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6.5 Fazit

In diesem Kapitel wurde versucht, in Anlehnung an den Literarizitätsbegriff kognitiver Prägung die Frage danach zu beantworten, ob und inwiefern sich eine literarische Spezifität einer thematischen Abstraktion erkennen lassen kann, die im Literarizitätsbegriff begründet liegt. Jakobsons Literarizitätsbegriff wurde in diesem Kapitel für zu einseitig gehalten und nicht weiter berücksichtigt.

Es wurde auf die Formulierung des Literarizitätsbegriffs von Cook, Semino und Miall und Kuiken eingegangen. Die Arbeiten von Cook und Semino basieren ausschließlich auf der Schematheorie. Sie erschöpfen sich darin zu betonen, dass die Verarbeitung von Literatur als Diskurs durch die formal-ästhetischen Eigenschaften eines Textes der Literatur zu einer Schemaänderung in der Wissensstruktur des Lesers führe. Dies gilt der kognitiv orientierten Literaturwissenschaft zufolge als Haupteigenschaft von Literarizität. Im Gegensatz zu Semino und Cook fügen Miall und Kuiken das Erwecken von Emotionen als Bedingung für die durch die Verarbeitung eines Textes der Literatur vorangetriebene Schemaänderung in der Wissensstruktur des Lesers hinzu. Weder das Modell von Cook und Semino noch das Modell von Miall und Kuiken können direkt die Frage beantworten, wie und ob sich der literarische Wert einer thematischen Abstraktion in Bezug auf Literarizität feststellen lässt. Ein solcher Zusammenhang würde bedeuten, dass die Formulierung einer thematischen Abstraktion eine Schemaänderung als Folge der Erfahrung der Literarizität vermitteln würde. Ob eine thematische Abstraktion bzw. eine thematische Bedeutung auf die Erfahrung der Literarizität zurückgeführt werden kann oder nicht, kann nur dann festgestellt werden, wenn sie als das Ergebnis eines Textverarbeitungsprozesses betrachtet wird, der durch die drei kognitiven Stufen bestimmt ist, die das Modell von Miall und Kuiken kennzeichnen: Foregrounding, Verfremdung und die durch die erweckten Emotionen bewirkte Schemaänderung in der Wissensstruktur des Lesers. Es wurde festgestellt, dass sich allein in der Formulierung der thematischen Abstraktion kein auf die Erfahrung der Literarizität zurückführendes Element erkennen lässt. Es wurde vorgeschlagen, dass dieses im Prozess der Erfahrung der Literarizität selber zu suchen ist. Die Untersuchung der Art, wie eine thematische Abstraktion im Prozess der Erfahrung der Literarizität entsteht, lässt feststellen, ob die thematische Abstraktion eine auf Literarizität zurückführende Schemaänderung mit emotionalem Unterton vermitteln kann oder nicht. Auf die Möglichkeit, einen anti-repräsentationalistischen antidualistischen nicht-klassischen Ansatz für Thematics zu entwickeln, der an die jüngsten Entwicklungen der Kognitionswissenschaften anknüpfen könnte, wurde hingewiesen.

 
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