< Zurück   INHALT   Weiter >

8 Schlussbetrachtungen

In diesem Beitrag wurde behauptet, dass ein Thema der Literatur durch das Zusammenwirken der folgenden Faktoren erschlossen wird: Manifestness literarisch relevanter Informationen im Text, Interessenerregung, Verfremdung, Bedeutungsmaximierung und Probehandeln zum Zweck der Entwicklung adaptiv relevanter Verhaltenspatterns. Dieser Beitrag hat gezeigt, wie diese kognitiv-emotionalen und stilistischen Mittel zur kognitiven Informationsselektion die Funktion erfüllen, eine literarisch relevante aus einem Hauptthema und verschiedenen Nebenthemen bestehende Themenhierarchie zu bestimmen, die sich aus der Disambiguierung der Vieldeutigkeit des Textes ergibt.

Interdisziplinarität als das Prinzip der systematischen wissenschaftlichen Integration von Forschungsergebnissen und Begriffen aus mehreren Disziplinen wurde angewendet und angestrebt. Ausgehend von dem Kriterium der Interdisziplinarität wurde das Thema als Wissensstruktur eines (empirischen) Lesers als wahrnehmender Mensch in der Interaktion mit seiner Umwelt aufgefasst. Dem Leser als wahrnehmendem Menschen und seinen Wissensstrukturen und Erfahrungen wurde eine entscheidendere Rolle bei der thematischen Bedeutungsgenerierung zuerkannt. Auf der folgenden Seite möchte ich das thematische Pattern, das in diesem Beitrag entwickelt wurde, grafisch darstellen:620

In dieser Arbeit wurde eine kognitive Auffassung von Thema und von literarisch relevanten Hauptthemen und Nebenthemen in Anlehnung an die Erkenntnisse der Kognitionswissenschaften vorgeschlagen. Mein in dieser Arbeit entwickeltes Konzept knüpft an die Worte von Bremond & Pavel (1995) an, die in meiner Einleitung als Anstoß gedient haben. Im Folgenden möchte ich den beiden Autoren nochmals das Wort geben:

„The problem is not so much to eliminate subjective interpretations (the structuralists' fantasy) as to broaden the range of potential readings, and – so as to be as objective as possible – to evaluate the subjectivity of each.” (Bremond & Pavel in Bremond u. a. (eds.) 1995, S. 182)

Diese Arbeit hat zweierlei Ziele verfolgt. Einerseits hat sie versucht, den Entwicklungen der Kognitionswissenschaften die Themenforschung näherzubringen, um diese aus der Isolation herauszuholen, andererseits hat diese Arbeit Bausteine eines kognitiven Prozesses eingegrenzt, die dazu beitragen können, subjektive thematische Bedeutungszuweisungen nach intersubjektiven Patterns so objektiv wie möglich auszuwerten. Zur Isolation des Fachgebietes hat hauptsächlich die ‚Stoffhuberei' der deutschen Thematologie beigetragen.

In dieser Arbeit wurden die außerliterarische Natur und der kognitiv-emotionale Charakter des Themas anerkannt. Als Ausgangspunkt hat die Ablehnung der Vorstellung fungiert, dass ein Thema allein in die Textarchitektonik gehört. Abgelehnt wurde auch die thematologische und komparatistische Annahme, dass ein Thema nach werkimmanenten und literaturgeschichtlichen Kriterien ermittelt werden soll. Brinkers Beobachtung, dass das Korrelat des als Thema eines Textes betrachteten Elements im Wissen des Lesers vorhanden sein muss, damit dieser den Text auch verstehen kann, hat als Anstoß gedient.

Die vorliegende Arbeit hat die Wechselbeziehung zwischen Wissensstrukturen und kognitiven und emotionalen Vorgängen in den Vordergrund gerückt. Die theoretischen Voraussetzungen der Thematologie wurden anhand der jüngsten Entwicklungen der Kognitionswissenschaften und der empirischen Literaturwissenschaft konstruktivistischer (S. Schmidt) und kognitionspsychologischer Prägung revidiert.

