdisposition transportierendes Thema fungieren. Sie verweisen unmittelbar auf kulturelle Schemata und mittelbar auf Universalien der Kultur.

Es wurde vorgeschlagen, das selektive Erkennen des Patterns eines Hauptthemas bei der Rezeption eines Textes der fiktionalen Literatur an die Funktion des meaning maximizing zu binden. Meaning maximizing findet statt, wenn die folgenden Bedingungen erfüllt sind: Der Leser soll ein erzähltes Ereignis als vertraut anerkennen können und eine Analogie zu seinen eigenen Wissensschemata herstellen können. Das erzählte Außergewöhnliche wird als eine Abweichung von den vertrauten Schemata empfunden. Aus diesem Grund kann aus meiner Sicht meaning maximizing als Auslöser der Erregung von Interesse dienen, das wiederum das Prozessieren bzw. das Aufdecken des inferenziellen thematischen Patterns steuern kann.

 
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