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7.3 Fazit

In diesem Kapitel wurde die Frage eingeführt und diskutiert, ob und wie sich eine Verbindung zwischen ästhetischer Erfahrung und der Erfahrung der thematischen Abstraktion erkennen lassen kann. Obwohl in der Leserforschung in Hinblick auf den Leser literarischer Texte auf ästhetische Erfahrung hingewiesen wird, lässt sich eine eindeutige Abgrenzung des Begriffes von dem ähnlichen Begriff der Literarizität kognitiver Prägung in der Fachliteratur nicht erkennen. Als ein Prozess des Genusses einer durch den Text aktivierten Erfahrung mit starkem emotionalem individuellem Ton bei der Interaktion mit einem Text der Literatur lässt sich ästhetische Erfahrung charakterisieren. An den Überlegungen von Iser und Jauß und an der Arbeit von Miall, Kuiken und Sikora erkennt man kein eindeutiges Element, das als kennzeichnend für eine literarische ästhetische Erfahrung als Moment des ‚Selbstgenusses im Fremdgenuss' unabhängig von bestimmten Phasen der Erfahrung der Literarizität bezeichnet werden könnte. Literarische ästhetische Erfahrung scheint ein Merkmal der kognitiv-emotionalen Erfahrung der Literarizität zu sein. Trotz unscharfer Begriffsbestimmungen konnte der Zusammenhang zwischen einer thematischen Abstraktion, die durch das Ergebnis des kognitiven Prozesses der Literarizität eine Schemaänderung vermitteln soll, und einer ästhetischen Erfahrung anhand Deweys Auffassung von Erfahrung und ästhetischer Erfahrung erhellt werden.

Die thematische Abstraktion als eine eine Erfahrung transportierende Aussage wurde als eine Steigerung einer gewöhnlichen Erfahrung betrachtet. Die durch das Werk evozierten Gefühle stellen den Moment dar, in dem ein literarisches Kunstwerk durch die hervorgerufenen Erfahrungen wieder in das Leben des Lesers eindringt. Es wurde gezeigt, dass im Falle einer thematischen Abstraktion die Analyse der Literarizität oder der ausgelösten ästhetischen Erfahrung nicht allein an der Sprachoberfläche der propositionalen Formulierung erfolgen kann. Es wurde vorgeschlagen, die Ablehnung des Begriffes von mentalem Schema und die Anwendung antidualistischer Theorien als die Voraussetzungen für interaktive Literarizität als verkörperte enaktive kognitivemotionale Dynamik zu betrachten. Diese könnte dazu beitragen, einen antidualistischen Begriff von ästhetischer literarischer Erfahrung bei der Erfahrung der Literarizität weiter zu entwickeln.

 
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