Die oben erwähnten Forschungsrichtungen stellen keine Texte der Literatur in den Mittelpunkt der Untersuchungsarbeit mehr. Stattdessen wird der Interaktion zwischen Texten der Literatur und ihren empirischen Lesern Aufmerksamkeit geschenkt, die als Subjekten mit einer kognitiven und emotionalen Aktivität im Umgang mit der Umwelt betrachtet werden, in der jeder Mensch Erfahrungen sammelt und Wissen erwirbt. Es wurde gezeigt, dass die im Gedächtnis gespeicherten Wissensstrukturen des wahrnehmenden Menschen eine zentrale Rolle bei dem Prozess der Identifikation von Themen eines Textes der Literatur seitens des Lesers spielen. Um dies zu zeigen, wurde davon ausgegangen, dass der Leser über kognitive Wissensstrukturen über die wahrgenommene Umwelt verfügt, die zum Zweck des Verstehens auf neue (auch vom Text vermittelte) Erfahrungen angewendet und verwendet werden. Dass das Thema als kognitive Wissensstruktur des Lesers erfasst werden kann, wurde durch die Berücksichtigung eines schemabasierten Textverarbeitungsmodus plausibilisiert. Auch eine gewisse Erweiterung der Schematheorie durch die Berücksichtigung des analogischen Wissenstransfers wurde in Betracht gezogen. Da die traditionelle Schematheorie an die Grenzen ihrer steifen Vorstellung von vorgefertigten Wissensrepräsentationen stößt, wurden antidualistische Entwicklungen der Kognitionswissenschaften und der Philosophie des Geistes berücksichtigt, die die steife Wissensrepräsentation der Schematheorie abschwächen.

In Anlehnung an die maßgebende Schematheorie in der kognitiv orientierten Themenforschung wurde das Thema als eine durch ein Zielund-Plan-Pattern gekennzeichnete Wissensstruktur des Lesers aufgefasst, die zur Orientierung in der Welt dient. Thema wurde als das Ergebnis der Kategorisierung von Erfahrungen betrachtet, die zu Wissen werden. Eine literarisch relevante Wissensstruktur kennzeichnet sich durch ihren semantischen strukturellen Abstraktheitsgrad. Sie wird in der Interaktion mit Texten als Wissensschema mit hohem Abstraktheitsgrad aktiviert. Es wurde in dieser Arbeit festgestellt, dass Wissensstrukturen mit hohem Abstraktheitsgrad Themen entsprechen, die stark überlieferungsfähig sind und die vermutlich als literarisch relevanter gelten können. Ein Thema ist im Hintergrundwissen des Lesers verankert. In der Interaktion mit dem Text wird es zum Zweck des Verstehens durch die Herstellung von Analogien zu dem in der realen Welt vom Leser erlebten Erfahrungsgehalt getriggert. Die Frage danach, wie der Leser einen thematischen Wissensgehalt identifizieren kann, der für das Verstehen einer Textkohärenz als entscheidend gelten kann, wurde in Anlehnung an eine leichte Revision der Bedingungen des Prinzips der Manifestness von Sperber und Wilson beantwortet. Die Rolle des Grades der Manifestness einer Information wurde an die Bedingung gekoppelt, dass der Leser ein Hauptthema durch einen thematischen inferenziellen Prozess nur dann erkennen kann, wenn er über die nötigen kontextbedingten Wissensstrukturen verfügt. Diese versetzen ihn in die Lage, Informationen im Text als manifest und weniger manifest einzustufen, was dazu beiträgt, dass der Leser Nebenthemen von einem die Textkohärenz gewährleistenden Hauptthema unterscheiden kann.

In einem antidualistischen Ansatz ohne Repräsentationsbegriff wäre das Thema als ‚embodied' Ergebnis eines Erkenntnisprozesses in der Interaktion mit einer Textkohärenz in der Kontinuität zwischen körperlichen Prozessen der Wahrnehmung und Kognition und Emotion des Lesers zu suchen. Dies steht in Einklang mit den sogenannten antidualistischen Kognitionswissenschaften.

In Anlehnung an kognitionsund evolutionspsychologisch orientierte Forschungsansätze innerhalb der Literaturwissenschaft wurde die Position vertreten, dass der Abstraktheitsgrad von Wissensstrukturen zwar wichtig für den analogischen domänenübergreifenden Charakter von Themen ist, aber keine ausreichende Bedingung ist, um aus einer Wissensstruktur ein Hauptthema der Literatur zu machen. Bei der Beibehaltung des Abstraktheitsgrades als Eigenschaft eines literarisch relevanten thematischen Wissensgehalts muss eine Wissensstruktur eine weitere Bedingung erfüllen, um ein überlieferungsfähiges kulturübergreifendes Hauptthema eines Textes der Literatur vermitteln zu können. Ich habe vorgeschlagen, dass sie eine biologische nach der Evolutionsgeschichte des Menschen adaptiv relevante Kulturdisposition bzw. Wissen über die basalen Verhaltenssysteme des Menschen transportieren soll.

Die intrinsische adaptive Funktion von Literatur trägt dazu bei, diese Bedingung zu erfüllen. Texte der Literatur sind insofern intrinsisch adaptiv, als sie bei der Erfüllung ihrer Unterhaltungsfunktion durch das Probehandeln von adaptiv relevanten Situationen dem Leser die Möglichkeit geben, sich in eine erzählte auf ein evolutionsbedingtes basales Verhaltenssystem des Menschen zurückführende Situation hineinzuversetzen. Diese trägt zur Entwicklung adaptiver kognitiver Fähigkeiten bei.

In dieser Arbeit wurde dafür argumentiert, dass adaptiv relevante Wissensgehalte Hauptthemen darstellen, die in einem literarischen Kunstwerk durch ein sogenanntes prototypisches situational determinant [dt. situativer Bestimmungsfaktor, von mir übersetzt, A. S. ] im Wissensgehalt des Lesers aktiviert werden können. Ein situational determinant kann mit einem Wissensschema gleichgesetzt werden, das in der Interaktion des Lesers mit Texten als Triggern ein eine biologische Kulturdisposition transportierendes thematisches Pattern auslösen kann. Es verweist auf ein kulturelles Schema und ist ein Katalysator für ein eine biologische Kulturdisposition transportierendes Thema.

Es wurde festgestellt, dass das selektive Erkennen des thematischen Patterns bei der Rezeption eines Textes der Literatur durch meaning maximizing [dt. Bedeutungsmaximierung, von mir übersetzt, A. S.] getriggert wird. Meaning maximizing findet statt, wenn die folgenden Bedingungen erfüllt sind: Der Leser soll ein erzähltes Ereignis als vertraut anerkennen können und eine Analogie zu seinen Wissensschemata herstellen können. Das erzählte Außergewöhnliche wird als eine Abweichung von den vertrauten Schemata empfunden. Aus diesem Grund kann es als Auslöser der Erregung von Interesse dienen und die Aufmerksamkeit der Leser erwecken. Interesse kann wiederum das Prozessieren der inferenziellen thematischen Patterns zum Hauptthema steuern. Es wurde die Position vertreten, dass thematische Bedeutung im kognitiven Prozess der Aktivierung von Erfahrungsgehalten entsteht. Sie enthält eine durch die Interaktion des Lesers mit der Textwelt bestimmte emotionale Bewertung des aktivierten Hauptthemas. Der Begriff ‚thematische Bedeutung' wurde in Anlehnung an die Textverarbeitungsforschung definiert. Eine thematische Bedeutung nimmt die Form einer eine Moral transportierenden Aussage an und ist das Ergebnis der Identifikation einer sogenannten thematischen Struktur, von der sogenannte sekundäre Informationen abgeschottet werden.

Gerade weil die thematische Abstraktion eine aus dem Text abstrahierte Moral transportiert, ist sie mit dem sogenannten nichtpropositionalen Wissen des Lesers verbunden. Sie hängt mit dem phänomenologischen subjektiven Ton emotionaler Erfahrung zusammen. Eine thematische Abstraktion stellt daher die Wiedergabe einer Erfahrung mit einem emotionalen Ton im Bereich des Probehandelns bei der Verarbeitung von Literatur dar. Der Leser kann sie auf seine reale bzw. nicht-fiktionale Welt beziehen und anwenden. In Anlehnung an Tooby und Cosmides wurde erklärt, dass der Wahrheitswert von Literatur allein in der Art von Erfahrung besteht, die der Leser durch die Verarbeitung eines Textes der fiktionalen Literatur adaptiv in seiner Welt verwenden kann. Daher kann der Leser dank seiner kognitiven Fähigkeit, fiktionale Informationen abzuschotten, nur das, was er auf seine Welt beziehen und anwenden kann, als wahr anerkennen und empfinden. In Anlehnung an den Literarizitätsbegriff kognitiver Prägung wurde versucht, die Frage danach zu beantworten, ob und inwiefern sich eine literarische Spezifität einer thematischen Abstraktion erkennen lassen kann, die im Literarizitätsbegriff begründet sein könnte. Roman Jakobsons Literarizitätsbegriff wurde für zu einseitig erklärt und nicht weiter berücksichtigt. Es wurde auf die Formulierung des Literarizitätsbegriffes von Cook, Semino, Miall und Kuiken eingegangen. Cook und Semino bauen ihre Arbeiten ausschließlich auf der Schematheorie auf. Ihr Beitrag zur Entwicklung eines kognitiven Literarizitätsbegriffes erschöpft sich darin zu betonen, dass die Verarbeitung von Literatur als Diskurs durch die formal-ästhetischen Eigenschaften eines Textes der Literatur zu einer Schemaänderung in der Wissensstruktur des Lesers führe. Dies gilt nach der kognitiv orientierten Literaturwissenschaft als Haupteigenschaft von Literarizität. Im Gegensatz zu Semino und Cook fügen Miall und Kuiken Emotionen als Bedingung für die durch die Verarbeitung eines Textes der Literatur vorangetriebene Schemaänderung in der Wissensstruktur des Lesers hinzu. Weder das Modell von Cook und Semino noch das Modell von Miall und Kuiken können direkt die Frage beantworten, wie und ob sich das Literarische an einer thematischen Abstraktion anhand eines gewissen Grades der Literarizität feststellen lässt. Ein solcher Zusammenhang würde bedeuten, dass die Formulierung einer thematischen Abstraktion eine Schemaänderung als Ergebnis der Erfahrung der Literarizität vermitteln könnte. Ob eine thematische Abstraktion bzw. eine thematische Bedeutung auf die Erfahrung der Literarizität zurückgeführt werden kann oder nicht, kann meiner Ansicht nach nur dann festgestellt werden, wenn sie als das Ergebnis eines Textverarbeitungsprozesses betrachtet wird, der durch die drei kognitiven Stufen bestimmt ist, die Miall und Kuiken in ihrem Modell eingegrenzt haben: Foregrounding, Verfremdung und die durch die erweckten Emotionen bewirkte Schemaänderung in der Wissensstruktur des Lesers. Es wurde festgestellt, dass sich kein auf die Erfahrung der Literarizität zurückführendes Element ausschließlich an der Formulierung der thematischen Abstraktion erkennen lässt. Es wurde vorgeschlagen, dass dieses Element im Prozess der Erfahrung der Literarizität selber zu suchen ist. Erst die Untersuchung der Art, wie eine thematische Abstraktion im Prozess der Erfahrung der Literarizität entsteht, lässt feststellen, ob die thematische Abstraktion eine auf Literarizität zurückführende Schemaänderung mit emotionalem Unterton vermitteln kann oder nicht.

Es wurde auch auf die vielversprechende Möglichkeit hingewiesen, einen antidualistischen Ansatz für Thematics zu entwickeln, der auch zu den jüngsten Entwicklungen der Kognitionswissenschaften beitragen könnte.

Diese Arbeit hat auch die Frage eingeführt und diskutiert, ob und wie sich eine Verbindung zwischen ästhetischer Erfahrung und der Erfahrung der thematischen Abstraktion erkennen lassen kann. Obwohl in der Leserforschung in Hinblick auf den Leser fiktionaler Texte auf ästhetische Erfahrung hingewiesen wird, lässt sich eine eindeutige Abgrenzung des Begriffes von dem ähnlichen Begriff der Erfahrung der Literarizität kognitiver Prägung nicht erkennen. An den Überlegungen von Iser und Jauß und an der Arbeit von Miall, Kuiken und Sikora erkennt man kein eindeutiges Element, das als kennzeichnend für eine literarische ästhetische Erfahrung als Moment des ‚Selbstgenusses im Fremdgenuss' unabhängig von bestimmten Phasen der Erfahrung der Literarizität bezeichnet werden könnte. Eine literarische ästhetische Erfahrung scheint mit der kognitiv-emotionalen Erfahrung der Literarizität deckungsgleich zu sein. Trotz unscharfer Begriffsbestimmungen konnte der Zusammenhang zwischen der thematischen Abstraktion, die durch den kognitiven Prozess der Literarizität eine Schemaänderung vermitteln soll, und der ästhetischen Erfahrung anhand Deweys Auffassung von Erfahrung und ästhetischer Erfahrung erhellt werden. Die thematische Abstraktion als eine eine Erfahrung transportierende Aussage wurde als eine emotionsgeladene Steigerung einer gewöhnlichen Erfahrung betrachtet, die die Form einer emotionsgeladenen Moral annimmt. Der Leser kann sie auf die Welt seiner eigenen Erfahrungen übertragen. Sie resultiert aus der Interaktion mit der Form des Textes, die das inhaltliche Pattern steuert und mitkonstituiert. Die durch das Werk evozierten Gefühle stellen den Moment dar, in dem ein literarisches Kunstwerk durch die evozierten Erfahrungen zyklisch in das Leben des Lesers eindringt. Es wurde gezeigt, dass im Fall einer thematischen Abstraktion die Analyse der Literarizität bzw. der ausgelösten ästhetischen Erfahrung nicht allein an der Sprachoberfläche der propositionalen Formulierung erfolgen kann. Es wurde vorgeschlagen, dass Sprachmaterial mit Foregroundingfunktion und dessen Verfremdungseffekt auf den Leser in die Kategorie der ‚Literarizität' gehören, während die Neukontextualisierung einer verfremdeten Referenz im Prozess der ästhetischen Erfahrung anzusiedeln ist. Es wurde darauf aufmerksam gemacht, dass der interaktive Literarizitätsbegriff von Miall und Kuiken durch die Anwendung antidualistischer Theorien von einer dualistischen kognitiv-emotionalen StimulusReaktion Dynamik in eine verkörperte enaktive Dynamik verwandelt werden kann, die die anti-repräsentationalistischen Kognitionswissenschaften widerspiegelt.

Im Gegensatz zur traditionellen Thematologie bietet Thematics die nötigen konzeptuellen Mittel für weitere Entwicklungen der Themenforschung, die die kognitiven und emotionalen Bestandteile der Inhalte der Literatur als Produkt des menschlichen verkörperten Geistes und als Produkt für den menschlichen verkörperten Geist nicht im Textgewebe verschwinden lassen. Thematics ermöglicht es, das Thema als das Element zu betrachten, das den kognitiven und emotionalen Übergang von der fiktionalen Welt des Erzählers zur nicht-fiktionalen Welt des Lesers gewährleisten kann. Die sich kognitiv orientierende Themenforschung untersucht die Eigenschaften dieses Übergangsprozesses, der möglich macht, dass das autonom-ästhetische Prinzip als Textverarbeitungsmodus fiktionaler Literatur in Frage gestellt und abgeschwächt wird.

Das Interesse der kognitiv orientierten Literaturwissenschaft an Interdisziplinarität und an empirischen Fragestellungen der Kognitionswissenschaften ermöglicht es, die Themenforschung den Kognitionswissenschaften näherzubringen und sie sogar miteinander zu ergänzen.

Eine sich kognitiv orientierende Themenforschung kann dazu beitragen, die Fragestellungen der Kognitionswissenschaften weiter zu entwickeln. In der Tat können Themen der Literatur als nicht-fiktionale Elemente fiktionaler Texte und der Prozess der Abschottung fiktionaler Informationen als Phänomene betrachtet werden, die in den kognitiven und sensomotorischen Fähigkeiten des wahrnehmenden Menschen begründet liegen. Der wechselseitige Dialog zwischen Themenforschung und science of the mind kann zur kognitiven Untersuchung der Rolle des Verhältnisses zwischen fiktionalen und nicht-fiktionalen Informationen beim Probehandeln und Wissenserwerb beitragen.

 
< Zurück   INHALT   Weiter >